Meisterschaften

Yukigassen in Luleå: Meister im Schneeballwerfen gekürt

Zum ersten Mal sind die schwedischen Meister in Yukigassen in Luleå gekürt worden. Yukigassen stammt aus dem Japanischen und bedeutet übersetzt Schneeballkrieg. Das ist ein unblutiger Mannschaftssport, der in Japan und Finnland verbreitet ist, und nun seine Geburtsstunde in Schweden erlebte. Zehn Mannschaften sind am Donnerstag an der Universität in Luleå angetreten, um den schwedischen Schneeballkriegsgewinner zu küren.

Zunächst braucht man etwas zum Werfen, günstigenfalls einen Schneeball. Und die werden hier per Hand gerade zurecht geschüttelt. Auch die Technik der Ballproduktion kommt aus Japan. In eine viereckige Form mit vielen kreisrunden Vertiefungen wird Schnee geschippt. Warme Luft aus einem gasbetriebenen Gebläse lässt ihn kurz tauen, dann wird die gleiche Form mehrfach obendrauf gedrückt. Am Ende entstehen fertig geschüttelte Eisbälle, und Johan Lindgren von der Mannschaft Luleå Studentkår knetet die Eisbälle in Form:

„Der Schnee ist ja so trocken, deshalb muss er erst etwas antauen. Und dann werden die richtig hart, deshalb braucht man einen Helm.”

Die Wurfgeschosse und Helme gehören also zur Ausrüstung, und jede Mannschaft produziert ihre eigenen Schneebälle, unter dem wachsamen Blick eines finnischen Schiedsrichters.

„Wir reisen überall rum und erklären den Leuten, wie das Spiel funktioniert,” sagt Ari Pöyliö aus der finnischen Stadt Kemijärvi. Dort ist Yukigassen Volkssport, dort muss man niemandem mehr die Regeln erklären.

„Vor zwanzig Jahren begann man in der japanischen Stadt Sobetsu Yukigassen zu spielen. Das ist die Partnerstadt von Kemijärvi. Auch dort ist im Winter nicht viel los, deshalb kam jemand in Sobetsu auf die Idee, die Schneeballschlacht zum Mannschaftssport zu machen und begründete Yukigassen. Wir in Kemijärvi haben das übernommen und haben Yukigassen nach Europa geholt.”

Abstruse Meisterschaften

Die Finnen sind ja durchaus bekannt für ihre abenteuerlichen Wettbewerbe wie Handyweitwurf, Schwiegermutter-Tragen und Wett-Saunen. Und nicht minder abseitige Meisterschaften wie Schlammfußball sind inzwischen in Schweden etabliert. Nun also die Schneeballschlacht in neuem Gewand. Es waren Studenten der Universität Luleå, die Yukigassen nun zum Durchbruch in Schweden verhelfen wollen. Organisator Mikael Jansson erklärt zunächst die Mannschaftsaufstellung:

„Jedes Team hat vier Angreifer und drei Verteidiger. Die Verteidiger dürfen nicht über eine gewisse Linie gehen.”

Und vor allem sollen sie die Fahne des Teams verteidigen, damit sie nicht in die Hände des Gegners gerät. Jeder Spieler hat vier Schneebälle in der Hand, womit zum einen die eigene Fahne verteidigt wird und zum anderen die gegnerischen Spieler abgeschossen werden. Wer vom Ball getroffen wird, fliegt raus.

Zwei Schneewälle auf dem Spielfeld sorgen dafür, dass der Angreifer dem Bombardement der gegnerischen Mannschaft ausweichen kann. Das ist kindliche Freude pur, nur in Regeln eines Mannschaftssportes verpackt, und das ist nur recht, meint Organisator Mikael Jansson:

„Da kann man ja national wie international zu gleichen Bedingungen seine Kräfte messen. Das finde ich gut. Und eine normale Schneeballschlacht kann man ja trotzdem haben.”

Sein Team Luleå Studentkår startet verheißend. Üblicherweise dauert ein Spiel drei Minuten, oder eben so lange, bis entweder ein Team entweder keine Spieler mehr auf dem Platz hat oder ein Team die Fahne des Gegners erobert hat. Luleå Studentkår hat die Fahne des Gegners nach 50 Sekunden in den Händen eines Angreifers. Mannschaftskapitän Elin Chrymak ist richtig zufrieden:

„Das Team hat gestern den ganzen Abend und heute den ganzen Morgen nur über unterschiedliche Taktiken gesprochen und die Regeln gepaukt. Nur gespielt haben wir nicht.”

Am Ende wird es Ernst

Trainiert hat fast niemand von den zehn Mannschaften, die meisten haben sich sehr kurzfristig entschieden, an der ersten schwedischen Meisterschaft im Schneeballkrieg teilzunehmen. Man darf das Ganze deshalb als inszenierten Spaß verstehen. Bis zum Finale jedenfalls, da wird aus dem Spaß Ernst, natürlich. Schließlich gibt es einen Pokal zu gewinnen und die Ehre, an den Nordischen Meisterschaften in Norwegen teilzunehmen. Und diese Ehre wird am Ende der Mannschaft Backyard Porsön zu teil, die ihr Glück nicht richtig fassen kann, aber spontan einen eigenen Schlachtrufen kreiert, nämlich Backyard Porsön.

„Unglaublich! Daran war doch heute morgen wirklich nicht zu denken”, sagt der glückliche Titelgewinner Robert Norberg. Und Elin Chrymak vom Team Luleå Studentkår verspricht schon mal eine Revanche. „Im nächsten Jahr sind die dran!”

Eine weitere abenteuerliche Meisterschaft hat sich in Schweden etabliert, die gute alte Schneeballschlacht ist international salonfähig geworden.  

Katja Güth

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