Sommer-Interview

Kamprad: Ikea in Russland betrogen

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hält den Gang an die Börse für wachsende Unternehmen für hinderlich. In einem unterhaltsamen Sommer-Interview im Schwedischen Rundfunk plauderte der 83-Jährige aus dem Nähkästchen und berichtete dabei unter anderem über Riesenverluste in Russland.

Als in den 1970er-Jahren Ikea so gewachsen war, dass eine Umstrukturierung der Organisation sinnvoll wurde, und Kamprad sein Unternehmen auch für die Zukunft absichern wollte, erwog der Gründer den Börsengang - und verwarf ihn wieder, wegen der ständigen Forderung an Aktiengesellschaften, möglichst hohe Renditen abzuwerfen. „Ich dachte, das hindert uns doch daran, mit langer Perspektive zu arbeiten. Wenn ich an die Börse gegangen wäre, dann hätte auch ich plötzlich jedes Quartal mit Siegesmeldungen kommen müssen, und mit steigenden Gewinnen. Das stimmte nicht mit meiner Grundphilosophie überein, dass Erfolge Zeit brauchen.“

Energiebetrug
Ikea wählte daher die Form einer komplizierten Stiftung, die schon häufiger wegen mangelnder Transparenz kritisiert wurde. Für Ikeas Erfolge sei diese Strategie entscheidend gewesen, so Kamprad: „Es gibt Länder, in denen wir seit Jahren rote Zahlen schreiben. Aber ich bin überzeugt, dass alle irgendwann einmal rentabel werden.“ Manches mal ist der Weg zum Erfolg steinig. Das zeigt für Ikea das Beispiel Russland. Der Markt liegt Kamprad selbst sehr am Herzen, und er persönlich hat die Etablierung Anfang der 1990er-Jahre und den Aufbau der heute elf Möbelhäuser vorangetrieben. Dabei wurde Ikea Opfer ausgeprägter Korruption im Energiebereich. „Wir sind bei Strom- und Gaslieferungen richtig saftig betrogen worden, der Verlust für uns beträgt ungefähr 150 Millionen Euro. Wir gehen dagegen heute gerichtlich vor. Zugleich mussten wir eigene Generatoren installieren, insgesamt eine furchtbar teure Angelegenheit.“ Die Schwierigkeiten haben die Ikea-Führung dazu bewogen, den weiteren Ausbau in Russland langsamer zu betreiben – gegen Kamprads eigenen Wunsch.

Möbelhaus als Mission
Der Gründer sieht in der Etablierung von Möbelhäusern immer auch eine Möglichkeit, Brücken zu neuen Kulturen zu bauen. Sein neuestes Projekt, berichtet er hörbar entzückt: ein Möbelhaus im Iran. „Ich kann sagen, dass diese Idee auf unserer letzten Vorstandssitzung nicht auf Begeisterung stieß. Aber ich werde dran bleiben. Ich denke, wenn wir irgendwann einmal funktionierende Beziehungen mit Iran haben möchten, dann ist es gut, dort ein bisschen unserer Bräuche und unseren Lebensstils hinzubringen. Ich glaube, das kann Türen öffnen, die kein Politiker dieser Welt öffnen kann.“