Nicht mehr alles in den Regalen wird nur in der Apotheke verkauft

Auslaufmodel Apothekenmonopol

Bereits seit einiger Zeit sind Nikotinpflaster, traditionelle pflanzliche Heilmittel und anderen Arzneimittel zur äußeren Anwendung frei verkäuflich. Das Monopol der staatlichen Apotheken-Aktiengesellschaft wird Schritt für Schritt abgebaut. Jetzt hat die Arzneimittelbehörde 200 Präparate zum allgemeinen Verkauf freigegeben.

38 Jahre lang hat der schwedische Staat das Monopol auf die Führung und Etablierung von Apotheken und den Verkauf von Arzneimitteln gehabt. 1971 wurde das staatliche Unternehmen Apoteksbolaget gegründet, durch das der Staat alle bis dahin privaten Apotheken übernahm. Am ersten Juli 2009 beendete ein neues Gesetz dieses Monopol.

Seit dem 1. November 2009 können schwedische Kunden Schmerztabletten, Fluorspülung und ähnliche Mittel im Lebensmittelgeschäft erstehen. Die Apotheken haben ihr Monopol auf den Verkauf rezeptfreier Medikamente verloren.

Allerdings müssen Geschäfte, die Medikamente führen, dazu eine Reihe von Anforderungen erfüllen: Die Arzneimittel müssen getrennt vom übrigen Sortiment verwahrt und angeboten werden, entweder verschlossen oder unter ständiger Aufsicht. Personal, das nicht dazu ausgebildet ist, darf den Kunden keine medizinischen Ratschläge erteilen – nur die Informationen, die ohnehin auf dem Beipackzettel stehen, darf es weitergeben. Beim Einkauf gilt die Altersgrenze 18 Jahre.

Apoteksbolaget AB
Seit den Siebzigerjahren hatte die staatliche Aktiengesellschaft „Apoteksbolaget AB" als einzige in Schweden das Recht, rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente zu verkaufen. 2004 entschied der Europäische Gerichtshof, dass diese Monopolstellung gegen die Konkurrenzgesetze der EU verstößt. Tatsächlich aufgehoben wurde das Monopol im Juli 2009. Danach begann schleppend der Verkauf von zwei Dritteln der knapp 1.000 staatlichen Apothekenfilialen. Inzwischen kaufen Schweden also auch bestimmte Arzneimittel in anderen Geschäften.

Allgemein verkäuflich sind Arzneimittel, die selten Nebenwirkungen hervorrufen und sich für die Behandlung ohne ärztliche Aufsicht eignen. Das Ergebnis erscheint dem Laien nicht immer logisch: Schmerztabletten, Nasenspray, Augentropfen und die Pille am Tag danach sind frei verkäuflich, hingegen bleiben Läuseshampoo, Mittel gegen Darmträgheit und einige Koffeintabletten apothekenpflichtig.

Begrenztes Sortiment
Die meisten großen Lebensmittelhändler haben zur Einführung ein begrenztes Sortiment von rund 70 Produkten. Da das Netz von Apotheken in Schweden nicht so dicht ist wie beispielsweise in Deutschland, hängt das Arzneimittelsortiment der einzelnen Lebensmittelgeschäfte auch davon ab, wie weit es bis zur nächsten konkurrierenden Apotheke ist.

Mehrere Lebensmittelketten planen, 2010 eigene Apotheken zu eröffnen. Dann nämlich, wenn das staatliche Apothekenmonopol ganz aufhört. Damit würde die bisherige Apothekenzahl von 950 um einige hundert erweitert.

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