1993 eröffnete der schwedische König das erste Parlament der Sami
Wahlkampf auf Samisch

Samische Politiker kämpfen um Einzug ins Sametinget am 17. Mai

In drei Monaten sind Schwedens Sami aufgefordert, ihr Parlament zu wählen. Zum sechsten Mal werden am 17. Mai die Abgeordneten des Sametinget bestimmt. Auf dem Wintermarkt in Jokkmokk ist nun offiziell zum Wahlkampf geblasen wurden. Sechs Parteien stellen sich der Wahl und bestimmende Themen sind die Forderungen nach mehr Selbstverwaltung, das Recht auf Land und Wasser sowie die schwedische Raubtierpolitik.

Ein offenes, kleines Feuer draußen auf dem Markt, ein kleiner Bullerofen im Zelt. Geladen wird zu Kaffee und Bockwürstchen. So macht die Partei der Jagd- und Fischsamen Wahlkampf. Sie haben ihr Zelt an anderer Stelle aufgeschlagen als die anderen Parteien, die um die Stimmen der über 8.000 Wähler buhlen. Der Parteivorsitzende Håkan Jonsson erklärt, dass man gerne ein bisschen abseits steht.

„Seit der Existenz des Sametinget haben wir ja etwas abseits gestanden. Und wir wollen uns auch absetzen von den anderen Parteien und uns als Alternative in der Politik profilieren.“ 

Zur letzten Wahl haben die Jagd- und Fischsamen die meisten Stimmen geholt, weil sie die Interessen all jener vertreten, die keine Rentiere halten und damit auch kein Recht auf freie Jagd und Angeln haben, sondern Jagd- und Angelscheine kaufen müssen.

Teile und herrsche 

Die rentierzüchtenden Mitglieder von Berg- und Waldsamendörfern hingegen haben freies Recht auf Jagd und Angeln im Gegensatz zu den Konzessionssamendörfern. Das klingt kompliziert und ist es auch, und das ist wahrscheinlich auch gewollt und folgt dem römischen Prinzip „teile und herrsche“. Es sind nach wie vor die Rentierzüchter, die das Bild der Sami prägen, obwohl sie in der Minderheit sind, und diese Minderheit ist in drei Gruppen aufgeteilt worden.

Die führende Partei der Rentierzüchter, Samelandspartiet, ist die bisher zweitstärkste politische Kraft im Sametinget. Vorsitzende Ingrid Inga erklärt, künftig auch andere Wähler gewinnen zu wollen:

„Wir machen eine Politik, die alle Sami angeht. Wir werden uns sozialen und kulturellen Fragen widmen, mit Wirtschaftsfragen, rechtlichen, wir werden uns den Frauen zuwenden und vor allem den Jugendlichen.“ 

Gerade trudelt eine Gruppe Jugendlicher im Wahlkampfzelt ein, sie sind jedoch vorrangig an Kaffeeausschank und Werbegeschenken interessiert. Dennoch standen vor allem die Jugendlichen für einen Zuwachs im Wählerregister. 1.000 Neuwähler sind in diesem Jahr hinzugekommen, die meisten davon Jugendliche. Inga-Elisa Påve ist in Norwegen wahlberechtigt, sie pendelt zwischen den Ländern. 

„Meine Mutter kommt aus Schweden, Övre Soppero, mein Vater vom Porsangerfjord. Ich wohne in Kautokeino und Porsanger und in Kiruna.“ 

Umworbene Jungwähler 

Für Inga-Elisa Påve ist das alles Sámpi, das Land der Sami, obwohl Övre Soppero und Kiruna in Schweden liegen und Kautokeino und Porsanger in Norwegen. Auf Jungwähler wie Inga-Elisa setzen die Parteien ihre Hoffnungen. Obwohl in Schweden etwa 20.000 Sami leben, waren bei der letzten Wahl nur über 7.000 Wahlberechtigte registriert, und davon haben nur auch 4.500 gewählt.

Das eine Problem ist, dass man nicht automatisch im Wahlregister erfasst wird, sondern seine samische Herkunft selbst nachweisen muss. Diese Prozedur schreckt sicher viele. Zum anderen haben die Politiker selbst eine gewisse Mitschuld am Verdruss der Wähler, meint Sara Larsson von der Partei Min Geaidnu (Mein Weg):

„Sametinget hat nicht das beste Ansehen bei den Sami. Das kann ich auch verstehen, weil das Parlament sich lange Zeit richtig vernachlässigt hat. Es wurde auf niedrigem Niveau diskutiert, etwa darüber, welche Personen die Behörde Sametinget anstellen sollte. Es ging um Personalentscheidungen anstatt die Ausrichtung der Samipolitik. Man hat sich an Details festgebissen und so den Blick fürs große Ganze verloren.“

Die besondere Konstruktion des Parlamentes bedingt auch, dass die Abgeordneten den Blick fürs Ganze verlieren. Die Parlamentarier sind zwar vom samischen Volk gewählt, doch bestimmen tun nicht sie, sondern Regierung und Reichstag in Stockholm. Sametinget ist kein Reichstag, der Gesetze verabschiedet. Sametinget ist eine staatliche Behörde mit der Struktur einer staatlichen Behörde und angeschlossenem Quasi-Parlament, das sich gerne an der Arbeit der Behörde Sametinget reibt.  

Streitpunkt Wolf und Co 

Beispielsweise ist die Behörde Sametinget für die Ausbezahlung der Raubtierentschädigung zuständig. Das Parlament Sametinget jedoch will erreichen, dass die Anzahl an Bären, Wölfen, Luchsen und Vielfraßen im Rentierweidegebiet reduziert oder die Raubtierentschädigung massiv erhöht wird.

Anders Kråik von der Partei Samerna erklärt anhand eines Beispiels: „Stellen wir uns vor, man hat ein Auto, das 30.000 Euro wert ist. Die Regierung macht  eine Politik, die dazu führt, dass man das Auto verliert und dafür bekommt man nur 5.000 Euro Ersatz. Die Entschädigungen ist an dem Fall nicht ausreichend, und dies gilt aktuell für Rentierzüchter.“

In der Raubtierpolitik und in den Forderungen nach der Ratifizierung unterschiedlicher Abkommen, die das Recht auf Land und Wasser regeln, sind sich die meisten Parteien einig. Doch auch nach der sechsten Wahl zum Sametinget im Mai gilt: Die samischen Parteien können zwar Forderungen stellen - entschieden aber wird nach wie vor in Stockholm.

Katja Güth

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