Vattenfall rekrutiert neuen Konzernchef

Der staatliche Energiekonzern Vattenfall bekommt in Kürze einen neuen Konzernchef. Das teilte der Konzernvorstand am Freitag mit. In den vergangenen Tagen hatte sich die Kritik gegen Vattenfall und namentlich gegen den derzeitigen Konzernchef Lars G. Josefsson zugespitzt.  Wirtschaftsministerin Maud Olofsson richtete am Freitag erneut harte Vorwürfe an den Energieriesen.

Mit Investitionen in „schmutzige” Kohleenergie vornehmlich in Deutschland und Polen und mit Sicherheitsmängeln in deutschen und schwedischen  Kernkraftwerken hatte Vattenfall in den vergangenen Jahren immer wieder für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

„Es läuft einfach nicht gut genug”, so nun am Freitag die Wirtschaftsministerin. „Der Konzern arbeitet nicht wirtschaftlich genug, er stellt nicht in hinreichendem Maβe auf grüne Energieproduktion um. Außerdem hat man mit den Spekulationen der letzten Tage dem Markennamen Vattenfall Schaden zugefügt.” 

Viel beachtete Meldungen
Mit Letzterem bezog sich Olofsson auf zwei Meldungen, die im Laufe der zurückliegenden Woche hatten aufhorchen lassen. Zunächst waren Angaben durchgesickert, wonach der Energieriese Pläne hege, sein Stromnetz, mit 850.000 angeschlossenen Kunden, zu veräußern und sich für den Erlös in britische Kernkraft einzukaufen. Kaum hatte die Konzernführung dies halbherzig mit der Bemerkung zurückgewiesen, solche Pläne seien derzeit „nicht aktuell”, kam der nächste Paukenschlag. Demnach hat Konzernchef Josefsson im vergangenen Jahr ohne Wissen der Regierung seine Unterschrift unter ein Abkommen gesetzt, das den schwedischen Konzern unbegrenzt haftbar für ein eventuelles Atomkraftunglück in Deutschland macht. Nach dem Abkommen vom Februar 2008 würde die Tochtergesellschaft Vattenfall Europe eventuelle Schäden in einem deutschen Reaktor nur bis zu einer bestimmten Höhe selbst tragen. Für darüber hinaus gehende Entschädigungen tritt der schwedische Mutterkonzern auf den Plan.

Nicht von Interesse für den Eigner?
„Diesen Beschluss haben wir im Vorstand gefasst. Über so etwas muss man die Eigner nicht in Kenntnis setzen”, verteidigte sich Josefsson zunächst am Freitag. Im weiteren Verlauf des Tages sicherte ein zunehmend in die Enge getriebener Konzernchef zu, man werde sich um ein „neues Abkommen” bemühen, das die Risiken für den schwedischen Mutterkonzern „eliminiere” – dies sei „kein Problem”. Ob die Rücknahme des Schadenersatz-Versprechens tatsächlich so unkompliziert sein dürfte wie von Josefsson dargestellt, blieb zunächst offen. Vorstandsvorsitzender Lars Westerberg bestätigte unterdessen im Schwedischen Rundfunk, dass Vattenfall die Stelle des Konzernchefs neu besetzen will. Die Rekrutierungsarbeit befinde sich „in der Schlussphase”, so Westerberg: „Wir werden in Kürze mit den Angaben zur Person in die Öffentlichkeit gehen.”
Entgegen anders lautenden Gerüchten habe der Vorstand weiterhin Vertrauen für den Noch-Konzernchef Lars G. Josefsson; dieser scheide im Rahmen der Erreichung des 60. Lebensjahres aus, betonte der Vorstandschef, und werde nicht etwa entlassen.

Belastung für Schweden
Dass sich mit der neuen Person an der Konzernspitze gleichwohl ein neuer Kurs verbinden muss, namentlich was die Orientierung hin zu umweltfreundlicher Energie angeht, daran ließ Wirtschaftsministerin Maud Olofsson am Freitag keinen Zweifel. Allerdings ist hier nicht zuletzt die Verantwortung des Staates als Eigner gefragt. In den vergangenen Monaten hatten sich kritische Stimmen gehäuft, wonach Vattenfall, mit seinem Engagement im deutschen Braunkohleabbau und seinem schlechten Image in Sachen Atomsicherheit, zunehmend eine Belastung für Schweden darstelle. Maud Olofsson, deren Zentrumspartei bislang stets betont hatte, wie wichtig die Staatliche Eigentümerschaft sei, gab sich auf entsprechende Fragen am Freitag reserviert: „Natürlich muss man betonen: Energieressourcen sind für einen Staat sehr wichtig Ressource. Aber dass es sich mittlerweile um eine großes europäisches Energieunternehmen handelt, ist eindeutig erschwerend.”

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