Nordschweden

Nordschweden feiern Sommer

Der Urlaub ist den Schweden heilig. Das gewerkschaftlich verbriefte Recht auf vier Wochen zusammenhängenden Urlaub nimmt der Durchschnittsarbeitnehmer hauptsächlich wahr, wenn die Kinder Schulferien haben und es warm ist. Der Sommer führt somit zu Personalengpässen allerorten, davon bleiben auch die Hüter des Gesetzes nicht verschont. Die Reviere haben im Sommer nur eingeschränkt geöffnet, wenn nicht gar ganz geschlossen. Wie in der nordschwedischen Kleinstadt Älvsbyn.

Zwei Zettel hängen an der Tür der Polizeistation: neue Öffnungszeiten ab 1. Januar 2007, Montag, Mittwoch, Freitag von 9 bis 16 Uhr, Dienstag und Donnerstag geschlossen. Und ab dem 17. Juli 2009 ist die Rezeption ganz geschlossen. Wegen Personalmangel. Bis auf Weiteres. Das klingt dramatisch, gefährlich. Die Einwohner der Kleinstadt nehmen dies eher achselzuckend zur Kenntnis. Kristina Gustafsson leitet eine Tankstelle im Zentrum und hat wie viele, noch gar nicht mitbekommen, dass die Polizeistation in diesem Sommer nicht besetzt ist.

„Viele wissen das gar nicht. Es gibt ja auch im Winter gewisse Einschränkungen an der Besetzung. Älvsbyn hat schon immer das Problem gehabt, dass die nächste Stadt Piteå so nahe liegt. Doch wenn was passiert, dauert es eine Weile, bis Hilfe da ist."

Die Küstenstadt Piteå liegt 44 Kilometer von Älvsbyn entfernt, was für nordschwedische Verhältnis ein sehr kleiner Katzensprung ist. Doch im Notfall dauert es eben länger, bis Polizei oder auch Ambulanz von Piteå nach Älvsbyn kommen.

Ausrückzeit und Sicherheit

27 Minuten beträgt die durchschnittliche Ausrückzeit bei Vorfällen mit höchster Priorität in Älvsbyn, erklärt Kenneth Lundqvist, Chef der Polizei des Gebietes Pite Älvdal. Das hat insgesamt vier Polizeiwachen und zieht sich von der Küste bis zur norwegischen Grenze westlich von Arjeplog, etwa 350 Kilometer längs, mal eben die Strecke von Hamburg nach Frankfurt/Oder. In einem Revier. Und was, sollte ein Angler an einem der zahlreichen See um Arjeplog überfallen werden?

„Dem wird geholfen," versichert Polizeichef Lundqvist. „Auch wenn es länger dauert."

Überfälle auf Angler, das klingt unwahrscheinlich, kommt aber vor. Erst jüngst wurde eine Familie beim Angeln nahe Jokkmokk beschossen und glücklicherweise nicht verletzt. Kriminalität in diesem Bereich beschränkt sich üblicherweise auf illegales Angeln. Davon künden auch die Bekanntmachungen an der dafür vorgesehenen Tafel im Revier in Piteå. Die Polizei gibt bekannt, dass eine illegal aufgestellte Angel im Bereich der Fischaufzucht Pitholmen beschlagnahmt wurde.

Sommerzeit Hochsaison für Diebe

An der Rezeption des Polizeihauses in Piteå kümmern sich zwei Frauen um den Publikumsverkehr, ein Schalter für Passangelegenheiten, einer für Sonstiges. Am sonstigen Schalter hat gerade Tommy Rönnkvist noch ein paar Angaben gemacht, die nach dem Einbruch von vor zwei Wochen notwendig waren:

„Die Diebe hatten die Scheibe der Haustür eingeschlagen, die Tür geöffnet und unseren neuen Flachbildschirm und den Computer unter anderem geklaut. Die kamen mitten am Tage, als meine Frau kurz einkaufen war! Ein paar hat die Polizei geschnappt und den Computer haben wir wieder."

Diebstähle und Sachbeschädigungen sind die häufigsten Delikte im Revier, Diebe haben keine Sommerferien, im Gegensatz zu den Uniformierten. Es ist richtig still im Polizeihaus in Piteå, was aber nicht nur an der Ferienzeit liegt, sondern auch daran, dass die meisten Polizisten gerade draußen auf Streife sind, versichert der Polizeichef.

„Wir wollen präsent sein und nicht drinnen auf der Wache sitzen. Natürlich gibt es im Sommer mit den vielen Touristen jede Menge zu tun, aber geschlossene Polizeistationen bedeuten nun nicht, dass keine Polizisten arbeiten."

Das kann auch Tankstellenchefin Kristina Gustafsson in Älvsbyn bestätigen:

„Die Streifen fahren ständig umher zwischen Piteå und Älvsbyn. Die Organisation ist ja umstrukturiert worden. Also ich finde, nun sind mehr Polizisten auf der Straße als vorher, als die Wache hier noch besetzt war."

Sommer, Sonne, Vollsein

Man fühlt sich sicher in der Kleinstadt Älvsbyn, die sich selbst als Perle Norrbottens verkauft, mit den bekannten und mächtigen Stromschnellen Storforsen. Wenn nicht gerade Konzerte und Partys sind, wo viel getrunken wird und die üblichen Begleiterscheinungen von zuviel Alkoholgenuss bei fortgeschrittener Stunde auftreten. Das sind die wahren Risiken des Sommers, das weiß auch Touristin Lisa Sandblad, die selbst bei der Polizei in Stockholm arbeitet und gerade auf Heimaturlaub in Älvsbyn ist.

„Natürlich gibt es Vorkommnisse, hier wie überall, wenn viel getrunken wird. Aber davon abgesehen, fühle ich mich ziemlich sicher hier. Sonst passiert ja nicht viel."

Katja Güth

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