Vor dem Klimagipfel

Treibstoff der Zukunft?

Ist der Gipfel noch zu retten? Bereits im Vorfeld des Klimagipfels in Kopenhagen stehen die Chancen schlecht, dass sich die Länder der Welt auf verbindliche Reduzierung von Treibstoffgasen einigen können. In der nordschwedischen Stadt Piteå haben sich Forscher über den Stand bei der Entwicklung alternativer Kraftstoffe ausgetauscht. Die im Energietechnischen Zentrum entwickelten Kraftstoffe können laut dem Hersteller fast 50 Prozent der fossilen Kraftstoffe ersetzen.

„Willkommen an Bord im Bus, der in die Zukunft geht.“ Der Präsident des Solander-Symposiums Robert Bergman spart nicht mit euphorischen Worten. Er hat für die Teilnehmer des Symposiums eine Rundtour zu den Bio-Raffinerien in Piteå organisiert. Denn bei der Forschung zu alternativen Kraftstoffen ist die nordschwedische Küstenstadt erste Adresse: „Wir haben das Energietechnische Zentrum, das seit 20 Jahren mit der Technischen Universität Luleå an umweltfreundlichen Technologien forscht. Hier sind drei Projekte zur Herstellung von alternativen Treibstoffen gestartet worden: die Produktion von Diesel aus Kiefernöl, DME-Diesel und das jüngste Kind: die Vergasung von Holz zu Biotreibstoffen.“ Alle Kraftstoffe haben ihren Rohstoff gemeinsam, Holz. Die Forstindustrie steht für 12 Prozent der gesamtschwedischen Produktion. Holz wird in der Papierherstellung, auf dem Bau und in der Möbelindustrie verwendet. Doch die Restprodukte der Forstindustrie sind interessant als Rohstoff für alternative Kraftstoffe.

Kraftstoff aus ...Kiefernöl
„Hier auf der linken Seite sehen wir das Skelett der Raffinerie,“ erklärt Lars Stigsson, der das Unternehmen Sunpine gegründet hat. Die Businsassen gucken auf eine große Baustelle. Die unterschiedlich hohen Tanks werden nur noch von den Baukränen und Gerüsten überragt. „Diese Säule dort, da werden in einem Vakuum die dieselartigen Komponenten sozusagen aus dem Kiefernöl gesaugt.“
Sunpine gewinnt Bio-Diesel aus Kiefernöl und wird das erste Unternehmen weltweit sein, das Bio-Diesel auf diese Weise industriell produziert. Firmengründer Lars Stigsson hat selbst beim Energietechnischen Zentrum in Piteå gearbeitet, wo er auf das Kiefernöl kam. „Wir haben schnell gemerkt, dass Kiefernöl als Rohstoff irgendwie in Vergessenheit geriet und stiefmütterlich behandelt wurde. Im Laufe der Klimadebatte wurde Kiefernöl wieder interessant, das ähnelt Diesel nämlich. In zwei Schritten lässt sich Diesel herstellen. Zuerst wird das Kiefernöl ordentlich von allen Verunreinigungen gesäubert, das geschieht hier in Piteå. In Göteborg wird es entschwefelt. Herauskommt Diesel mit 90 Prozent weniger Kohlendioxidausstoß.“
Anfang des nächsten Jahres soll die Anlage in Piteå in Betrieb gehen, geplante Jahresproduktion: für 100.000 Fahrzeuge mit einer Jahresfahrleistung von 10.000 Kilometern. Und das Kiefernöl ergibt noch eine weiteren begehrten Rohstoff, aus der Harzsäure lassen sich Cholesterin senkende Stoffe produzieren.

...Schwarzlauge
Der Bus fährt von der Dieselanlage im Hafen zurück in die Stadt, wo das Energietechnische Zentrum unmittelbar neben der Papierfabrik von Smurfit Kappa  liegt. Dort ist erst vor einem Monat eine Anlage zur Testproduktion von DME-Diesel eingeweiht worden. DME-Diesel entsteht aus Schwarzlauge, das ein Abfallprodukt der Papierproduktion ist. Peter Sikström vom Unternehmen Chemrec sieht im DME-Diesel große Chancen, künftig fossile Brennstoffe zu ersetzen. „Ich glaube, wir müssen überall auf der Welt lokale Lösungen der Kraftstoffversorgung schaffen. Vor allem bei Schwer- und Lasttransporten wird es in Schweden DME sein, weil wir hier viel Zellulose- und Papierindustrie haben. Wir haben errechnet, dass alle Papierfabriken in Schweden mit ihrer Schwarzlauge die Kapazität haben, Diesel für Lastwagen zu produzieren, das 25 Prozent des herkömmlichen Diesels in Schweden ersetzen könnten.“

...Holzresten

Schweden ist zur Häfte mit Wald bedeckt, und aus den Resten von Rodungen lässt sich ebenfalls Bio-Kraftstoff herstellen. Wurzeln und Zweige, die bisher nach dem Abholzen auf den Kahlschlägen liegen bleiben, lassen sich zu Methanol umwandeln. Das soll 15 Prozent der fossilen Kraftstoffe ersetzen können. Rein rechnerisch ist man in Piteå in der Lage, die Hälfte der fossilen Kraftstoffe zu ersetzen. Der kleine Klimagipfel in Piteå zeigt, wie die Treibstoffgase reduziert werden können.

Katja Güth

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