Einwanderung

Mehr ausländische Arbeitskräfte

Um seinen Wohlstand zu sichern, ist Schweden auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Auf diese Formel lässt sich das Gesetz zur Arbeitskrafteinwanderung bringen, das vor genau einem Jahr in Kraft getreten ist. Jetzt will die bürgerliche Regierung das Anwerben ausländischer Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern weiter vereinfachen – trotz einer zunehmend angespannten Lage auf dem heimischen Arbeitsmarkt.

Das Reformgesetz zur Arbeitskrafteinwanderung, das am 15. Dezember 2008 in Kraft trat, kam einer arbeitsmarkt- und einwanderungspolitischen Revolution gleich. Keine staatlich festgesetzten Quoten, sondern allein der Bedarf der Privatwirtschaft sollte entscheiden, ob ein ausländischer Arbeitnehmer aus einem Land außerhalb der Europäischen Union auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Fuß fassen darf. Kein vorgeschalteter, langwieriger Verwaltungsakt sollte die neue Freiheit auf dem schwedischen Arbeitsmarkt einschränken. Stattdessen können Arbeitnehmer nun im Prinzip jeden Arbeitnehmer aus jedwedem Land rekrutieren; die Einwanderungsbehörde muss nur noch die formelle Erlaubnis erteilen.

Anstieg von 30 Prozent

Dass das Reformgesetz funktioniert, belegen die Zahlen der Einwanderungsbehörde, sagt Einwanderungsminister Tobias Billström. Mehr als 14.000 Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern haben seit Dezember vergangenen Jahres eine schwedische Arbeitserlaubnis erhalten – und das, obwohl Schweden sich zurzeit in einer schweren Wirtschaftskrise befindet. Verglichen mit dem Zeitraum vor der Reform entsprach die Zahl der Neuanträge einem Anstieg von 30 Prozent. Die meisten Erlaubnisse wurden thailändischen Staatsbürgern erteilt, die während des Sommers zu Tausenden als Beerenpflücker in Nordschweden arbeiten. Waren es vor der Reform vor allem Computerexperten aus Indien, die eine Sondererlaubnis für den schwedischen Arbeitsmarkt erhielten, verzeichnen die Einwanderungsämter jetzt vermehrt Anträge von ausländischen Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich, zum Beispiel im Gaststättengewerbe.

Minister Billström sieht in dem von ihm geschaffenen Gesetz einen Erfolg: „Es ist sehr erfreulich, dass diese Reform hin zu einem System, das vom Bedarf auf dem Arbeitsmarkt geleitet wird, schon nach nur einem Jahr so gute Resultate einfährt. Viele Menschen sind deswegen nach Schweden gekommen und haben Stellen besetzt, die sonst leer geblieben wären. Außerdem haben diese Menschen auch dazu beigetragen, dass neue Jobs entstehen.“

Das schwedische Modell sichern

Auch für die Zukunft sieht Billström in der Einwanderung von Arbeitskräften den Schlüssel zum Erfolg: „Der Bedarf darf nicht unterschätzt werden. Zum einen aus demografischen Gründen, da immer mehr Rentner auf immer weniger Arbeitnehmer kommen. Zum anderen aus globalen Gründen: Wir sind ein kleines, exportabhängiges Land. Wir müssen unsere Waren in andere Länder und Kulturen exportieren. Deswegen benötigen wir das, was wir mit der Gesetzesreform geschaffen haben – einen flexiblen, bedarfsabhängigen Arbeitsmarkt. Damit können wir das schwedische Modell für die Zukunft sichern.“

Tatsächlich gilt das neue Arbeitsrecht als eines der generösesten in der gesamten EU. Denn nicht nur die Person, die eine Arbeitserlaubnis erhalten hat, darf einer Beschäftigung in Schweden nachgehen. Auch deren mitreisendem Ehepartner ist es erlaubt, in Schweden zu arbeiten. Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen EU-Ländern, glaubt Billström.

"Vielfalt ist eine Attraktion, die Begabungen anlockt"

Um den weiteren Zuzug von benötigten Arbeitskräften zu sichern, stellte Billström am Dienstag in Stockholm ein spezielles Internetportal vor. Im Auftrag des Justizministeriums hat das staatliche schwedische Kulturinstitut „Svenska Institutet“ die Seite „Working in Sweden“ gestartet. Die Seite richtet sich gezielt an Menschen außerhalb der EU, die für einen begrenzten Zeitraum in Schweden leben und arbeiten wollen. Verschiedene Links geben Tipps bei der Antragstellung und erklärten, worauf man bei der Job- und Wohnungssuche in Schweden achten sollte.

Laut Olle Wästberg, dem Generaldirektor des Instituts, liegt in der Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte die einzige Chance, den Wohlstand in der überalternden schwedischen Gesellschaft zu sichern. In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ rührt Wästberg die Werbetrommel für die verstärkte Rekrutierung von ausländischen Arbeitskräften. Um seine schwedischen Landsleute von der Notwendigkeit der Arbeitskrafteinwanderung zu überzeugen, führt Wästberg dabei ein simples Beispiel an: „Fast ein Viertel aller amerikanischen Nobelpreisträger sind Einwanderer. Die Schweden haben nicht immer die besten Ideen. Die kommen einem erst im Austausch mit anderen. Vielfalt – wie in New York oder Berlin – ist eine Attraktion, die Begabungen anlockt.“

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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