Harald Edelstam
Hilfe für Flüchtlinge

Edelstam-Preis des chilenischen Parlaments

Das chilenische Parlament hat den schwedischen Diplomaten Harald Edelstam postum gewürdigt und einen Edelstam-Preis gestiftt. Der erste Preisträger ist Edelstam selbst. 36 Jahre nach dem Sturz des gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende durch das chilenische Militär unter General Pinochet erkennt Chile damit die Leistung Edelstams an.

Als schwedischer Botschafter hatte Harald Edelsam zahlreiche von der Junta verfolgte Chilenen gerettet, indem er ihnen freies Geleit und politisches Asyl in Schweden anbot.
Caroline Edelstam Molin von der Stiftung Harald Edelstam beschreibt die Eigenschaften der zukünftigen Preisträger: „Uns ist Zivilcourage wichtig. Kreativität. Zu wagen, kontrovers zu sein. Man kann immer zwischen zwei Reaktionen wählen: Man kann vorbeigehen oder man kann Stellung beziehen. Und agieren. Solche Personen suchen wir."

1000 Menschenleben gerettet
Caroline Edelstam Molin steht in einem der kargen grauen Flure des chilenischen Parlamentsgebäudes in Valparaiso und beschreibt die Eigenschaften, die einen Preisträger des Edelstam-Preises auszeichnen sollen. Mit ihrer Charakteristik beschreibt sie gleichzeitig ihren Großvater, Harald Edelstam. Denn gerade diese Eigenschaften machten es ihm möglich, ungefähr 1.000 Menschen vor der Gewalt der chilenischen Militärjunta zu retten. Viele verdanken ihm ihr Leben.

 Einer von ihnen ist Henrik Janbell. Er ist heute wie Caroline Edelstam Molin Mitglied der Edelstam-Stiftung. 1973 arbeitete der schwedische Chemieingenieur als Entwicklungshelfer in Santiago de Chile und wurde beim Militärputsch gefangen genommen. Auch ihm half Edelstam: „Ich wurde am Putschtag, dem 11. September, gefangen genommen und ins berüchtigte Nationalstadion in Santiago gebracht. Dort fand Harald Edelstam mich. Er wurde bei seinen Rettungsaktionen heimlich unterstützt. Ein Soldat und eine Privatperson riefen damals bei meiner Frau an und erzählten ihr, wo ich war. Sonst wusste das ja keiner. Edelstam fuhr in seinem Diplomatenwagen zum Stadion und holte mich dort raus."

Lebende Legende
Drei Monate arbeitete Edelstam nach dem Putsch gegen die Menschenrechtsverletzungen des neuen Militärregimes. Verzweifelte Menschen kletterten über den Zaun der schwedischen Botschaft in Santiago. Wen er nicht in den Botschaftsgebäuden beherbergen konnte, den schleuste der Diplomat in andere Auslandsvertretungen weiter. Edelstam überzeugte mehrere andere Botschafter davon, diese Menschen in Not ohne die üblichen Formalitäten auf zunehmen. Der schwedische Diplomat war aber nicht nur für die, die er retten konnte, ein Held. Auch nachdem die Junta ihn im Dezember 1973 zur „Persona non grata" erklärt und damit im Prinzip ausgewiesen hatte, war Edelstam bei Regimegegnern eine lebende Legende.

Diese Ausweisung ist eintausend Menschenleben wert.

Lars Palmgren, der Lateinamerikakorrespondent des Schwedischen Rundfunks, erinnert sich an das Chile des Schreckens jener Zeit: „Er war eine Legende, die Kraft und Hoffnung vermittelt. Bei Treffen in verdunkelten Wohnungen und düsteren Kellern in Santiago holten die Menschen immer wieder Kraft aus der Erinnerung an ihn und seine Taten. Die Hetzartikel über ihn, die die juntatreuen Tageszeitungen weiterhin verfassten, waren für sie Erzählungen vom Widerstand. Die einzigen glaubwürdigen Berichte über Widerstand, die es damals gab."

Einigkeit in Chile
Dass Harald Edelstam für viele Licht in eine dunkle Zeit brachte, betonten auch mehrere Redner bei der Preisverleihung, als Edelstam nun 36 Jahre später posthum die Anerkennung des chilenischen Parlaments erhielt. Alle Parteien haben sich hinter diese Auszeichnung gestellt, auch die beiden Rechtsparteien, die damals den früheren Diktator Augosto Pinochet unterstützten. Allerdings wohnten nur zwei Vertreter dieser Parteien der gesamten Zeremonie bei. Die anderen erklärten, sie hätten zu viel zu tun, um die ganze Zeit zu bleiben.

„Der Schwede"
Aber dass Harald Edelstamm - „der Schwede", wie das Militär ihn einfach nannte - jetzt im chilenischen Parlament gewürdigt wird, kann als ein Zeichen dafür gewertet werden, dass der inzwischen verstorbene Pinochet, der Vorsitzende der Militärjunta, nun auch von den eigenen politischen Anhängern abgelehnt wird.

Als der schwedische Botschafter am 10. Dezember 1973 auf dem Stockholmer Flughafen Arlanda landete, wurde er von einer Menge dankbarer chilenischer Flüchtlinge mit Transparenten und Blumen empfangen. Mit lapidaren Worten kommentierte er, dass er bei der Junta in Ungnade gefallen war: „Es ist mir jedenfalls gelungen, drei Monate lang humanitär zu arbeiten. Und das ist diese Ausweisung wert, finde ich: Eintausend Menschenleben." Es scheint als habe nun auch die chilenische Rechte eingesehen, dass Menschenleben wichtiger sind als die diplomatische Etikette.

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