Zukunftsweisende Energiequelle

Kleine Wasserkraftwerke

Sie sollen umweltschonend sein und durch Kooperativen finanziert werden: neue, kleinere Wasserkraftwerke an entsprechend kleineren Wasserläufen. So planen es Forscher der Technischen Universität Luleå. Schon heute erzeugen Schwedens Kleinwasserkraftwerke doppelt soviel Energie wie die schwedischen Windkraftwerke, und das Potenzial ist noch längst nicht erschöpft.

Rund 2.000 Kleinwasserkraftwerke sind derzeit in Schweden in Betrieb. Sie produzieren jeweils maximal zehn Megawatt und decken damit den Energiebedarf von 200.000 Einfamilienhäusern pro Jahr. Und es könnten noch mehr werden, meint Staffan Lundström, Professor der Strömungslehre an der Technischen Universität Luleå im Schwedischen Rundfunk. „Neben den Anlagen, die seit langem stillstehen, gibt es durchaus geeignete Stellen, wo sich das Wasser stauen und ein Kleinwasserkraftwerk installieren lässt. Unser Konzept soll sich natürlich auf andere Stellen übertragen lassen."

Neue Methoden entwickeln
In der Provinz Norrbotten arbeiten die Forscher der Technischen Uni Luleå derzeit gemeinsam mit Kollegen der Landwirtschaftsuniversität an einer Pilotanlage, die mit Hilfe neuer Techniken umweltfreundlichere Lösungen bereithalten soll als heute üblich. Dazu zählt etwa der Einsatz besser angepasster Turbinen, durch die Fische leichter hindurch schwimmen können. Weiter soll statt Öl Wasser als Schmiermittel benutzt werden.

Rund 2.000 Kleinwasserkraftwerke sind seit den 1960ern, manche sogar schon seit den 50er Jahren außer Betrieb. Diese Anlagen könnten wieder aktiviert werden, meinen die Forscher. Es wäre sogar denkbar, dass die Wasserkraftwerke von privaten Kooperativen getragen würden - so wie es auch bei kleineren Windkraftanlagen der Fall ist. „Weil es sich um kleine Anlagen handelt, sind Unterhalt und Betrieb nicht so kostspielig", so Staffan Lundström. „Dadurch haben die Kraftwerke durchaus das Potenzial, dass sich kleinere Vereinigungen oder Gruppen engagieren könnten."

Wirklich umweltfreundlich?
Doch nicht alle teilen die Meinung der Forscher, wonach Kleinwasserkraftwerke der beste Weg zu einer nachhaltigen Energiegewinnung sind.

Zu den Skeptikern gehört Stefan Nyström, Generalsekretär des schwedischen Verbandes für Sportfischerei. „Die Kleinwasserkraftwerke produzieren nur wenig Strom, fügen aber gleichzeitig der Natur große Schäden zu. Ein Aal, der einen Fluss aufwärts wandert, stirbt in einer kleinen Turbine genauso effektiv wie in einer großen. Wir sind der Meinung, dass man eher auf die Effektivisierung der großen Wasserwerke setzen sollte. Dort sind die Schäden bereits da, deshalb sind Verbesserungen an dieser Stelle eher eine Investition wert. Die kleinen Wasserläufe sollte man in Ruhe lassen - der Sportfischerei zuliebe und wegen der biologischen Vielfalt."

Während die Projektarbeit in Norrbotten noch in vollem Gange ist, ist man andernorts schon weiter. Die Provinzialverwaltung im südschwedischen Jönköping prüft bereits, ob die stillgelegten Kleinwasserkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden sollten.

Liv Heidbüchel