KRIMINALITÄT

Anklage im Helikopter-Raubfall

Update 13:50

Im Zusammenhang mit dem spektakulären Helikopter-Raubüberfall im Herbst vergangenen Jahres wurde am Montag gegen zehn Männer im Alter von 23 bis 38 Jahren Anklage erhoben. In der Anklageschrift bezichtigt das Amtsgericht Södertörn fünf Männer des schweren Raubüberfalls und fünf Männer der Beihilfe.

An dem Überfall auf ein Gelddepot in dem Stockholmer Vorort Västberga waren nach Ermittlungen der Polizei weitere zehn bis 15 Personen beteiligt, die jedoch weiterhin flüchtig sind.

Keine Geständnisse

Die Beweisführung wird erschwert durch die Tatsache, dass sämtliche Angeklagten ihre Beteiligung an dem Raub abstreiten, so Staatsanwalt Björn Frithjof. „Die Beweislage ist stark genug für eine Verurteilung sämtlicher zehn Angeklagten. Da aber alle die Teilnahme abstreiten, ist das Material sehr viel umfassender, als wenn Geständnisse vorgelegen hätten.“
Zu den Angeklagten zählt unter anderem der Hubschrauberpilot. Er soll am Diebstahl des Helikopters und während des gesamten Tatverlaufes beteiligt gewesen sein.

Falsches Alibi und Bombenattrappen

Mit einem Helikopter waren die Täter am 23. September vorigen Jahres auf dem Dach des Gelddepots gelandet, hatten sich durch ein Glasdach in das Gebäude begeben und dann Geldsäcke durch die Luft abtransportiert. Nur ein Mann wurde wegen des eigentlichen Raubs angeklagt, zwei weitere Personen, die nach Vermutung der Polizei mit im Gebäude waren, konnten bislang nicht festgenommen werden. Unter Anklage stehen hingegen mehrere Personen, die im Umfeld die Tat begünstigt haben. Darunter zwei Männer, die Bombenattrappen an Polizeiautos und an den Hubschraubern der Polizei platziert hatten, um die Verfolgung der Täter zu behindern. Der Beihilfe angeklagt wurde auch ein Mann, der versucht hatte, dem Hubschrauberpiloten ein falsches Alibi zu verschaffen. Er hatte ihn zum Tatzeitpunkt angezeigt, an einem anderen Ort in Stockholm einen leichten Autounfall mit Blechschaden verursacht zu haben.
Erstmals veröffentlichten die Behörden genaue Angaben über die Beute. Umgerechnet gut 3,9 Millionen Euro hätten die Täter erbeutet, gefunden wurden davon bisher nur rund 10 000 Euro.

Serbischer Tipp

Die schwedische Polizei war nach dem Raubüberfall in die Kritik gekommen, als bekannt wurde, dass sie von serbischen Behörden vor einem Hubschrauberraub gewarnt worden war. Zwei der Angeklagten gehören zu dem von der serbischen Polizei benannten Personenkreis, bestätigte die Staatsanwaltschaft nun. Eine häufig gestellte Frage zielt darauf ab, warum die Polizei die Tat trotz umfassender Informationen nicht verhindern konnte. Arne Andersson, Leiter der Kriminalpolizei, sagte dazu: „Wir hatten die Ermittlungen nicht aufgegeben, aber eine Zeitangabe über den Tattag, die wir bekommen hatten, war seit vielen Wochen überschritten gewesen, und zu dem aktuellen Zeitpunkt war es sehr still und wir erhielten sehr wenig neue Informationen, das erschwerte unsere Ermittlungen.“
Der Prozess beginnt am 2. August.