Katastrophale Zustände in schwedischen Schweineställen

Die schwedische Fleischproduktion leidet unter ernst zu nehmenden Mängeln. Dies bringt eine Untersuchung der Tierschutzorganisation „Djurrätsalliansen“ an den Tag. Sie dokumentiert haarsträubende Zustände bei schwedischen Schweinzüchtern, unter anderem auch beim Vorsitzenden des Verbandes der Fleischproduzenten. Die Branche muss nun mit einem Vertrauensverlust bei den Verbrauchern rechnen.

„Kauft schwedisches Fleisch, denn die Konkurrenz aus Dänemark arbeitet nicht sauber und quält ihre Tiere“, so lautet das Argument der schwedischen Fleischproduzenten, damit schwedische Verbraucher, zum generell teureren schwedischen Fleisch greifen. Doch die Tierschutzorganisation „Djurrätsalliansen“ räumt jetzt mit diesem Mythos auf. Mitglieder der Organisation sind in Schweinställe gegangen und haben dort schlimme Zustände vorgefunden, wie Lena Lindström von „Djurrätsalliansen“ bestätigt: „Wir haben ein Zehntel der schwedischen Schweinezüchter besucht und bei fast allen grobe Verleztungen des Tierschutzes feststellen müssen.“

Einer der besuchten Ställe gehört Lars Hultström, dem Vorsitzenden des Verbandes der schwedischen Fleischproduzenten. Er sitzt gleichzeitig im Aufsichtsrat der Grosschlachterei HK Scan und des schwedischen Tierpflegeverbandes.

Kadaver im Stall

Seine Ställe sind alles andere als vorbildlich, wie heimlich gemachte Aufnahmen der Tierschutzorganisation belegen. Die Ställe sind schmutzig. Es fehlt an Stroh und in einer Box drängen sich einige Schweine um einen Kadaver, von dem sie fressen. Katastrophale Zustände, meint Johan Beck Friis vom schwedischen Veterinärverband nach Ansicht der Bilder: „Das ist nicht erlaubt und völlig unakzeptabel aus hygienischen Gesichtspunkten. Ein toter Körper enthält viele Bakterien, die sich auf lebende Tiere übertragen können. Dieses tote Schwein hätte schon vor langer Zeit entfernt werden müssen. Es hätte von den anderen Schweinen getrennt und behandelt werden müssen, bevor es gestorben ist.“

Beck Friis bestätigt, dass es sich hier um grobe Verstöße und Tierquälerei handelt. Lars Hultström will dagegen von den Bildern nicht wissen: „Kein Kommentar. Ich weiß nicht worum es sich handelt.“

Kein Einzelfall

Hultströms Hof ist laut „Djurrätsalliansen“ nicht der einzige auf dem es so zugeht. Bereits vor einem Jahr berichtete der Schwedische Rundfunk, dass es eklatante Mängel bei den Kontrollen durch die veterinärmedizinische Aufsicht gibt. Die Aktivisten habe jetzt erreicht, dass dem Geschehen in Schwedens Schweineställen wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, wenn auch mit illegalen Mitteln, wie Lena Lindström einräumt, denn die Aktivisten sind ohne Erlaubnis der Landwirte in die Ställe gegangen: „Wir sind einfach rein gegangen, ohne Gewalt anzuwenden oder etwas kaputt gemacht zu haben. Wenn zugesperrt war, sind wir nicht rein. Aber in den meisten Fällen war nicht abgesperrt. Wir finden, dass es sich hier um ein geringes Vergehen handelt im Vergleich zu dem was wir hier aufgedeckt haben. Wir meinen, dass die schwedischen Verbraucher ein Recht darauf haben, zu wissen, woher ihr Essen kommt.“

Einen Monat vor Weihnachten wird vielen Verbrauchern der Appetit auf den Weihnachtsschinken nach Betrachten der Bilder vergangen sein.

Mittlerweile hat auch Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson reagiert. Die Bilder seien Ekel erregend und die Geschichte sehr geschmacklos. Die Sache sei ernst zu nehmen, so Erlandsson gegenüber dem Schwedischen Fernsehen.

Dieter Weiand