Beteuert seine Unschuld: Thomas Quick
Justiz

Revision für verurteilten Massenmörder

Teile der jüngeren schwedischen Kriminalgeschichte müssen womöglich umgeschrieben werden. Am Donnerstag setzte das Stockholmer Oberlandesgericht die Neuauflage eines Verfahrens gegen den verurteilten Massenmörder Thomas Quick an. Das Gericht gab damit einem Antrag Quicks statt, nachdem dieser sein Geständnis im Mordfall eines israelischen Touristen widerrufen hatte. Das Gerichtsverfahren muss nun wiederholt werden – weitere Revisionen könnten folgen.

In acht Fällen ist Thomas Quick bislang wegen Mordes verurteilt worden. Seit 1994 sitzt der Mann, der sich mittlerweile Sture Bergwall nennt, im Gefängnis. Sämtliche Urteile bauten im Wesentlichen auf Quicks eigenen Geständnissen auf, hinzu kamen Indizien und technische Beweise, die die Staatsanwalt stets zu einem eindeutig belastenden Gesamtbild zusammenfügte. Quick gestand nicht nur in allen acht Verfahren seine Schuld ein, er übernahm auch die Verantwortung für 20 weitere bis heute unaufgeklärte Morde, die in den 1970er und 1980er Jahren in Norwegen, Finnland und Schweden begangen wurden.

Doch Anfang 2009 sendete das Schwedische Fernsehen (SVT) eine mehrteilige Dokumentation über den verurteilten Massenmörder, in der er unter Tränen sämtliche Geständnisse zurücknahm. Mit Hilfe von Medikamenten sei er während der Prozesse zwischen 1994 und 2001 von Polizei und Staatsanwaltschaft mehr oder weniger zu den Geständnissen gedrängt worden. Quick leidet an einer Persönlichkeitsstörung. In der Fernsehdokumentation kündigte Quick an, die Neuauflage sämtlicher Verfahren zu beantragen.

"Schlampigkeit der Justiz"

Wurden Quicks Aussagen von der Öffentlichkeit zunächst belächelt, förderten die Medien immer mehr Ungereimtheiten in den Verfahren gegen Quick zutage. So hatte Quick die Kleidung mancher seiner vermeintlichen Opfer in Vernehmungen nicht immer korrekt schildern können. Auch stimmte der von ihm beschriebene Tathergang nicht jedes Mal genau mit der Rekonstruktion der Ermittler überein. Diese Verfahrensmängel – von manchen schwedischen Medien bereits als Schlampigkeit der Justiz gebrandmarkt – waren es letztlich, die das Stockholmer Landgericht am Donnerstag anführte, als es die Neuauflage eines der Prozesse gegen Quick anordnete.

Bei dem Prozess, der vor dem Amtsgericht in Falun stattfinden wird, geht es um die Tötung des israelischen Touristen Yenon Levi, der 1988 im Alter von 24 Jahren im einem Waldstück in Dalarna tot aufgefunden wurde. Quick war 1997 des Mordes an Levi für schuldig befunden worden – ein Urteil, das in der Revision womöglich aus Mangel an Beweisen aufgehoben wird.

Das Oberlandesgericht Stockholm stellte am Donnerstag klar, dass mit der jetzigen Entscheidung nicht gesagt sei, ob auch die anderen sieben Mordprozesse wiederholt werden müssen. Über diese Frage entscheide man, wenn Quick bzw. dessen Anwalt entsprechende Anträge einreiche.

ash

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