Finanzkrise einmal positiv

Weihnachtliche Spendenfreude

Zu Weihnachten erwacht das Gewissen. Die Wohltätigkeitsorganisationen verzeichnen von Jahr zu Jahr steigende Spenden. Und auch in diesem von Finanz- und Wirtschaftskrise geprägten Jahr 2009 setzt sich der Trend fort. Womöglich könnte das Spendenvolumen das bisherige Rekordjahr, 2005, tangieren. Damals hatte der Tsunami in Thailand am zweiten Feiertag 2004 die Portemonnaies der Schweden geöffnet.

Vor der behäbigen Backsteinmarkthalle am Östermalmstorg in Stockholm steht, wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit, Leif Andersson von der Heilsarmee und sammelt für diejenigen, die sich die teuren Spezialitäten, die dort drinnen feilgeboten werden, niemals leisten könnten. „Es gibt so viele Menschen, die schon seit Monaten Bauchschmerzen haben, weil sie nicht wissen, wie sie sich finanziell über Wasser halten sollen, gerade zur Weihnachtszeit. Ihnen gilt unsere Sorge. Dafür steht man gerne ein paar Stunden hier in der Kälte“, sagt Leif Andersson.

Steuersenkungen
Erfreulicherweise trägt das Engagement Früchte. Die Weihnachtssammelaktion der Heilsarmee hat in diesem Jahr 20 Prozent mehr eingebracht als 2008, und ähnlich ist der Trend bei anderen Wohltätigkeitsorganisationen, erklärt Hans Zachrisson, Generalsekretär des Dachverbandes der Wohltätigkeitsverbände: „Viele Organisationen weisen in diesem Jahr plus 10 Prozent oder mehr aus. Es wird ja soviel von der Finanzkrise gesprochen. Aber man muss zugleich bedenken, dass sehr viele Leute in Schweden von Steuersenkungen profitieren, und das kommt ganz offenbar auch der Wohltätigkeit zu Gute.“
Im vorigen Jahr wurden in Schweden umgerechnet rund 500 Millionen Euro für wohltätige Zwecke gespendet. In diesem Jahr hofft man, den 500 Millionen Euro-Wall durchbrechen zu können und vielleicht sogar den Rekord von 530 Millionen im Jahr 2005 zu übertreffen. Damals hatte der Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 in Thailand, von dem Tausende von schwedischen Urlaubern betroffen waren, einen enormen Spendeneifer ausgelöst.

Internationale Organisationen
Neben den einheimischen Spendenempfängern, um die sich beispielsweise die Heilsarmee kümmert, erfreuen sich 2009 besonders Entwicklungshilfeorganisationen bei den Spendern großer Beliebtheit, sagt Hans Zachrisson: „Organisationen, die Patenschaften vermitteln, haben zurzeit großen Zulauf. Und dann stehen die Umweltfragen auf der Tagesordnung ganz vorne. Das merken die großen Umweltorganisationen, wie Greenpeace und der WWF.“
Vor der Markthalle im vornehmen Stadtteil Östermalm legt wieder eine Dame Geld in Leif Anderssons Sammelbüchse: „Gut, dass ihr das hier tut. Die Heilsarmee leistet sehr wichtige Arbeit.“ „Fröhliche Weihnachten“, wünscht Leif Andersson. „Danke, gleichfalls fröhliche Weihnachten.“

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