Denk wie ein Türke - wenn du in Schweden Erfolg haben willst (Buchumschlag Arenabok)
Tipps für Unternehmer

Türkischer Multimillionär empfiehlt Schweden mehr Pfeffer

„Gute Planer, wer macht die Arbeit?"
4:44 min

Selbständige gelten zwar als wirtschaftlicher Motor, ihre Aussichten sind jedoch wenig rosig. Laut Statistik melden nach zwei Jahren mehr als vier von fünf Firmen Konkurs an, nach fünf Jahren existieren nur noch magere fünf Prozent. Vielen Unternehmern fehlt es an der richtigen Ausrüstung und vor allem der richtigen Einstellung, meint Kadim Akca, Einwanderer aus der Türkei, der es in der Reinigungs- und Immobilienbranche im südschwedischen Värnamo zum Multimillionär gebracht hat. In seinem jüngst erschienenen Buch „Denk wie ein Türke, wenn du in Schweden Erfolg haben willst“ greift er mit vollen Händen in seinen Erfahrungsschatz und will damit eingewanderten und schwedischen Selbständigen gleichermaßen unter die Arme greifen.

„Das Buch bietet allen Unternehmern, egal ob neu dabei oder schon länger im Geschäft, Hilfestellung“, erzählt der 59-Jährige, ein energischer, drahtiger Mann in unauffälliger Jeans und Karohemd. Nur das Schuhwerk deutet auf eine andere Einkommensklasse hin.

„Viele Fehler, die ich gemacht habe, konnte ich beheben. Viele Einwanderer, aber auch Schweden, machen ja so viel falsch! Die machen sich selbständig ohne jede Struktur. Sie haben keine Ahnung von PR und wie sie sich profilieren können. Das können auch Kleinigkeiten sein. Man muss nicht viel Geld für Werbung ausgeben. Man muss aktiv sein, sich mehr unter die Schweden mischen, zuhören, zu Unternehmenstreffen gehen. Diese ganzen großartigen Hilfsmittel sind in Schweden doch gratis!“ 

„Der Job muss dich lieben, nicht du den Job"

Kadim Akca ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Wäre der Ausdruck nicht so abgegriffen: Akca ist tatsächlich ein lebendes Beispiel für den Tellerwäscher, der es zum Millionär gebracht hat. 1969 kam er nach Värnamo – zunächst als Gast. Die Lokalzeitung schrieb sogar einen Artikel über den Türken – eine absolute Sensation in dem kleinen Ort damals. Der junge Akca überwarf sich bald mit seiner Verwandten und landete kurzerhand mit nur 50 Kronen in der Tasche auf einer Parkbank.

Keine Schwedischkenntnisse, kein Job, kein soziales Netz. Doch von diesem Tiefpunkt aus ging es stetig bergan. Ohne jegliche Vorkenntnisse über die Branche gründete Akca sein erstes Reinigungsunternehmen und brachte es durch Energie, Tatkraft und Durchhaltevermögen schnell zu ansehnlichem Erfolg. Sein Tipp an alle Unternehmer und die, die es werden wollen: 

„Einwanderer und Schweden erzählen oft, dass sie einen Job haben wollen, den sie lieben. Ich halte das für völlig verrückt. Der Job soll dich lieben und nicht du den Job! Auch in einer langweiligen Branche kann sich ein Traumjob verbergen. Nimmt man die Reinigungsbranche zum Beispiel: Für viele ist das kein Traumjob, ich empfehle es trotzdem. Wäre ich nur nach dem Traumjob gegangen, hätte ich es nicht weit gebracht.“

Weg vom Schreibtisch, raus zu den Kunden

Mehr als 30 Unternehmen hat Kadim Akca in den vergangenen Jahrzehnten gekauft, umstrukturiert, aufgemöbelt und anschließend mit Gewinn verkauft. Dass er auch heute noch gebrochen Schwedisch spricht und nach eigenen Angaben kaum lesen und schreiben kann, ist für ihn nie ein Hindernis gewesen. Geschrieben hat sein Buch „Denk wie ein Türke – wenn Du in Schweden Erfolg haben willst“ denn auch Antonia Stackelberg. Anderthalb Jahre lang hat die Co-Autorin Kadim Akca begleitet, sogar bis zur Verwandtschaft in die Türkei. 

Akca ist ein Mann der Tat. Was ihm an Geschäftsgebaren in Fleisch und Blut übergegangen ist, fiel erst der Co-Autorin als wertvolle Tipps für alle anderen Unternehmer auf. 

„Die Schweden sind gut im Planen. Sie planen, planen, planen – oder nicht? Aber wer verdammich soll eigentlich die Arbeit machen?“, erzählt Akca und lacht herzlich. „Weniger Planung, geh raus und triff deine Kunden! Dort machst du Geschäfte, nicht im Büro.“ 

Auch auf Experten sollte man entschieden weniger hören und seinem eigenen Urteil vertrauen, rät Akca. Bei der Namensgebung für ein Unternehmen ist es wichtig, nicht seinen eigenen – ausländischen – Namen zu verwenden. 

„Wie toll klingt ein Name wie ‚Ahmeds Computerladen’? Man sollte einen respektierten Namen nehmen wie ‚Vasakronan’ zum Beispiel. So etwas wie ‚Kadims Reinigung’ ist ungünstig, wenn man das Unternehmen verkauft und der Nachfolger das Geschäft in den Ruin treibt. Dann steht mein Name in allen Kreditberichten. Wie erfreulich ist das?“ 

Durch Leistung zu echtem Schweden geworden

Auch wenn wohl die meisten Akca als Einwanderer bezeichnen würden, so tut dies der Unternehmer selbst nicht. Vielmehr sei er durch seine Leistung für das Land ein echter Schwede. 

„Meine Einstellung, mein Antrieb und mein ständiger Blick nach vorn bringe ich von Geburt an mit. Die Struktur dagegen habe ich in Schweden gelernt, das dürfen wir nicht vergessen. Aber den Schweden fehlt es an Wagemut, sie brauchen ein bisschen mehr türkisch Pfeffer.“

Liv Heidbüchel

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