Alkoholpolitik

Landwirtschaftsbehörde für Direktverkauf von Alkohol

Die schwedische Zentralbehörde für Landwirtschaft hat sich dafür ausgesprochen, den Direktverkauf von Alkohol beim Erzeuger zuzulassen. Damit erhalten Unternehmer die Wein, Bier oder Whiskey herstellen, unerwartete Unterstützung durch eine staatliche Behörde. Weinbauer Jonas Andersson in Gränna am Vättersee ist positiv überrascht:

„Das wäre schön! Direkt vom Hof möchten wir wohl alle am liebsten verkaufen. Für lokale Produkte ist Direktverkauf nur logisch und auch am einfachsten. So wird das ja auch in den anderen EU-Ländern gemacht, und wenn Schweden zur EU gehört, dann sollten wir auch die selben Regeln haben, finde ich“, kommentiert der Landwirt die Empfehlung der Landwirtschaftsbehörde.

Anfang März hatte das Parlament beschlossen, die Alkoholgesetzgebung auf ihre Aktualität hin zu überprüfen. Noch darf Alkohol in Schweden ausschließlich in der staatlichen Ladenkette „Systembolaget“ flaschenweise an private Verbraucher abgegeben werden. Der Ausschank in der Gastronomie ist ebenfalls streng reguliert.

Wie in anderen EU-Ländern
Dies alles könnte also demnächst anders werden. Die betroffenen Ministerien, Behörden und Organisationen nehmen zu den bestehenden Regeln und angedachten Änderungen Stellung. Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson hat sich bereits positiv geäußert: Der Direktverkauf von Alkohol würde die Entwicklung ländlicher Gebiete fördern. Gesundheitsministerin Maria Larsson hingegen ist im Zweifel, und die Enthaltsamkeitsorganisation IOGT-NTO ist entschieden gegen einen solchen Direktverkauf. Er würde das Monopol von „Systembolaget“ untergraben.

Gerade der alleinige Vertrieb über „Systembolaget“ erschwere ihr das Geschäft erheblich, bedauert Eva Gustafsson, Weinbäuerin in Beteby auf der platten, kalksteinreichen Ostseeinsel Öland: „Direktverkauf ist wichtig, besonders im Sommer. Dann kommen viele Touristen zu uns. Sie sind oft sehr überrascht, dass wir so hoch im Norden Wein anbauen. Manche würden gern ein paar Flaschen kaufen und verkosten. Bisher geht das aber nur, wenn man die Ware ein paar Tage vorher bei „Systembolaget“ im nächsten größeren Ort bestellt. Da sind die potentiellen Käufer dann natürlich etwas enttäuscht.“

Weitere wirtschaftliche Standbeine
Rund 200 Flaschen hat Eva Gustafsson im vergangenen Jahr über „Systembolaget“ abgesetzt. Wenn sie den Wein direkt auf ihrem Bauernhof verkaufen dürfte, könnte sie zusätzlich auch andere Produkte anbieten, etwa die selbst angebauten Kräuter oder Erzeugnisse der Nachbarhöfe. „Führungen oder Weinproben könnten zusätzliche Einkünfte bringen. Der Direktverkauf würde die Geschäftsentwicklung fördern“, sagt die Weinbäuerin und schließt sich damit der Landwirtschaftsbehörde an.

Frühestens im Herbst wird die Regierung dem Parlament ihren Vorschlag zum Alkoholgesetz vorlegen. Wie viel Gewicht dann der Empfehlung der Landwirtschaftsbehörde im Vergleich zu anderen Instanzen zugemessen wird, muss sich herausstellen.

Eva Gustafsson steht auf einem flachen Feld zwischen ihren Weinstockreihen und wartet auf den Herbst. „Wir ernten im Oktober. Jetzt, im August, fangen die Trauben an, die Farbe und Zuckergehalt zu entwickeln. Im Oktober sind sie dann süß und schmecken gut.“

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