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Schweden - DDR

Briefe an Radio Schweden

Publicerat onsdag 28 augusti 2002 kl 14.06

Vor fast 20 Jahren hat der DDR-Bürger Falk Wehner Radio Schweden zwei Briefe geschrieben. Er hatte unsere Sendungen 1984 in seinem Heimatdörfchen in Sachsen gehört und wollte sich zum Programm der deutschen Redaktion äußern. Diese Briefe sind hier in Stockholm nie angekommen, denn die Stasi hatte sie abgefangen. Aufgetaucht sind sie schliesslich in einer Ausstellung der Stasi-Unterlagen-Behörde. Vanja Budde hat Falk Wehner ausfindig gemacht und mit ihm gesprochen.

Es war keine scharfe Kritik am Unrechtsstaat DDR, die Falk Wehner mit seinen Briefen an Radio Schweden im Westen veröffentlichen wollte, nein: er lobte harmlos die Sendung und bat um ein Programmheft. Das bekam er nie - denn seine Briefe an einen „westlichen Feindsender" gerieten ins Überwachungs-Netz der Staatssicherheit.

Vorsichtige Formulierungen


Dass seine Briefe an Radio Schweden möglicherweise kontrolliert werden würden, dass hatte Falk Wehner geahnt. „Deswegen habe ich mir natürlich auch ein bisschen überlegt, was ich da rein schreibe. Ich war etwas vorsichtig. Manche andere waren das nicht, die haben sich nicht so genau überlegt, was sie schreiben, und die haben dann auch Ärger bekommen, mehr oder minder."

Denn in der DDR galt das Briefgeheimnis nichts. Liebesbriefe, Trauerbotschaften, Postkarten und Päckchen - nichts war vor den 2000 hauptberuflichen Post-Schnüfflern der Stasi sicher. Sie öffneten 90 000 Briefe und 4000 Pakete täglich, um die Menschen zu überwachen. Die Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin hat für die Ausstellung im Museum für Kommunikation den unfassbaren Aufwand dokumentiert, mit dem die Machthaber in der DDR dem Volk auf die Finger schauten.

Das Öffnen der Briefe wurde maschinell betrieben, erklärt Projektleiterin Lilo Nagengast. Die eigens entwickelten Wasserdampf- und Klebemaschinen fanden Bürgerrechtler in dann den Wendewirren in den Stasi-Zentralen Ostdeutschlands. „Die Postkontrolle wurde lückenlos durchgeführt, auch wenn es sich um Inlandspost handelte. Aber besonders wurde natürlich in Briefe geschaut die an Anschriften außerhalb der DDR gerichtet waren und vielleicht sogar an ausländische Zeitungen gingen."

Hörerpost an westliche Sender vernichtete die Stasi nach der Kontrolle, um jeden Kontakt zu unterbinden. Falk Wehner war 25, als er nach Stockholm schrieb - und schon von Kindheit an ein Radiofan.

Verbindung ins Ausland


Ein Tor zur Welt sei Radio Schweden damals für ihn gewesen, erzählt der kleine, schmächtige Mann mit freundlichen, wasserblauen Augen. Auch nach 18 Jahren erinnert er sich noch gut, was das Programm von jenseits der Staats- und Systemgrenze für ihn bedeutete. „Das war schon völlig überragend. Die berichteten über Schweden, über Politik, soziale Fragen, über die Menschen. Diese Berichte waren offen und nicht gesiebt durch irgendjemanden."

Wie Falk Wehner ging es vielen in der DDR: Vor allem junge Leute wollten den Westen wenigstens im Äther kennen lernen. In ländlichen Gegenden mit schlechtem Fernseh-Empfang war das Radio ein Vehikel für kleine Fluchten. Dem Ministerium für Staatssicherheit war das Bedürfnis der Bürger nach ungefilterten Informationen aus dem Westen ein Dorn im Auge. Als Falk Wehner seine Briefe an Radio Schweden in einen sächsischen Briefkasten warf, war klar, dass sie vermutlich nie ankommen würden.

Keine Repressalien

Er hat Glück gehabt, durfte zwar trotz eines Jobs beim Jugendreisebüro der DDR nie ins westliche Ausland reisen, wurde aber nicht wie zum Beispiel ein 17-jähriger Fan des Westberliner Senders RIAS zu Spitzeldiensten für die Stasi erpresst. Falk Wehners Briefe an Radio Schweden wurden nach der Wende in einem Stasi-Büro in Dresden gefunden.

Obwohl er nie eine Antwort bekommen hatte, blieb Wehner ein Schweden-Fan. „Ich hatte also schon den Eindruck, dass Schweden und das System eine Alternative sein könnten. Eine von mehreren. Dafür bin ich eigentlich auf die Straße gegangen."

Nachdem die Mauer gefallen war, reiste Wehner denn auch als erstes nach Schweden, noch bevor er ins damalige Westdeutschland fuhr.

Vanja Budde

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