Institut International d'Etudes Bancaires

Handelsbanken: Rückzug vom Treffen der europäischen Bankelite

Ein exklusiver Club europäischer Banker findet sich für drei Tage in Stockholm ein: das Institut International d'Etudes Bancaires. Während einer der größten Finanzkrisen Europas laden schwedische Großbanken zu eleganter - und kostspieliger - Festlichkeit. Einer der Veranstalter, Handelsbanken, hat sich allerdings in letzter Minute zurückgezogen. „Wir sind nicht mehr Mitglied des Institut International d'Etudes Bancaires", teilt Handelsbankens Presseabteilung Radio Schweden mit. Kosten und Kritik an der mangelnden Offenheit am Treffen der Direktoren europäischer Großbanken sind offenbar zu groß geworden.


Die Mitglieder des Institut International d'Etudes Bancaires (IIEB), einer Vereinigung für die Chefs der wichtigsten Banken Europas, werden mit Dinners in Luxusrestaurants, fünfsterniger Unterbringung sowie Cocktails mit Vertretern von Regierung und königlicher Familie bewirtet.

IIEB-Generalsekretär Eddy Wauters, hebt im Gespräch mit Radio Schweden, den inoffiziellen Charakter der Zusammenkünfte hervor:

„Wir sind eine Gruppe von Bankern verschiedener europäischer Banken, die sich inoffiziell treffen. Wir haben keinerlei Einfluss auf Politik oder Minister oder Zentralbanken. Und wir sprechen über das, was im täglichen Leben geschieht, sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder in der Finanzpolitik beispielsweise.“

Celebre Gäste
Trotz dieser bescheidenen Beschreibung erfreut sich das IIEB eines guten Renommees bei den europäischen Politikern. Die Teilnahme von Präsidenten, Regierungschefs und Finanzministern der jeweiligen Gastgeberländer an den entspannten Tagungen gilt als selbstverständlich. Am dreitägigen Treffen der 1951 gegründeten Vereinigung in Stockholm nehmen auch Schwedens Finanzminister Anders Borg und Finanzmarktminister Mats Odell sowie Zentralbankchef Stefan Ingves zeitweise teil. Regierungschef Fredrik Reinfeldt hat abgesagt.

Geheime Inhalte
Worüber sich dieser einflussreiche Kreis bei Vorträgen und geselligem Beisammensein konkret austauscht, wird diskret in Stillschweigen gehüllt. Die hochkarätige Zusammensetzung der Gruppe legt die Vermutung nahe, dass es sich um aktuelle monetäre Fragen und wichtige Themen der Wirtschaftspolitik handelt.

Ein ehemaliges Mitglied des IIEB, dass nicht namentlich genannt sein möchte, formuliert seine Zweifel an Veranstaltungen wie dieser in der Wirtschaftszeitung Dagens Industri: „Es gibt äußerst wenige Branchen in denen die 50 größten Unternehmen in Europa sich zwei Mal im Jahr auf diese Weise treffen. Wenn die Baubranche das täte, würde man sogleich von Kartellen munkeln. Aber darum hat sich die IIEB sich noch nie gekümmert, und Behörden haben bisher keine Kritik angemeldet."

IIEB-Generalsekretär Wauters widerspricht dem energisch, aus eigener Erfahrung kenne er internationale Fußballkongresse und auch in der Versicherungsbranche seien Treffen wie die des IIEB völlig normal.

„Ich habe früher in der belgischen Fußball-Nationalmannschaft gespielt. Es ist in vielen Branchen eine Tradition, einander zu besuchen und etwas zusammen zu unternehmen, wenn man wichtige Fragen diskutieren will oder gut miteinander auskommt. Dass unsere Treffen teuer und luxuriös sind ist nicht wahr!“

Pressekonferenzen allerdings, gebe die Gruppe nicht, fügt Wauters hinzu und das Interview mit Radio Schweden sei überhaupt das erste, das er in seiner Eigenschaft als IIEB-Generalsekretär gebe.

Mehr Offenheit erwünscht
Finanziert werden sollte dieser IIEB-Gedankensaustausch in goldenem Rahmen diesmal weitgehend von den großen schwedischen Banken SEB, Handelsbanken und Nordea. Handelsbanken allerdings hatte bereits im Vorfeld Bedenken gegen die Kosten des Direktorentreffens angemeldet. Die Veranstaltung sei einerseits zu luxuriös und teuer und andererseits zu geheim. In einem turbulenten Krisenjahr wie diesem hätten auch Beobachter der Medien vertreten sein müssen, erklärt Handelsbankens Pressechef Johan Lagerström.