Weiterer Auftrag für Bodström

Thomas Bodström, Vorsitzender des parlamentarischen Justizausschusses und sozialdemokratische Spitzenkandidat für die Reichstagswahlen 2010 in Stockholm, hat einen weiteren Vertrauensauftrag angenommen: Er wird Mitglied des Kirchenvorstands in der Stockholmer Gemeinde Nacka. Erst kürzlich war er in die Kritik geraten, weil er aufgrund von Nebenbeschäftigungen im letzten Jahr vielen Abstimmungen im Reichstag nicht beigewohnt hatte.

Mit umgerechnet 130.000 Euro bezifferte der Privatfernsehsender TV4 zu Wochenbeginn den Verdienst, den Thomas Bodström seit 2007 in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt gemacht hat – neben dem Reichstagsmandat und bei voll weiter laufendem Reichstagsgehalt. ”Das Wichtigste ist, dass ich zu den Treffen der Ausschüsse gehe und die Arbeit des Justizausschusses leite; da würde ich niemals fehlen”, entschuldigte sich Bodström. Gerade einmal für die Hälfte aller Parlamentsabstimmungen hatte seine Zeit im vergangenen Frühjahr gereicht. Mit dem neuen Auftrag im Kirchenvorstand dürfte der Zeitfonds nun noch knapper werden.

Halbherzig aufgestellt

Eigentlich habe er sich als Kandidat für die Kirchenwahl nur halbherzig und auf die Versicherung hin aufstellen lassen, man werde ihn ohnehin nicht wählen, räumte Bodström jetzt auf seinem Blog ein. Doch wer das Vertrauen der Menschen erhalten habe, dürfe letztlich nicht kneifen. Eine weitere Aufgabe also, auch wenn der Zeitpunkt angesichts der jüngsten Kritik ein wenig ungelegen kommt. Bodström selbst dürfte der gröβere Arbeitsumfang nicht wirklich schrecken. Der Ex-Fuβballstar und Ex-Justizminister ist mit seiner Arbeit in Reichstag plus Kanzlei offenkundig noch nicht ausgelastet. Mittlerweile kann er sich darüber hinaus Kriminalautor nennen, auch wenn die Kritik den 2008 erschienenen Krimi ”Rymmaren” (Der Ausbrecher) vorwiegend mit Spott bedachte.

”Ich meine, was zum Beispiel die Zahl schriftlicher Anträge und Beiträge zu Debatten angeht, bin ich im Reichstag immer noch aktiver als die meisten anderen”, hatte Bodström zu Wochenbeginn betont. Wie im schwedischen Presse-Portal newsmill jetzt angemerkt wurde, handelt es sich bei genannten schriftlichen Verlautbarungen aber oft gerade mal um Ein- oder Zweizeiler. Zeit ist Geld – Thomas Bodström hat das offenkundig verstanden.

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