Streitpunkt: Die Arbeitgeber setzen Zeitarbeiter ein, wenn der Schornstein raucht.
Arbeitsmarkt

Tarifrunde in die heiße Phase

Am heutigen Montag gehen die Tarifverhandlungen in Schweden in die heiße Phase. In der Industrie, die traditionell den Maßstab für die Löhne setzt, sind die Positionen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite festgefahren. Ab heute übernehmen Schlichter das Ruder.

„Viele Unternehmen haben in der Krise große Produktionsvolumen verloren. Im Schnitt etwa 30 Prozent, aber es gibt auch Unternehmen, die bis zu 80 Prozent zurückfahren mussten. Daher kann man nicht allen Unternehmen zentral die gleichen Kostensteigerungen auferlegen, sondern die Spielräume für die Kosten müssen von Fall zu Fall ausgehandelt werden“, so erklärt Jonas Cohen, Informationschef des Arbeitgeberverbandes Teknikföretagen, die Haltung der Arbeitgeber. Sie fordern eine Nullrunde, jedenfalls zentral. Die Unternehmen sollen eventuelle Lohnerhöhungen jeweils selbst mit ihren Mitarbeitern aushandeln. Auf diese Weise sollen diejenigen geschützt werden, die von der Krise am stärksten gebeutelt wurden.

Kampf gegen Leiharbeit
Die Arbeitnehmer, organisiert in den Gewerkschaften IF Metall, Unionen und im schwedischen Ingenieurverband, fordern einen generellen Lohnaufschlag von zunächst 2,6 Prozent. Zudem wollen sie ein verbrieftes Vetorecht gegen den Einsatz von Leiharbeitern in der Produktion. Leiharbeitsfirmen dienen in Schwedens Industrie zunehmend als Puffer für Konjunkturschwankungen. Die Arbeitnehmerseite macht geltend, dass Leiharbeitsfirmen und Arbeitgeber gemeinsam Lohndumping betreiben, indem ehemals in einem Unternehmen Beschäftigte erst entlassen, und dann sofort über Leiharbeit wieder an ihren alten Arbeitsplatz geholt werden.

Flexibilität nötig
Die Frage der Leiharbeit wird für die Schlichter womöglich die schwierigste sein. Die Anstellungsregeln sind in Schweden relativ strikt und der Konflikt macht deutlich, dass flexible Lösungen notwendig sind. Kurzarbeit wurde zwar im vergangenen Krisenjahr von einigen Unternehmen lokal eingesetzt, ist jedoch kein geregeltes und gesetzlich verankertes Instrument, dessen sich der Arbeitsmarkt bedienen kann. Die schwedischen Arbeitsmarkparteien müssen also nun ein eigenes System entwickeln. Erschwerend könnte hinzukommen, dass, wie Umfragen belegen, die Schweden in diesem Frühjahr insgesamt mit wesentlich höheren Erwartungen an die Konjunkturentwicklung in diese Tarifrunde gehen, als andere Europäer, die deshalb eher zu Kompromissen auch im eigenen Portemonnaie bereit sind.

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