ARBEITSMARKT

Namensänderungen aktuell

Wer sich als Mohammed oder Ayse bewirbt, hat auf dem schwedischen Arbeitsmarkt deutlich schlechtere Karten als ein Niklas oder eine Maria. Während jeder dritte Einwanderer arbeitslos ist, ist nur jeder fünfte in Schweden Geborene von Arbeitslosigkeit betroffen. Immer wieder zeigen Studien, dass Einwanderer oftmals schon wegen ihres ausländisch klingenden Namens schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Potenzielle Arbeitgeber vermuten Probleme mit Sprache, Kultur och Religion. Deshalb suchen immer mehr Betroffene einen vergleichsweise einfachen Ausweg und ändern ihren Namen.

Laut Angaben des Patentamtes haben im vergangenen Jahr 7.600 Personen einen Antrag auf Namensänderung gestellt, ein Zehntel davon Einwanderer. Einer, der sich schon vor sechs Jahren zu einem neuen Vornamen entschlossen hat, ist Mothafar Benno, Architekt aus dem Irak.

Mothafar Benno hat nur wenig Zeit. Ein Treffen auf dem  Parkplatz neben seinem Büro kann er gerade einrichten, dann muss er zum nächsten Kunden am anderen Ende der Stadt. Von Niedrigkonjunktur bislang keine Spur bei dem Architekten, Mothafar Benno hat gut zu tun. Seit sechs Jahren arbeitet der 48-Jährige wieder in seinem Beruf, den er zuvor schon zehn Jahre lang im Irak ausgeübt hatte. Doch in den ersten acht Jahren nach seiner Flucht nach Schweden war an einen Job im Architektengewerbe nicht zu denken - trotz Anerkennung seiner Universitätszeugnisse, trotz seiner langjährigen Erfahrung. Benno versteht die Bedenken mancher Arbeitgeber.

„Wenn jemand, sagen wir mal, einen Architekten sucht, und es melden sich hunderte Bewerber, darunter Schweden und Einwanderer, dann ist doch klar, dass sich der Arbeitgeber beim Einwanderer fragt: Und wer soll das sein? Besonders wenn man Mohammed, Ali, Mothafar oder Mustafa heißt. Das sind eben für viele immer noch komische Namen. Diese Bewerbungen landen dann zuunterst, und man sucht weiter nach einem Schweden, der alles über die schwedische Gesellschaft und Kultur weiß.”

Namenswechsel öffnete Türen

Nun hatte Mothafar Benno schon vor seinem Namenswechsel einen attraktiven Job in Schweden, wenn auch in der IT-Branche. Doch ihn zog es zurück in seinen gelernten Architektenberuf - eine Branche, die in Sachen Arbeitslosigkeit ganz oben rangiert. Und wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, sind Einwanderer erst recht benachteiligt. Das bestätigen wissenschaftliche Studien, und das ist auch Mothafar Benno aufgefallen.

Dann aber wagte der gebürtige Iraker den entscheidenden Schritt und legte zumindest im beruflichen Leben seinen arabischen Vornamen ab. Sein neuer, international geläufiger Rufname ist Martin. Zu Hause und bei seinen Arabisch sprechenden Freunden ist er weiter Mothafar. Ein Problem hat er damit nicht.

„Ich denke nicht so viel drüber nach. Nur manchmal, wenn ich mit schwedischen und arabischen Freunden zusammen sitze, und die einen sagen Mothafar und die anderen Martin, ist das vielleicht etwas komisch und ich frage mich, wer bin ich eigentlich? Aber dann denke ich wieder, dass es eigentlich ganz logisch ist mit einem für alle akzeptablen Namen, einem, den alle aussprechen können. Manche Buchstaben sind für Schweden sehr schwer, und das muss man respektieren.”

Spielregeln verstanden

Mothafar Benno sagt das ganz ohne Bitterkeit. Eher wie einer, der die Spielregeln verstanden hat und sich entsprechend anpassen kann. Doch der neue Name macht aus Mothafar noch lange keinen waschechten Schweden: Dunkler Typ, obligatorischer Schnauzer, und obwohl er fließend Schwedisch spricht, ist ihm nach 14 Jahren in Schweden auch der starke Akzent geblieben - offenkundig alles Nebensächlichkeiten, wenn nur der Name stimmt.

„Name und Erfolg im Beruf hängen zusammen. 100prozentig sicher bin ich mir natürlich nicht, aber wenn ich auf die Zeit vor der Namensänderung zurückblicke, gab es doch immer sehr deutliche Reaktionen auf meinen Namen. Nach dem Wechsel wurde ich deutlich häufiger zu Anstellungsgesprächen eingeladen und bekam auch öfter Angebote. Inzwischen bin ich fest angestellt. Und alle sagen, das liegt am neuen Namen.”

Mit einem typisch schwedischen Namen steigt nicht nur die Aussicht auf einen Job, sondern auch das Gehalt. Das zeigt die Forschung von Mahmood Arai, Professor am Institut für Volkswirtschaft in Stockholm. Sämtliche Personen, die während der 1990er Jahre ihren ausländisch klingenden Namen in einen deutlich als schwedisch zu erkennenden tauschten, besserten demnach ihr Jahreseinkommen um umgerechnet bis zu 1.500 Euro auf.

Positive Resonanz

„Ganz allgemein finden die Betroffenen, dass sie mit dem neuen, neutralen Namen auf positivere Resonanz stoßen”, erläutert Professor Mahmood Arai. „Das kann man so interpretieren, dass sich die Personen nicht mehr so leicht einer gewissen Region zuordnen lassen. Heißt man dagegen Mohammed, verbinden viele den Namen mit einem muslimischen Land und einer entsprechenden Kultur.”

Die reflexartige Ablehnung vieler Schweden fußt auf Unkenntnis, meint Mothafar. Nur wenige reisen freiwillig in Länder etwa des Nahen Ostens, aus denen besonders viele Flüchtlinge nach Schweden kommen. Alle Information kommt folglich aus zweiter Hand.

„Die Fernseh- und Radionachrichten berichten von Krieg und Armut, dass es weder Ärzte gibt noch Ingenieure oder dass alle mit Kamelen leben”, kritisiert Mothafar Benno. „Dieses Wissen wirft dann viele Fragezeichen auf, wenn ein Bewerber aus dem Iran oder dem Irak vor ihnen steht. Umso besser wäre es, wenn diejenigen, die persönliche Erfahrungen mit Menschen anderer Länder haben, auf Einwanderer setzen würden. Wer zum Beispiel jemanden kennt, der mit einem Syrer verheiratet ist, versteht doch, dass es dort auch gute Leute mit einer guten Ausbildung gibt. Von denen, deren ganzes Leben rein schwedisch abläuft, kann man das wohl nicht erwarten.”

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