Wintertradition

Der lebendige Adventskalender

Zu den Traditionen der Vorweihnachtszeit gehören Adventskalender. Jeden Tag ein Türchen, eine Überraschung. In einigen Dörfern Nordschwedens ist diese Tradition völlig neu interpretiert worden: Jeden Tag ein Fenster, ein Nachbar, eine Überraschung. Der lebendige Adventskalender wird überaus geschätzt in den Weiten der nordschwedischen Wälder.

Die Gastgeber haben ein paar Windlichter als Willkommensgruss aufgestellt und ein paar Birkenscheite im Eisenkorb angezündet. Kerstin und Hans Engström wohnen im Dorf Valvträsk mit Blick auf den gleichnamigen See. Der liegt nun um 18.00 Uhr im Dunkeln, wie auch das Kalendertürchen des Tages. Noch. Hans Engström hat eine grobe Plane als Sichtschutz aufgehängt.

„Willkommen zum Türchen Nummer des Tages. Toll, dass so viele gekommen sind, trotz Kälte." Pfarrer Mogens Amstrup Jacobsen begrüßt das Publikum und stimmt sogleich den Psalm des diesjährigen Adventskalenders an: Ein kleines Kind aus dem Hause David. Der Psalm wird jeden Abend gesungen, bis zum Fest können ihn dann alle auswendig.

Die Plane hakt noch ein wenig, als der Gastgeber das Adventstürchen enthüllt, dann aber ist vernehmlich des Volkes Jubel zu hören. Im Fenster leuchtet der Weihnachtsstern über einer kleinen Formation aus beleuchteten Engeln.

Importiert aus Norddeutschland

Nach nur zwei Minuten ist die Zeremonie beendet, aber das reicht ja auch bei 24 Grad minus. Im Haus verteilen sich das Gäste schnell in Küche und guter Stube, Glühwein wird gereicht, mit Mandeln und Rosinen und Kaffee mit selbstgebackenem Kuchen. Kerstin und Hans Engström sind gerne Gastgeber für die Adventsbesucher. „Das ist eine sehr schöne Tradition, die unser Pfarrer eingeführt hat. Man trifft sich halt einfach so und trinkt zwanglos Kaffee und plaudert ein bisschen", sagt Hans Engström. „Im letzten Jahr hatten wir hier 30 Leute!"

Heute sind es nur 18, liegt wohl an der Kälte. Pfarrer Mogens Amstrup Jacobsen, gehört der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein an. Er hat die Tradition aus Norddeutschland nach Nordschweden geholt: „Dieses Arrangement kommt aus der Gemeinde meiner Eltern in Flensburg. Der Pastor dort hat den Konfirmanden eine gebundene Aufgabe gegeben. Jeder sollte in der Adventszeit ein Fenster ausschmücken von eins bis 24. Ich habe die Idee einfach mitgenommen. Die Menschen in den kleinen Dörfern fanden das einfach toll, das man jeden Tag ein neues Türchen aufmacht."

Wichtiges soziales Element


 Im Haus der Gastgeber sind Menschen im Alter von null bis 92 versammelt. Der jüngste ist Tristan mit drei Monaten, seine Mutter Linda Nyman ist auf Heimatbesuch in Nordschweden: „Ich wohne in Göteborg, dort wäre das wohl so nicht machbar, dass man einfach so zu Fremden zum Kaffeetrinken kommt. In der Großstadt würde das so nicht gehen, hier auf dem Land ist das kein Problem."

92 Jahre alt ist die Mutter des Gastgebers, Ester Engström: „Wir sind dem Pfarrer wirklich dankbar dafür. Ich bin ja nicht mehr so gut auf den Beinen, das ist aber ein schöner Anlass, mal rauszukommen."

Und reinzukommen in andere Stuben. Die Abstände zwischen den Dörfern in Nordschweden sind lang, von zehn bis fünfzig Kilometern. Und die Dunkelheit zwischen der Dörfern ist mächtig und kompakt. Ein paar Lichter hinter den Adventstürchen, die christliche Gemeinschaft erleuchten sozusagen den Alltag.

Jeder ist mal dran


Rakel Lundborg aus dem Nachbardorf Överstbyn hat gerade den Schokoladenkuchen verspeist, sie ist am nächsten Abend Gastgeberin und überlegt noch, wie sie ihr Fenster ausschmückt. „Ich bin nicht ganz sicher, aber es werden wohl ein paar Engel werden und Weihnachtswichtel und ein Stern."

Das letzte Türchen wird natürlich zum Heiligen Abend in der Kirche geöffnet, und dazu wird es was geben! Eine Überraschung verspricht Pfarrer Mogens Amstrup Jacobsen: „Das ist ja eigentlich ein Geheimnis. Alle Konfirmanden werden sich als Engel verkleiden, wir hatten gerade Kostüm-Generalprobe. Das wird toll."

Katja Güth

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