Jobcoach

Hilfe zur Selbsthilfe

Ein arbeitsmarktspolitisches Instrument im Zuge der Entlassungen war die Einrichtung von Coaches. Jeder, der arbeitslos wurde oder dem gekündigt wurde, hat das Recht auf drei Monate bei einem Coach, entweder beim Arbeitsamt oder auf dem freien Markt. Sinnvolle Hilfe für Arbeitssuchende oder Geldverschwendung?

Lena Lindbäck ist Jobcoach beim Arbeitsamt in Luleå, eine von insgesamt 750 Coaches in ganz Schweden. Annika Widgren ist arbeitslos, eine von über 250.000 im Land. Die beiden Frauen sitzen am langen Verhandlungstisch im Versammlungsraum des Arbeitsamtes und gehen gemeinsam die Bewerbungsunterlagen durch.

„Du solltest ja noch mal den Lebenslauf und das persönliche Schreiben überarbeiten", sagt Lena Lindbäck. "Das ist sehr gelungen. Hat dir jemand geholfen? Ja, eine ehemalige Kollegin.“ „Hast du den Lebenslauf auf der Seite des Arbeitsamtes ausgelegt und bei anderen Arbeitsvermittlern?“

Ja, auch das hat Annika Widgren getan. Mit dem Computer hapert es noch ein bisschen, aber die 56-jährige ist sicher, dass sie das in den Griff kriegt. Annika Widgren ist eine zufriedene Kundin: „Ich habe wieder Kraft gefunden und den Glauben an die Zukunft. Als Arbeitsloser ist es schwer, sich selbst zu motivieren. An manchen Tagen denkst du: Nun, passiert was! Aber dann hört man in den Nachrichten, dass es schlecht läuft. Und das Unternehmen, das man angeschrieben hat, hat noch nicht geantwortet, und schon bist du gefühlsmäßig wieder unten.“

Psychologische Unterstützung
Vom Steuerzahler subventionierte Therapiesitzungen – so werden die Jobcoachs oft verschmäht. Hilfe zur Selbsthilfe lautet das erklärte Ziel des Coachings. Jeder Arbeitslose soll sich selbst einen Job suchen können. Dazu gehören Tips zur professionellen Bewerbung, Kontakte knüpfen und pflegen und das Training von Einstellungsgesprächen. Das alles lässt sich die Regierung umgerechnet 290 Millionen Euro kosten. Mit den ersten Entlassungswellen der Krise wurden die Jobcoaches eingestellt, erklärt Jobcoach Lena Lindbäck: „Natürlich sollen die Arbeitsvermittler selbst den Arbeitslosen helfen, wieder einen Job zu finden. Aber ihnen fehlt die Zeit dazu, ein Arbeitsvermittler hat vielleicht zwischen 150 und 200 Kunden, ich als Jobcoach habe höchstens 20 Kunden, die ich intensiv betreuen kann.“

Die Entlassungen haben zunächst einen Bedarf an - eben Coaches geschaffen. Einmal beim staatlichen Arbeitsamt und auf dem freien Markt. Denn mit den Gewerkschaften wurde das Instrument des Umstellungsprogrammes ausgehandelt. 2000 Euro gibt es für einen Kunden, der Markt an Coachs ist damit lukrativ geworden. 950 private Unternehmen haben inzwischen Coachingaufträge vom Arbeitsamt.

Gefragte Arbeitslose
In einem kleinen Aus- und Weiterbildungsunternehmen in Piteå arbeitet Lena Lindkvist als Coach. Ihre Kundin, die Köchin Gerd Karlsson ist seit einem Monat arbeitslos und braucht Hilfe bei der Bewerbung: „In den Lebenslauf muss unbedingt dein jetziger Vertretungsjob rein,“ erklärt Coach Lena Lindkvist. „Den hatte ich total vergessen,“ lacht Kundin Gerd Karlsson.

Das Unternehmen hat noch keinen Auftrag innerhalb des gewerkschaftlichen Umstellungsprogrammes bekommen, der Coachingauftrag mit Gerd Karlsson ist vom Arbeitsamt gekommen und mit 900 Euro pro Kunden in drei Monaten weniger ertragreich. Jeder Arbeitslose kann sich selbst aussuchen, ob der Coach direkt beim Arbeitsamt angestellt ist oder auf dem freien Markt arbeitet.

Köchin Gerd Karlsson hat schon früher mit dem Unternehmen Direktutbildning zu tun gehabt und entschied sich deshalb dafür: „Das ist doch eine gute Sache, ständig was Neues zu lernen. Ich brauchte wirklich professionelle Hilfe bei der Bewerbung. Ich habe nie gelernt, einen Lebenslauf zu schreiben. Und dass das Arbeitsamt diese Hilfe bezahlt, finde ich wirklich toll.“

Bilanz folgt später
Der Nutzen oder Unsinn der Coach-Massnahme wird sich zeigen, wenn das Projekt nach drei Jahren abgeschlossen ist. Eine erste Bilanz der Zentralen Arbeitsvermittlung in Stockholm zeigt eine Erfolgsstatistik von mageren 23 Prozent n vermittelten Arbeitslosen. In Luleå hat Lena Lindbäck eine bessere Bilanz erzielt, mit 68 Prozent Vermittlungen. Das mag daran liegen, dass die Provinz Norrbotten bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist, und dass sie viele Arbeitgeber kennt. Denn die annoncieren bei weiten nicht alle freien Stellen über das Arbeitsamt, weiß Lena Lindbäck: „Die meisten freien Stellen erreichen nie die Jobbörse des Arbeitsamtes. Die Unternehmen veröffentlichen Stellenanzeigen ausschließlich auf ihren eigenen Homepages, weil sie genau wissen: Wer sich für mich interessiert, guckt sich selbst um.“

Katja Güth

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".