Geschenk des Jahres 2009

Für Fakire?

Seit über zehn Jahren kürt das Forschungsinstitut des Einzelhandels, HUI, alljährlich das „Weihnachtsgeschenk des Jahres“. Und zwar schon, bevor das Weihnachtsgeschäft richtig beginnt. Schließlich soll die Kundschaft ja zum Kauf angeregt werden. Im vorigen Jahr stand ein „Erlebnis“ ganz oben auf der Liste, damit war ein Geschenkgutschein gemeint, fürs Bungi-Jumping, eine Ballonfahrt oder eine Fahrt mit dem Schlittenhundgespann zum Beispiel. Auch in diesem Jahr kann die Verwendung des Geschenks zum unerwarteten Erlebnis werden.

„Vielleicht ein neues Mobiltelefon? Eine Reise würde ich mir wünschen!“ Die Passanten auf der Einkaufsstraße Kungsgatan in Stockholm liegen jedoch völlig falsch. Zum Weihnachtsgeschenk des Jahres kürte das Forschungsinstitut des Einzelhandels 2009 ein, wie man sagt, „Gesundheitsprodukt“.

Fakire würden der Klassifizierung sicher sofort zustimmen: Es handelt sich um einen Nagelteppich. Ein 70 mal 40 großes plattes Kissen, erhältlich in Schockfarben von giftgrün bis dunkellila, versehen mit 4500 leicht abgerundeten, ringförmig angeordneten Plastiknoppen. Wer sich mit nacktem Rücken darauf legt, hat zunächst das Gefühl, in einen Ameisenhaufen geraten zu sein. Danach breitet sich Wärme aus, und darf man den Boulevardblättern glauben, versinken viele Leute mehr oder weniger sofort in Tiefschlaf.

„Über den Nagelteppich ist im vergangenen Jahr unheimlich viel gesprochen worden. Das ist ein Produkt, das wirklich heraus sticht“, erklärt die Geschäftsführerin des Instituts, Lena Larsson. „In den Medien ist viel über das Für und Wider debattiert worden – ob so ein Teppich nun wirkt oder nicht. Wir nehmen da nicht Stellung. Für uns ist wichtig, dass das Produkt einen Trend spiegelt.“

Ungnädige Kritiker
„Völligen Quatsch“ nannte Professor Martin Ingvar, Neurologe am renommierten Karolinischen Institut, das unter anderem die Nobelpreise in Medizin vergibt, die Nagelteppiche in einem Interview im vergangenen Sommer. Wissenschaftlich sei überhaupt keine Wirkung gesichert. Auch andere Experten zeigten sich kritisch, während der Hersteller und die Medien eifrig erfreute Zeugen zitieren, die die Wirkung im Selbstversuch getestet haben.

Ein Erfolg ist das Präsent mit den Spitzen jedenfalls bereits: Innerhalb weniger Monate wurden 150 000 Exemplare verkauft, für das Jahr 2009 rechnet der Hersteller mit einem Umsatz von etwa 20 Millionen Euro. Damit erfüllt es die drei Kriterien für die Auswahl zum Geschenk des Jahres ohne Probleme: Ein neues oder neu entdecktes Produkt mit Verkaufspotenzial, das einen Trend widerspiegelt. Noch einmal Lena Larsson: „Das Produkt zeigt die Nachfrage der Verbraucher und einen aktuellen Trend.“

Prognose nicht immer eingetroffen
Nicht immer sind die vom Handelsinstitut gewählten „Geschenke des Jahres“ am Ende des Weihnachtsgeschäftes allerdings auch wirklich Verkaufsschlager geworden. Im Jahr 2004 zum Beispiel wurde das Lob der Flachbildfernsehgeräte gesungen, unter den Christbäumen waren letztendlich jedoch wesentlich häufiger mp3-Player zu finden gewesen. Und noch deutlicher war der Flopp 1997, denn nur äußerst wenige Haushalte führten nach dem Christfest ein elektronisches Haustier an der Leine Gassi.

Da hat der Nagelteppich unleugbar wesentlich mehr Potenzial – es sei denn, der Dornenweg der Konjunktur hat den Schweden weitere Spitzen bereits verleidet.

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