En stor del bostadslösa är unga småbarnsföräldrar som saknar yrkesutbildning och eget hem. Foto: Bildmontage/Sverigesradio.
En stor del bostadslösa är unga småbarnsföräldrar som saknar yrkesutbildning och eget hem. Foto: Bildmontage/Sverigesradio.
Obdachlos

Wohnungslos im Winter

Der lange, harte Winter hat Schwedens rund 18 000 Wohnungslosen besonders zugesetzt. Auch Mitte März liegen die Temperaturen in diesem Jahr oft noch unter Null. Wer im freien Übernachtet, riskiert Erfrierungen. Bei beißender Kälte und ohne Dach über dem Kopf greifen viele Abhängige auf noch größere Mengen Alkohol und Drogen zurück. Rickard in der Warteschlange zur kommunalen Übernachtungsstelle Grimman in Stockholm kann das nur bestätigen:

„Ja, es ist richtig hart. Wenn’s geht kommt man schon ein bisschen früher hierher und stellt sich an. Gegen so viel Kälte kann man sich gar nicht richtig anziehen. Sie frisst einen auf. Man nimmt dann schon mehr Drogen.“

Rickard wartet schon gut zehn Minuten, als die Übernachtungsstätte Grimman abends um sieben die Türen für die Wohnungslosen öffnet. Endlich ist er an der Reihe. Grimmans Mitarbeiter teilen ihm einen Spind zu, in dem er seine persönlichen Gegenstände einschließen kann.

Öffnungszeiten: 19 - 9.30 Uhr
Grimman hat rund 30 Schlafplätze und bietet auch ein Abendessen, Duschmöglichkeit und Wäsche für die Kleidung an. Anna Morlin arbeitet bei Grimman und hat in der letzten Zeit besonders einen Zuwachs junger Menschen im Heim bemerkt: „Wir haben viele, die knapp 20 sind! Diese jungen Menschen bringen wir möglichst in einem anderen Raum unter, damit sie nicht mit denen, die schwere Suchtprobleme haben, zu übernachten brauchen. Wir versuchen, sie so gut wie möglich zu schützen.“

Zumindest bis zum nächsten Morgen, bis halb zehn dürfen die Männer bleiben. Tagsüber verbringt Rickard seine Zeit in verschiedenen Cafés für Wohnungslose oder streift in der Stadt herum. Seine Wohnung hat er vor ungefähr einem Jahr verloren, weil er die Miete nicht bezahlte: „Ich hatte keine andere Wahl. Es ging mir so schlecht, dass ich ganz einfach nicht zahlen konnte. Das Sozialamt wusste Bescheid, tat aber nichts.“

Vorbeugende Arbeit
In Västerås, westlich von Stockholm, arbeitet die Sozialbehörde seit zehn Jahren anders, nach einem Modell zur Vorbeugung von Wohnungslosigkeit. Sozialarbeiter suchen Menschen mit Mietschulden auf, um eine Zwangsräumung zu verhindern. Boel Martinsson arbeitet beim Sozialamt: „Wir begleichen die ausstehende Miete nicht, sondern unterstützen die von Wohnungslosigkeit Bedrohten, eigene Lösungen zu finden. Oft stellen sie Abzahlungspläne mit dem Vermieter auf. Oder sie steigen auf Mietverträge um, die auf einen Monat befristet sind. Dann sind sie ja wirklich gezwungen, die Miete zu bezahlen sobald sie fällig wird und bauen nicht erst einen Schuldenberg auf.“

Das Modell hat die sozialen Kosten in Västerås deutlich gesenkt: 1997 bezahlte die Stadt 5,5 Millionen Kronen um Mietschulden zu begleichen, 2009 waren es noch 1,6 Millionen.

Dach-über-dem-Kopf-Garantie
In Stockholm, Göteborg und Malmö sind die Probleme der Wohnungslosen am schwersten. Dort besteht auch eine enge Zusammenarbeit zwischen städtischen Einrichtungen, freien Trägern und privaten Unternehmen. Stockholm hat die „Dach-über-dem-Kopf-Garantie“ eingeführt: wer sich vor zwölf Uhr bei der Wohnungslosenhilfe um einen Schlafplatz bemüht, bekommt auch einen – irgendwo in der Stadt.

Die zuständige Ministerin, Maria Larsson, hat den schwedischen Kommunen umgerechnet rund fünf Millionen Euro zugesagt, damit Wohnungslosen nach dem Prinzip „Housing first“ permanente Bleiben angeboten werden, bevor man soziale Fragen, Sucht oder andere Probleme angeht.

Die rot-grüne Opposition verspricht bis 2016 in ganz Schweden 40 000 Wohnungen für Wohnungslose, falls sie im Herbst gewählt wird. Nach Berechnungen von 2005 gibt es im ganzen Land etwa 18 000 Wohnungslose.

Dann mach ich's richtig...
Rickard in Stockholm würde nächstes Mal vieles anders machen, betont er: „Ich wünsche mir eine Wohnung. Und diesmal würde ich mich auch wirklich richtig um alles kümmern. Jetzt hab ich ja gemerkt, wie schlimm es laufen kann. Aber bis ich irgendwo in einem Vorort was finde, dauert wohl noch zwei oder drei Jahre.“

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