Nordisches Aquarellmuseum

Von „Frauensache“ zu anerkannter Museumskunst

Es gibt Museen für alte und zeitgenössische Kunst, für Ölmalerei und Multimediakunst. Doch ein eigenes Museum für Aquarelle ist die Ausnahme. Eine Ausnahme gibt es seit dem Jahr 2000 an der Westküste Schwedens: das Nordische Aquarellmuseum auf der Inseln Tjörn.

Tjörn an der Westküste Schwedens, ein Teil der kargen Schärenlandschaft in Bohuslän, 60 Kilometer nördlich von Göteborg. Hier war früher das Zentrum der schwedischen Fischerei. Die Gegend ist geprägt von roten Holzhäuschen mit weißen Kanten - die Schuppen, in denen die Fischer ihr Fanggerät aufbewahrten. Heute werden viele von ihnen als Ferienhäuser genutzt.

Das Nordische Aquarellmuseum hat sich diesem Stil angepasst: Ein roter Holzbau mit großen hellen Fenster, die den Blick aufs Wasser freigeben und an die hohen Scheiben von Künstlerateliers erinnern.

Papierkonservierung
Benita Nilsson ist eine der Initiatoren, die von Anfang an dabei waren: „Die Idee ging von Architekten und Künstlern in Nordeuropa aus, die sich in der nordischen Aquarellgesellschaft zusammengeschlossen haben.“

Neben der Sammlung von nordischer Aquarellkunst stellte man sich vor, Wissensvermittlung im Bereich der Papierkonservierung zu betreiben sowie Künstlerateliers und Aquarellkurse anzubieten, berichtet Benita Nilsson: „Dieses Projekt eines Wissenszentrums war interessant. Und auch für die Kommune war es ein interessantes Kulturprojekt, regionale Entwicklung, die damit verbunden sein kann.“

Wohnungen für Stipendiaten
Vom Haupthaus geht es auf schmalen Stegen hinüber zu fünf Holzhäusern, die wie hochkant gestellte Schuhkartons aussehen. Sie gehören zum Programm Künstleraustausch. Benita Nilsson schließt auf und präsentiert die Unterkünfte: „So könnt Ihr wohnen. Und die Treppe hoch, da kann man schlafen. Es gibt ein Bett, das 1,20 breit ist und ein Extrabett. Außerdem alles was man sonst so braucht, Herd, Dusche, Gefrier- und Kühlschrank...“

Auch das Innere der Studios ist ganz aus Holz. Zum Wasser hin ein riesiges Atelierfenster, das vom Boden bis zur Decke reicht. Im Obergeschoss, auf der Galerie, ist die Schlafecke eingerichtet. Sogar die kleinen Holzhocker sind als Mini-Schränkchen ausrüstet. Schlicht, praktisch und hell. In diesem Sommer werden die Künstlerateliers noch vermietet, im Herbst sollen Aquarellkünstler sie mit Unterstützung von Stipendien mieten können.

Das richtige Klima
Künstler, die vielleicht einmal so berühmt werden wie Salvadore Dalí, dessen Aquarellwerk zurzeit auf Tjörn zu sehen ist. Ein Werk, das vor dem Zahn der Zeit bewahrt werden muss, der an allen Aquarellen nagt: „Vieles liegt im Archiv, weil es keine Ausstellungsräume mit dem richtigen Klima gibt“, bedauert Benita Nilson. „Eine unserer Grundideen ist, das richtige Milieu für Aquarelle zu schaffen, mit abgeschirmten Licht, richtiger Temperatur und Feuchtigkeit, so dass die Kunst eine längere Zeit lang gezeigt werden kann.“

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit all dem, was mit Aquarellkunst zu tun hat, ist ein Anliegen des Nordischen Aquarellmuseums. Das reicht von einer Gastprofessur in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Valand, wo Aquarellfarben erforscht werden, bis hin zum Austausch mit angehenden Papierkonservatoren.

„Frauenkunst“
Nicht zuletzt will Benita Nilsson auch ein altes Klischee ausräumen. „Die Frauen des Bürgertums malten Aquarelle und deshalb wurde etwas auf diese Kunst herabgeblickt. Im Bereich Grafik zum Beispiel war das anders. Da brauchte man Kraft und es ging um die Welt der Männer. Für mich geht es darum, den Minderwertigkeitsstempel von der Aquarellkunst zu entfernen. Ich finde, dass es eine sehr schwierige Technik ist und dass sie phantastische Ergebnisse gibt.“

Leuchtfeuer als Zugabe 
Neben dem Gebäude selbst, das von zwei dänischen Architekten entworfen worden ist, gibt es ein weiteres Kunstobjekt, das kein Aquarell ist. Im Wasser vor dem Hauptgebäude ragt eine Art Leuchtfeuer aus dem Wasser, das aus lauter leeren Wasserkisten zusammengebaut ist. „Das waren zwei Künstler, die Deutschland im vorletzten Jahr auf der Biennale von Venedig vertreten haben. Berndt Arell, unser Museumschef hat die beiden nach Schweden eingeladen. Das Ergebnis ist dieses kleine Leuchtfeuer. Zuerst haben die Leute gegrübelt: ‚Was ist denn das?’. Aber jetzt glaube ich, dass die meisten es sehr gern haben. Jetzt will es keiner wieder wegnehmen.“

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