Kürbisgespenst in der Stockholmer Einkaufsstraße Drottninggatan

Feiern auf Schwedisch: Halloween

Noch vor einigen Jahren spielte Halloween in Schweden kaum eine Rolle - doch inzwischen hat auch hier das allgegenwärtige US-amerikanische Vorbild gesiegt: zumal die jugendlichen sind beim Halloween-Feiern kaum mehr zu bremsen. Ein Blick in die Schaufenster Schwedens diese Woche und man verliert die kulturelle Orientierung. Plastikskelette, grinsende Kürbisköpfe und Totenmasken stapeln sich. Die Einstimmung auf das besinnliche Allerheiligen in der nächsten Woche ist einem grellen, kommerzialisierten Todeskult "made in USA" zum Opfer gefallen. Eine amerikanische Sitte erobert Schweden.

Noch vor sechs Jahren konnte es kein Mensch aussprechen, geschweige denn schreiben: das amerikanische Halloween. Da kannten die Schweden nur Allerheiligen und gedachten ihrer Toten wie eh und je, besinnlich. Inzwischen spielt sich der Gedenktag weniger auf dem Friedhof als in den Regalen der Warenhäuser und den Kinderzimmern ab. Im Laufe von wenigen Jahren hat der Einzelhandel in Verschwörung mit den Kindern und Jugendlichen des Landes aus dem traditionellen Gedenktag im schwedischen Kalender einen Klamauk gemacht. Einen unschuldigen Klamauk, meint die Ethnologin Agneta Lilja.

Bei Halloween geht es nicht so sehr um Blut und Gewalt, als vielmehr darum, wie man sich zu Fragen wie Leben und Tod verhält. „Das der grelle Todeskult ausgerechnet im Herbst zelebriert wird, ist kein Zufall. Der Herbst ist die Zeit des Übergangs von Leben und Sterben in der Natur, der Übergang vom Sommer zum Winter. Es passt also zur Jahreszeit“, erklärt die Etnologin.

Ohne Zweifel hat der Einzelhandel hier ordentlich mitgeholfen. Pionier auf dem Gebiet Halloween war der Scherzartikelhersteller Butricks. Geschäftsführer Bengt Olander: „1985 haben wir uns zum ersten Mal auf Halloweenartikel verlegt. Die Initiative kam von den Amerikanern, die hier in Stockholm leben, sie wollten auch in Schweden Halloween feiern. Sie haben gewissermaßen die Nachfrage stimuliert. So hat sich Halloween dann festgesetzt.“

Es sei nicht das erste Mal, dass der Scherzartikelhersteller sein Angebot einer Nachfrage von Einwanderern angepasst hat, erläutert Bengt Olander. Die vielen Luftballons bei Geburtstagen oder anderen sommerlichen Feierlichkeiten zum Beispiel haben die Schweden den Lateinamerikanern zu verdanken, die damit ein Stück ihrer Kultur in den Norden gebracht haben.

Dieser Kulturimport funktioniert, solange sich die Elemente anpassen lassen, versichert Ethnologin Agneta Lilja. Dass sich beispielsweise muslimische Feierlichkeiten und Gebräuche, etwa die strengen Regeln des Fastenmonats Ramadan über die Anhänger der Religion hinaus ausbreiten, glaubt sie nicht. Die Bräuche müssten schon irgendwie in das schwedische Kulturmuster passen.

Gundula Adolfsson
24.10.2001

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