Königlicher Besuch

Goldgräberstimmung im Tornetal

4:49 min

Der geplante Erzabbau im Tornetal nördlich der Kleinstadt Pajala hat die ersten amtlichen Hürden genommen. Die Genehmigungen für den Abbau von jährlich fünf Millionen Tonnen Eisenerz in der Grube Sahavaara sind erteilt worden. Das Unternehmen Northland Resources will 400 Millionen Euro investieren und bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt ist der Abbau von Eisenerz an drei Standorten im Tornetal geplant, in einer Gegend, die jahrelang von hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung geprägt war. Ein interessantes Projekt, das nun das Interesse des Königshauses geweckt hat. Kronprinzessin Victoria mit Gemahl Prinz Daniel waren im Dorf Kaunisvaara, nördlich von Pajala, um sich über das Vorhaben zu informieren.

 

Vor dem Haus des Volkes in Kaunisvaara wartet das Publikum, das sind die Vertreter des Bergbauunternehmens Northland Resources, eine Kindergartengruppe mit Schweden-Fähnchen, ein paar Anwohner und die Medien natürlich. Die Stimmung ist festlich, das Wetter recht mild, der Schnee ist tauschwer. Das Team vom Lokalfernsehen Pajala holt mit dem Besen den tauenden Schnee vom Dach, bevor der ihnen auf die Kamera fällt. Der Sicherheitsdienst hat nur direkt über der Eingangstür gekehrt. Direkt gegenüber vom Haus des Volkes wohnt Elov Rantatalo, der das Geschehen auf der anderen Straßenseite mit gewissem Abstand verfolgt.

„Ja das ist schon nett. Aber ich bin kein Royalist. Im Haus des Volkes hing immer ein Foto von Lenin, bis die Leute von der Grube kamen. Die Kommunisten haben ja das Haus des Volkes gebaut. Die sind jetzt aber alle tot.“

Investoren gesucht


nun präsentieren die Kapitalisten aus Kanada ihre Pläne für den Abbau von Eisenerz. Karl-Axel Waplan, Konzernchef von Northland Resurses erklärt, dass die Behörden den Erzabbau genehmigt haben, nun gilt es Geld aufzutreiben, auch aus Deutschland: „Wir reden jetzt mit drei Banken über die Projektfinanzierung, gleichzeitig verhandeln wir mit Investoren auf der ganzen Welt. Wir haben Gespräche mit der West-LB und der französischen Société Générale und UniCredit. Wir hoffen, dass die Finanzierung im November unter Dach und Fach ist.“

Ausgerechnet die mit Millionen Steuergeldern gerettete West-LB. Ob sich die Kommunisten im Grabe umdrehen würden? Vor dem Haus, das sie erbauten, rollt nun jedenfalls der Bus ein mit dem königlichen Gefolge. Kronprinzessin Viktoria tritt als erste auf den nassen Schnee, ein roter Teppich liegt nicht aus, und dann kommt Prinz Daniel dazu, ein wenig unsicher lächelnd. Die vierjährige Nora Isaksson übergibt ihr ein Geschenk und einen Blumenstrauß, der Konzernchef Karl-Axel Waplan begrüßt die Gäste und dann verschwinden sie im Haus des Volkes zum Drei-Gänge-Menü mit Lachs und Kartoffeln. Alle anderen müssen draußen bleiben.

„Eine Mücke aus Zinn“, erzählt Nora habe sie der Kronprinzessin geschenkt. Und was hat Viktoria gesagt? „Danke.“

Probleme des Erzabbaus

Für einen Moment erstrahlt die ganze Szenerie in royalistischem Glanz. Noch etwas verklärt steht Tomas Sevä in seinem traditionellen samischen Kolt am Rande. Er ist Vorsitzender der Sami-Kooperative Muonio mit acht Rentierzüchtern und fast 4.000 Rentieren.

„Dem Kronprinzessinnen-Paar mein Samendorf vorzustellen, das ist schon was ganz Besonderes, das war ein richtiger Höhepunkt. Wir haben erzählt, was der Erzabbau für unseren Betrieb mit sich bringt und die beiden haben sehr interessiert zugehört.“

Die Gruben beanspruchen nämlich Teile des Sommerweidelandes für die Rentiere. Beide Seiten betonen jedoch, dass man eine einvernehmliche Lösung finden werde. Ein weiteres Problem ist der Transport des Erzes in der strukturschwachen Gegend. Und wo sollen die ganzen Arbeitskräfte herkommen? Wo sollen sie wohnen? Unternehmen und Kommune geben sich stets optimistisch. Ein so großes Projekt darf nicht gefährdet werden.

Auf dem Weg zur Grube, die sich gleich auch der Besuch aus dem Königshaus ansehen wird, wohnen Sven und Anita Drugge, 75 und 70 Jahre alt. Zwei von 15 Hausbesitzern, deren Häuser der Grube im Weg sind. Sie müssen wegziehen, bloß wohin und wann, wissen sie nicht. Überhaupt sind die Informationen vom Unternehmen eher spärlich, moniert Sven Drugge:

„Es ist natürlich schwierig umzuziehen, das ist der Nachteil des Vorhabens. Natürlich sind wir froh über die Arbeitsplätze, sonst sterben die Dörfer hier schnell aus. Für uns wäre aber wichtig, bald Näheres zu erfahren. Wir wollen uns ja nicht verschulden, nur weil wir umziehen müssen. Die müssen uns schon ein neues Haus geben.“

Sven Drugge gehört mit drei anderen auch der Grund und Boden, wo sich gerade das erste Grubenloch erstreckt. Die Probebohrungen dort haben Erzvorkommen bestätigt, die 1.300 Meter breit, 700 Meter tief sind mit einer durchschnittlichen Breite von 50 Metern. Laut Gesetz stehen den Grundstücksbesitzern ein Anteil von rund einer Promille der Erlöse zu. Zum Grubenloch kommt nun auch der Besuch vom königlichen Hof. Viktoria und Daniel lächeln noch mal in die Kameras und entschwinden wieder. 

Sahavaara, Tapulivuoma und Pellivouma, fremd klingende Namen für den Rest der Welt, für die Menschen im schwedisch-finnischen Tornetal haben diese Ortsnamen plötzlich den verheißenden Klang von Zukunft. Und womöglich wird bald wieder hoher Besuch kommen, wenn dann die ersten Brocken Eisenerz gefördert werden.

Katja Güth

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