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Mahamud Hussein (17), einer von 2 400 minderjährigen Asylbewerbern.
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Tobias Billström
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Transitwohnheim in Vellinge

Zu wenig Plätze für minderjährige Asylbewerber

2 400 Kinder und Jugendliche kommen in diesem Jahr ohne ihre Erziehungsberechtigten nach Schweden und stellen Asylanträge. Noch vor wenigen Jahren waren es knapp 400. Die Unterbringung bis die Anträge bearbeitet sind, geschieht gegen Entgelt durch die Kommunen. Mehrere bringen die jungen Menschen zunächst in Transitwohneinrichtungen unter, sind dem Ansturm aber nicht gewachsen.

In Malmö beschlossen die Stadtväter, zusätzlich eine Jugendherberge in der Nachbargemeinde Vellinge anzumieten und vorübergehend zum Transitwohnheim umzufunktionieren. Die relativ wohlhabende Gemeinde Vellinge selbst nimmt weder jugendliche noch erwachsene Asylbewerber auf.

Bei einem kurzfristig anberaumten Informationstreffen machten einige Vellinge-Bürger ihrem Unmut Luft: „In vielen Ländern aus denen diese Jugendlichen kommen, schießt man um sich, wenn man aufgebracht ist. Wir hier tun so was nicht. Das ist ein ernster Kulturschock“, warnt eine Teilnehmerin des Treffens in Vellinge. „Macht die Grenzen zu, das wird jetzt Zeit. Baut Heime wo Platz ist, in Nordschweden“, fordert eine andere.

Auch Vellinges Gemeinderatsvorsitzender Lars-Inge Ljungman von der konservativen Partei Moderaterna, hat sich gegen das Transitheim für junge Asylsuchende ausgesprochen: „Ich peitsche hier nicht die Stimmung gegen Asylbewerber auf. Ich meine, ich habe die starke Unterstützung meiner Gemeindebewohner. Vellinge nimmt keine Flüchtlinge auf, wie manche andere Gemeinden es tun. Die protestieren dann ja oft gegen die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen. Wir wollen hier keine Asylbewerber! Wir gehören zwar zu den finanziell besten Kommunen Schwedens, aber das möchten wir auch bleiben.“

Bevölkerung denkt anders
Pfarrer Ola Fornling in Vellinge, gibt im Gespräch mit Radio Schweden ein anderes Bild der Meinungslage in seiner Gemeinde: „Es sind absolut nicht alle Bewohner von Vellinge gegen dieses Transitheim. Ich habe viele E-Mails und Anrufe bekommen, die das zum Ausdruck bringen. Sie wollen wirklich nicht, dass Schweden seine Grenzen für jugendliche Asylbewerber schließt“, sagt der Geistliche. Die Ansicht der Gemeindeverwaltung in dieser Hinsicht werde sich auch ändern, da sei er sicher.

Vermutlich hat er Recht, denn eine Meinungsumfrage hat inzwischen ergeben, dass rund zwei Drittel der Bewohner von Vellinge nichts gegen ein Transitheim für junge Asylbewerber in ihrer Nachbarschaft einwenden.

Obdach für junge Menschen, die aus ihren konfliktgebeutelten Heimatländern geflohen sind, ist eine kontroverse Frage. Nur ein Drittel der schwedischen Gemeinden nimmt bisher feiwillig minderjährige Asylbewerber auf.

Migrationsminister Tobias Billström zeigt sich besorgt und droht mit dem Gesetz: „Dass einige Gemeinden sich sehr für die Unterbringung minderjähriger Asylbewerber einsetzen und andere nicht, ist ein Problem. Wenn das System, nach dem diese Menschen in Schweden verteilt werden sollen, nicht so funktioniert, wie das Parlament es 2006 beschlossen hat, dann müssen wir es durch Gesetzesänderungen umgestalten.“ Auch höhere Aufwandsentschädigung schließt der Migrationsminister nicht aus. Solche Veränderungen allerdings ließen sich nicht innerhalb einiger Wochen durchführen, fügt er hinzu.

Alternative: Pflegeeltern
Rund 5 000 Euro erhält eine Gemeinde für jeden minderjährigen Asylbewerber für Betreuung und Unterbringung in einem Transitheim. Wesentlich kostengünstiger sind Plätze in Pflegefamilien: 1 700 Euro monatlich. Aber nur eine einzige Gemeinde in Schweden hat diesen Weg gewählt. In Danderyd bei Stockholm dominieren wie in Vellinge die konservativen Moderaterna.

In diesem Jahr bringt Danderyd sechs bis sieben minderjährige Asylbewerber unter. Allerdings befinden sich die jeweiligen Pflegefamilien nicht innerhalb der eigenen Gemeinde. Sie habe keine geeigneten Familien mit Plätzen gefunden, sagt die Zuständige für Flüchtlingsfragen, Ulrika Mikaelsson, in der Tageszeitung Svenska Dagbladet. Ein Elternteil müsse ja genügend Zeit für Hausaufgaben, Behördenkontakte usw. haben, wenn alles funktionieren soll. Bei den Einwohnern von Danderyd sei das nur selten der Fall.

Sybille Neveling

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