Gewalt gegen Frauen

Erfolgreiche Ausbildung zur Früherkennung

Gewalt gegen Frauen ist leider auch in Schweden keine Ausnahmeerscheinung. Mit einem Maßnahmen- katalog zur besseren Vorbeugung und zur effektiveren Nutzung der Rechtsmittel versucht die schwedische Regierung seit langem, Gewalt gegen Frauen beizukommen. Doch auch auf der kommunalen Ebene tut sich einiges. In der westschwedischen Gemeinde Trollhättan führt man gezielte Schulungen der Mitarbeiter von Sozialdiensten und Behörden durch, um ein besseres Wissen und eine höhere Sensibilität im Umgang mit Gewaltopfern zu vermitteln- mit Erfolg.

Jedes Jahr werden in Schweden ungefähr 25.000 Frauen misshandelt. Die Dunkelziffer ist bei weitem höher. Im Gegensatz zu Ärzten, die eine klinische Einschätzung vornehmen, sind die Mitarbeiter von Sozialeinrichtungen und Behörden, die mit Opfern häuslicher Gewalt arbeiten, oftmals nicht ausreichend geschult, um Misshandlungen feststellen zu können.

Um diesen Zustand zu verbessern, bildet die Kommune Trollhättan Multiplikatoren aus, die für den Umgang mit misshandelten Frauen geschult werden. Ziel der Ausbildung ist Informationen von den Opfern zu erhalten, um frühzeitig auf Gefahren hinweisen zu können und die Frauen an die richtigen Stellen weiterzuleiten.

Gerd Holmgren leitet das Krisenzentrum für Frauen, Männer und Kinder in Trollhättan und leitet in Zusammenarbeit mit den kommunalen Polizeibehörden die Ausbildung. Im Schwedischen Rundfunk sagte sie:

„Man muss sich das nötige Wissen aneignen. Es gibt eine hohe Dunkelziffer, was die partnerschaftliche Gewalt angeht. Wir müssen die Frauen auffangen. Die Frauen, die hierher kommen, müssen wissen, dass sie die richtige Hilfe und Unterstützung erhalten und dass das Personal richtig ausgebildet ist.“

Seit 2002 wurden in Trollhättan insgesamt 80 Personen ausgebildet. Sie geben ihr Wissen als Multiplikatoren in ihren eigenen Einrichtungen und Dienststellen weiter.

Neben der Ausbildung versucht die Stadt Trollhättan auch durch breite Öffentlichkeitsarbeit und durch Werbekampagnen in Radio und Fernsehen die Opfer aus der Isolierung holen. Mit Erfolg. Landesweit hat sich die Zahl der angezeigten Fälle von Gewalt gegen Frauen um 30 Prozent erhöht.

Für Gerd Holmgren ist es besonders wichtig, dass immer mehr Gewalttaten frühzeitig gemeldet werden.

”Frauen suchen viel früher als bisher Hilfe. Wenn das Personal richtig ausgebildet ist, wird wesentlich früher erkannt, dass ein Fall von Misshandlung vorliegt. Man erkennt Zeichen, die auf Misshandlung hindeuten, und man verwechselt diese nicht mehr mit anderen Ursachen. Man wird auch wesentlich direkter bei den Treffen mit den Opfern“, sagt Holmgren.

Soile Axén ist Polizeihauptwachtmeisterin von Trollhättan und koordiniert mit Gerd Holmgren die Ausbildung. Auch sie ist überzeugt von ihrer Arbeit: „Ich wünschte, dass mehr Kommunen so wie Trollhättan arbeiten würden. Wenn ich mit anderen Polizeidienststellen im Land spreche und über die Zusammenarbeit hier berichte glauben sie mir zunächst nicht, dass das wirklich so gut funktionieren kann.“

Die erfolgreiche Arbeit spricht sich rum. Im vergangen Jahr kamen Vertreter aus 25 Kommunen nach Trollhättan, um genaueres über die Ausbildung zu erfahren.

Tobias Hofsäss

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".