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Nyamko Sabuni
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Wichtig zur Identitätsfindung: Literatur in Minderheitssprachen
Minoritätsinteressen

Mehr Mittel für Rechte von Minderheiten

Romani, Jiddisch, Finnisch, Samisch und Tornedalsfinnisch sind die fünf Sprachen in Schweden, die als Minderheitssprachen einen gesonderten Status genießen. Kinder haben das Recht auf Unterricht in ihrer jeweiligen Sprache, Behörden wie Krankenkasse und Finanzamt müssen die Kommunikation mit ihren Kunden in der in Frage kommenden Sprache sicherstellen, und auch Rentner haben Anspruch auf beispielsweise Samisch sprechendes Personal im Pflegeheim. Die Regierung hat nun umgerechnet sieben Millionen Euro veranschlagt, um diesen Anspruch in die Praxis umzusetzen.

Um diese Pläne vorzustellen, ist Integrationsministerin Nyamko Sabuni von der Volkspartei die Liberalen nach Luleå gereist. In der nördlichsten Provinz Norrbotten sind alle fünf Minderheiten vertreten, doch deren Anspruch auf den Gebrauch der Muttersprache in der Schule oder mit den Behörden waren nach Ansicht der für die Integration zuständigen Ministerin bisher unzureichend geregelt:

„Es war uns bisher nicht gelungen, die Konventionen mit Leben zu füllen, die wir ratifiziert haben. Das lag zum Teil an gewissen Undeutlichkeite. Dass nämlich Kommunen, die bisher kein Verwaltungsgebiet waren, sich ihren Pflichten nicht bewusst waren. Das heißt also, in einem Verwaltungsgebiet haben die Minderheiten Recht auf den Gebrauch ihrer Muttersprache im Kindergarten, der Schule und im Pflegeheim sowie im Kontakt mit den Behörden.”

Samische Verwaltungsgebiete waren bisher Kiruna, Jokkmokk, Gällivare und Arjeplog, hinzu sollen Arvidsjaur und 12 Kommunen im übrigen Norrland kommen. Samisch soll weiter gestärkt werden, deshalb werden unter Regie des Sameparlamentes zwei Sprachzentren in Östersund und Tärnaby eingerichtet. Vor allem Südsamisch soll mit diesen Maßnahmen gestärkt werden, diese Sprache wird nur von etwa 500 Menschen gesprochen. Die finnischen Verwaltungsgebiete werden um 18 im Mälardalen erweitert. Und ein Verwaltungsgebiet soll man künftig auch eindeutig an zweisprachigen Verkehrsschildern erkennen.

„Die Kommunen in den Verwaltungsgebieten werden dafür bezahlt, diese Ansprüche zu erfüllen,” erläutert Ministerin Sabuni weiter.

„Und jene Kommunen, die keinem Verwaltungsgebiet angehören, müssen dennoch über die Rechte der Minderheiten informieren und sie in Beschlüsse einbeziehen, die sie betreffen.”

Sami, Minderheit und Urvolk

Vor allem letzteres freut die samische Minderheit, die als Urbevölkerung und Minderheit quasi einen Doppelstatus genießt. Doch als Urbevölkerung fanden sich die Sámi nicht im erst jüngst vorgestellten Entwurf für ein neues Grundgesetz wieder. Sabunis Vorschlag zur Stärkung ihrer Rechte als Minderheit beruhigte die Gemüter etwas. Und die Ministerin geht noch etwas weiter:

„Ich finde, man sollte deutlich herausstellen, dass die Sámi Schwedens Urbevölkerung sind, die Sámi sollten ihren Flaggentag bekommen, und sie sollten eine Sonderstellung im Verhältnis zu den anderen Minderheiten bekommen. Doch diese Fragen obliegen nicht meinem Arbeitsbereich.”

Die unendliche samische Frage obliegt vielmehr dem Landwirtschaftsministerium und dort wird seit Jahren an einer Gesetzesvorlage zur Samepolitik gewerkelt, die regeln soll, inwieweit Schweden die internationalen Rechte der Urvölker in nationales Gesetze umwandelt.

Gleichstellungsfrage

Auf dem Besuchsprogramm der Ministerin standen jedoch auch eine Konferenz zum Thema Gewalt gegen Frauen, die eine Resolution für eine gewaltfreie Barentsregion verabschiedete. Und Gleichstellungsfragen wurden auch diskutiert. Denn die nördlichste schwedische Provinz gilt gemeinhin nach wie vor als Männerdomäne. Mit nur zwei weiblichen Kommunalräten von insgesamt elf. Norrbottens Gewinngarant, der staatliche Mineralkonzern LKAB, hat einen bescheidenen Frauenanteil von 13 Prozent, wie Personalchef Mats Petterson einräumt:

„Viele junge Mädchen sehen LKAB nicht als künftigen Arbeitsplatz. Das hängt wohl damit zusammen, dass zwar die Großväter und die Väter in der Grube gearbeitet haben, aber nicht die Mütter und Großmütter. Es dauert seine Zeit, diese Einstellung zu ändern. Obwohl wir ein gutes Stück weit gekommen sind, mit unseren Gymnasien in Kiruna und Gällivare, wo sich immer mehr Mädchen in traditionellen Männerberufen ausbilden. Aber es bedarf noch viel Arbeit, bevor wir uns beruhigt zurücklehnen können.“

Im Teknikens hus in Luleå, einer Besuchsstation der Ministerin, sind alle gleichermaßen an Technik interessiert und all jenen Fragen zur Schwerkraft und Erdrotation, die Kinder spielerisch erforschen können im Science Center. Übrigens kann man dort auch den Transport von Eisenerz selbst steuern. Und daran findet die Gleichstellungsministerin sichtlich Gefallen.

„Ich bin von dieser Einrichtung beeindruckt. Technik und deren Anwendung im Alltag wird ja viel zu selten auf spielerisch, unterhaltsame Weise vermittelt.”

Katja Güth 

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