Das Sami-Museum in Jokkmokk

Vor genau 20 Jahren öffnete in Lappland ein Museum seine Pforten, das ein einzigartiges Konzept verfolgt. Das Schwedische Samen- und Gebirgsmuseum Ájtte in Jokkmokk gilt als eines der besten Museen zur samischen Geschichte und ist vor allem bei deutschen Touristen beliebt. Die Ausstellungen zeigen sehr anschaulich Natur und Kultur der schwedischen Gebirgskette, dem Fjäll und ihrer Ureinwohner, der Sami. Zudem werden dort die samischen Gesänge, der Jojk, archiviert, es gibt eine umfangreiche Sammlung samischer Gegenstände, eine Bibliothek und die naturhistorische Sammlung. Das 20-jährige Jubiläum wurde mit Luftballons, Kaffee, Torte und freiem Eintritt gefeiert.

Katharina Rimpi joikt die Erde. Im samischen Gesang wird nicht über die Dinge gesungen, sondern die Dinge werden gejojkt. Ganz vorne an einer der zwei langen Tafeln sitzen Konservator Göran Sjölund und Techniker Per Tjikkom. Die beiden gehören zur Mannschaft der ersten Stunde und standen auch in der ersten Reihe, als König Karl Gustav am 15. Juni 1989 das Eröffnungsband für das neue Museum durchschnitt.

Per Tjikkom erinnert sich, wie er den Job bei Ájtte bekam: „Eines Tages, als das Gebäude gebaut wurde, bin ich mit dem Fahrrad vorbei gefahren. So ein großes, neues Haus hier in Jokkmokk. Da sollte es doch Arbeit für mich geben. Da habe mich einfach beworben. Und es gab Arbeit für mich! Ich habe anderthalb Jahre vor der Einweihung mit der Arbeit begonnen. Wir haben sogleich die ersten Ausstellungen aufgebaut, wir mussten ja was zeigen zur Einweihung.“

Bärenverwahrung im Museum

Sein Kollege Göran Sjölund ist nicht nur in der Fachwelt dafür bekannt, dass er Tieren ein zweites Leben verschafft. Der Konservator des Museums hat auch die elf Schneehühner präpariert, die fast über den Köpfen der Jubiläumsgäste schweben. Ájtte, was übrigens der Name für die samischen Vorratshütten ist, hat auch einen Vorrat der besonderen Art, die größten Kühltruhen nördlich des Polarkreises, in denen allerlei Getier zwischengefroren wird.

Konservator Sjölund hat dort oft auch Bären vorrätig: „Die Bären gehören ja offiziell dem Staat. Deshalb landen vom Zug überfahrene Bären zum Beispiel zunächst hier. Oder jene, die in der streng reglementierten Schutzjagd geschossen werden. Die kommen dann nach Uppsala zur Obduktion, die etwas kleineren Wirbeltiere behalten wie hier für unsere naturhistorische Sammlung.“

Die ausgestopften großen und kleinen Wirbeltiere kommen bei den Besuchern außerordentlich gut an. Das Rentnerpaar Breunig aus Baden-Würtemberg macht nicht zum ersten Mal eine Lappland-Tour mit dem Wohnmobil.

Dieter Breunig hat nur Lobesworte für Ájtte: „Mir hat sehr gut gefallen die Systematik, wie alles aufgebaut ist. Die Beleuchtung, die Silberbecher, die Trachten, die Tiere, die Bären vor allem, das Kultische dabei. Das ist eine sehr umfangreiche und ausführliche Ausstellung.“

Kultur vermitteln, Verständnis schaffen

Auf der kleinen Bühne gleich am Eingang wechseln sich die Jubiläumsredner ab. An die Entstehung wird erinnert, die Gründung von Ájtte gelang erst im dritten Anlauf und zunächst war das Museum als Nationalparkmuseum gedacht.

Der scheidende Vorsitzende des Sametinget, Lars-Anders Baer: „Die Eröffnung von Ájtte vor zwanzig Jahren markierte ja ein Umdenken in der schwedischen Samipolitik. Man begann mehr und mehr, das Samische zu akzeptieren, und das Museum hat einen großen Beitrag geleistet, die Sicht der Sami und auf die Sami zu verändern.“

Doch was den Sami aufstößt, dass der Einfluss auf das Samimuseum begrenzt ist. Der Museumsdirektor wird von der Regierung in Stockholm berufen, und auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Denn Träger des Museums ist die Stiftung Ájtte, und die hat mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Stiftung machte Verlust, verlor Geld in Aktien. Vorstandsmitglied Bengt Sevä: „Wir mussten die ganze Zeit abbauen und streichen. Innerhalb von zwei Jahren haben wir acht Leute entlassen müssen. Das war wirklich betrüblich.“

Mit mehr Mitteln in die Zukunft 

Geld kommt von der selbst klammen Kommune Jokkmokk, vom Energieunternehmen Vattenfall und dem Provinziallandtag. Hier und da schießt die Regierung Geld für Projekte zu. Das soll sich ändern, sagt Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ájtte, Björn Lindquist: „Wir meinen, dass der Staat mehr Verantwortung übernehmen sollte. Àjtte ist das einzige Museum, das die Fragen der Sami beleuchtet, des Urfolkes in Schweden. Deshalb sollte sich der Staat nicht zuletzt ökonomisch verantwortlich fühlen. Ich habe selbst jahrelang im Kulturministerium gearbeitet, und weiß daher, was möglich ist. Hat man bereits Geld zugeschossen, ist man auf gutem Wege, dies auch weiterhin zu tun.“

Das Museum soll fest im Kulturhaushalt verankert werden, statt wie bisher nur mit gelegentlichen Zuschüssen aus Stockholm, so der Wunsch der Stiftung.

Doch der Vertreter des Kulturministeriums Markus Hartman ist nicht mit einem Scheck nach Jokkmokk gekommen: „Klar, viele Kulturinstitutionen in Schwedens sind klamm. Wir dürfen aber nicht die Finanzkrise vergessen. Die schwedische Wirtschaft ist um 6,5 Prozentpunkte zurückgegangen. Der Kulturhaushalt wird gerade debattiert und im September vorgelegt.“

Eine Idee aus Stockholm aber kommt in Jokkmokk gut an: Das Schwedische Sami- und Gebirgsmuseum könnte auch zu einem Informationszentrum über die schwedischen Raubtiere werden. Das freut nicht zuletzt auch den Konservator und die deutschen Touristen.

Katja Güth