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In der Klemme zwischen Homosexualität und der so genannten Ehrenkultur
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Ein Film über Bedrohung und Flucht, über Liebe und Überleben
Film

„Schlimmer als die Tiere"

Die Rechte von Bi-, Homo- und Transsexuellen sind in den vergangenen Jahren in Schweden stärker in den Blickpunkt geraten. Die Toleranz in der schwedischen Gesellschaft ist gewachsen - doch Betroffene, die so genannten Ehrenkulturen angehören, haben davon kaum profitiert. Ein neuer Film hat nun das Leiden dieser Menschen sichtbar gemacht. Sein Titel: „Sämre än djur", „Schlimmer als Tiere".

Die Unterdrückung von Menschen in so genannten Ehrenkulturen - auch in Schweden ist das ein sensibles Thema. Umso gröβer ist die Aufmerksamkeit für den neuen Film von Oscar Hedin. „Noch nie zuvor ist hier etwas Ähnliches gezeigt worden", sagt die sozialdemokratische Parlamentsabgeordnete Carina Hägg. „Es handelt sich ja um einen Bereich, der bisher nur sehr wenig dokumentiert worden ist."

„Bin ich ein verdammter Idiot, ein Egoist, der sich einen Dreck um seine Eltern schert? Verdammt, verdammt, ich möchte nur noch schreien", beschreibt einer der Betroffenen in dem Film seine verzweifelte Situation. Mohammed ist ein junger Mann aus Malmö, der am eigenen Leib spüren muss, welchen Preis Ehrlichkeit hat. Er lebt unter ständigen Todesdrohungen und pendelt zwischen zahllosen Wohnungen hin und her. Hilfe von Polizei oder Sozialbehörden kann er nicht erwarten; Voraussetzung dafür wäre zunächst einmal eine Anzeige. Und die eigene Familie anzuzeigen, dazu hat er sich bis jetzt nicht durchringen können.

„In Ägypten wäre das einfach"
Josef, der ebenfalls in dem Film mitwirkt, berichtet von ständigen Drohungen: „Im Klartext habe ich zwar nicht Dinge hören müssen wie: ,Ich bringe dich um'. Aber es wurde trotzdem deutlich. Da hieβ es zum Beispiel: „Wenn wir in Ägypten wären, dann wäre das Problem in zehn Minuten gelöst', oder: ,In der Sharia steht auf so was die Todesstrafe'."

Eine wichtige Rolle im Film spielt auch Cherin. Die sexuelle Orientierung des jungen Mädchens überforderte Stiefvater Mustafa - er hat Schweden verlassen, um „seine Ehre zu retten". Mit seiner Sicht auf die Stieftochter und ihresgleichen, die in seinen Augen „schlimmer als Tiere" sind, steht Mustafa für die Schöpfung des Filmtitels. Cherin fühlt sich doppelt im Stich gelassen: nicht nur von dem Mann, der ihr eigentlich beistehen, sie ermutigen sollt, und der ihr stattdessen den Rücken kehrt. Sondern auch von der schwedischen Gesellschaft, der doch gemeinhin Toleranz so wichtig ist. In der Schule sei viel von Menschenrechten oder von der UN-Kinderkonvention die Rede, sagt Cherin. „Aber zwischen dem, was die Erwachsenen in der Schule erzählen, und ihrer Reaktion auf meine Probleme besteht ein enormer Unterschied."

Lieber den Mund halten
Diese Beobachtung hat auch Josef gemacht. Seine Vermutung: Aus Angst, Rassist geziehen zu werden, halten Menschen, zumal jene, die wichtige Funktionen in der Gesellschaft innehaben, lieber den Mund, statt offenkundige Missstände anzuprangern. Denn dann wären sie gezwungen, das Wort „Immigrant" in eindeutig negativem Zusammenhang zu verwenden. „Man macht das Ganze zu einem Un-Thema", so Josef, der die schwedische Gesellschaft anklagt, mit diesem Schweigen die Betroffenen zu opfern, sie der fortgesetzten Unterdrückung auszuliefern.

Sören Juvas von RFSL, dem Landesverband für sexuelle Gleichstellung, geht in seinen Vorwürfen noch weiter. „Was das Schlimmste ist: Gesellschaftliche Instanzen, die dafür sorgen sollen, dass Kinder sicher aufwachsen können, lassen diese Kinder im Stich - unter Verweis auf eine völlig barocke kultur-imperialistische Sicht. Kinder in Schweden werden also nicht gleich behandelt. Sondern man behandelt sie je nach Hautfarbe oder kultureller Herkunft."

Gesucht: Zivilcourage
Dezentes Schweigen oder betreten gemurmelte Entschuldigungen der Art, dass diese oder jene Merkwürdigkeit in dieser oder jener Kultur nun mal gang und gäbe sei - im Grunde ist all das also nichts anderes als Diskriminierung. Auch Marianne Berg von der Linkspartei betont, die Gesellschaft habe noch viel zu tun, um tatsächlich alle Menschen als gleichwertig anzuerkennen. Entsprechende Kompetenz fehle vielen Lehrern, Polizisten, Richtern. Die Politiker müssten endlich handeln: „Es geht darum, sich zu engagieren, die Fragen aufzugreifen, Zivilcourage zu zeigen", so Marianne Berg. Der neue Film kann da manchen Anstoβ geben. Cherin, die ebenso wie die anderen Beteiligten den Mut hatte, in dem Film von ihren Erfahrungen zu berichten, ist erwartungsvoll: „Ich hoffe, dass die Menschen daraufhin mehr über diese Probleme sprechen. Dass sie darüber diskutieren, Stellung nehmen. Und dass sie etwas tun für die anderen jungen Menschen, die sich in dieser Situation befinden."

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