Green Cargo kritisch zur Schneeräumung der Rangierbanhöfe
Schneewinter

Industrie und Handel merken Folgen des strengen Winters

Extreme Temperaturen und Schneeverhältnisse bereiten Wirtschaft und Industrie Probleme. Der Güterverkehr auf der Schiene ist nahezu zum Erliegen gekommen und die Energiekosten schiessen in die Höhe.

Der Transport auf der Bahn ist für viele umweltbewusste Unternehmen die „grüne“ Alternative. Vor allem in den abgelegenen Regionen des Landes geschehen viele Schwerindustrietransporte, wie etwa Papier- und Zellstoff, normalerweise per Bahn. Doch in diesen Tagen, an denen Gleisarbeiter in Mittelschweden mit Besen und Kratzern Weichen von Eisklumpen befreien, damit wenigstens jeder zweite Zug Passagiere befördern kann, hat der Güterverkehr untergeordnete Priorität.

Die beiden größten Rangierbahnhöfe und Güterknotenpunkte Schwedens sind seit vergangenem Samstag gesperrt. Die Schneeräumung ist beschwerlich, da das hochtechnologische Bremssystem dort keine Schneepflüge verträgt und daher von Hand geschippt werden muss. Die Gleisbehörde hat dafür nun Unterstützung von der Armee angefordert.

Import gestoppt, Export begrenzt
Doch ohne Rangierbahnhöfe kommt der Güterverkehr im Prinzip zum Erliegen, mit weit weichenden Konsequenzen erklärt Mats Hollander, Informationschef des größten Güterzugbetreibers Green Cargo: „Wir können die Transporte für die Industrie nicht mehr garantieren. Der Import per Bahn ist gestoppt, der Export aus Schweden stark begrenzt. Wir können nicht mehr garantieren, dass wir der Industrie rechtzeitig Rohstoffe und Einsatzwaren liefern, die für die Produktion benötigt werden. Und wir können die fertigen Produkte nicht mehr auf ihre Märkte bringen. Wir hören von mehreren Seiten, dass Industrien gezwungen sind ihre Produktion zurückzufahren.“

Produktion in Stromspitzenzeiten reduziert
Die Unternehmen müssen untätig zusehen, wie sich die Probleme langsam auftürmen, erklärt Carl-Johan Albinsson, Werksleiter des Papierwerkes Skoghall in Värmland: „Im Moment geht es noch ganz gut. Es kommen Verspätungen vor, aber das ist hantierbar. Sollte die Situation allerdings länger anhalten, müssen wir auf andere Transportmittel umsteigen.“

Gemeint sind Lastwagen – Klimaschutz hin oder her.
Fast noch schlimmer, weil auf Dauer teurer, sind die Kapriolen, die der Strompreis an der nordischen Strombörse Nordpool schlägt. Schuld daran sind die Kälte und die Tatsache, dass Schwedens Kernkraftwerke nach Sicherheitsproblemen nur in begrenztem Maße laufen. Mit 14 Kronen, fast 1,5 Euro pro Kilowattstunde, erreichte der Energiepreis am Montag einen neuen Höchststand.

Industrieunternehmen in energieintensiven Branchen wie Stahl- und Papierherstellung, parieren so sie können: „Wir reduzieren die Zellstoffproduktion in den Morgen- und in den Abendstunden“, erklärt Anders Heldemar, Leiter Energie beim Papierkonzern Stora Enso. Mit dieser Salamitaktik versuchen die Unternehmen, die Kosten in den Spitzenverbrauchszeiten zu senken, in denen die Energieversorgung über den Spotmarkt abgedeckt wird. Die Grundversorgung ist über längere Verträge zunächst gesichert. Hier müssen die Unternehmen allerdings über ihre langfristigen Kosten nachdenken, denn für die Verträge, die jetzt geschlossen werden, ist der Ausgangspreis entsprechend hoch.

Gesperrte Werkshallen
Andere Unternehmen im winterlichen Schweden wären dankbar, wenn sie nur über steigende Stromkosten nachzudenken müssten. In vielen westschwedischen Städten müssen auf allen größeren Gebäuden zunächst einmal die Dächer vom Schnee befreit werden. Das gilt auch für Fabrik- und andere Gewerberäume.

Zwei Werkshallen in Westschweden waren am Wochenende eingestürzt. In Stockholm türmt sich in den Unternehmen die Arbeit, weil die Mitarbeiter durch das Chaos im öffentlichen Nahverkehr seit Tagen nicht rechtzeitig oder gar nicht zur Arbeit erscheinen konnten.

Gefördert wurde dies vom lokalen Verkehrsverbund, der die Stockholmer zum Zuhausebleiben auffordert. „Zu so drastischen Maßnahmen dürfte eigentlich nur eine Katastrophenbehörde auffordern“, klagt die Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes, Anna-Stina Nordmark, denn der Verkehrsverband übernehme die Folgekosten für seine Aufforderung ja nicht. „Viele Unternehmen werden noch wochenlang mit Diskussionen zu tun haben, ob für diese Ausfalltage Löhne und Gehälter bezahlt werden sollen oder nicht.“

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