Keine hochfliegenden Erwartungen in Cancún. Foto: Scanpix
UN-Klimagipfel

Zwischen "Hochdruck" und "Tiefdruck" Schweden sieht sich in Vermittlerrolle

Mehr "Tiefdruck" als "Hochdruck"
4:06 min

Auf dem am Montag beginnenden Klimagipfel der Vereinten Nationen im mexikanischen Cancun sieht sich Schweden als Vermittlers und treibende Kraft. Dies erklärte der Leiter der schwedischen Delegation, Anders Turesson, gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Nach dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen vor einem Jahr sind alle Beteiligten bemüht, die Erwartungen diesmal nicht zu hoch zu schrauben.

Der Gipfel in Kopenhagen endete mit einem Fiasko. Die Erwartungen an Cancún sind deshalb weitaus geringer, wie auch Umweltminister Andreas Carlgren einräumt: „Vom Hochdruck, der noch vor Kopenhagen geherrscht hat, sind wir bei den Prognosen jetzt beim Tiefdruck angelangt.“

Bei den Verhandlung im vergangenen Jahr hatte Schweden, dadurch dass es die EU-Ratspräsidentschaft damals innehatte, enormen Einfluss. Was aber auch nicht zu zählbaren Ergebnissen geführt hatte. Jetzt ist die Ausgangslage eine andere, jedoch laut Leiter der schwedischen Delegation, Anders Turesson, nicht unbedingt von Nachteil:

„Wir sind ein wichtiger Akteur in der EU und die EU ist die treibende Kraft in den Klimaverhandlungen, und es ist auch wichtig, dass die EU dies weiter ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass andere Länder Schweden helfen, innerhalb der EU zur treibenden Kraft zu werden. Auβerdem kann Schweden zum Dialog und zur Schaffung von Vertrauen beitragen. Wir haben ja gute Beziehungen zu vielen Entwicklungsländern, die wir natürlich nutzen wollen.“

Hilfe für Entwicklungsländer

Eine wichtige Frage des Klimagipfels wird sein, auf welche Weise den Entwicklungsländern geholfen werden kann. Denn häufig sind es gerade die armen Länder, die vom Klimawechsel hart getroffen werden. In Kopenhagen wurde zwar ein grüner Fonds in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar beschlossen, doch wie der Fonds finanziert werden soll, ist noch unklar.

Beim Naturschutzbund gibt man sich dagegen weniger optimistisch, was die Rolle und den Einfluss Schwedens angeht, aktiv auf eine weltweite Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen zu drängen. Generalsekretär Svante Axelsson glaubt jedoch an die Vorbildfunktion Schwedens bei diesem Thema:

„Es ist extrem wichtig, dass wird dabei an der Spitze liegen, dass wir ein Land mit gutem Wachstum und sozialer Wohlfahrt sind und wir trotzdem viel besser dastehen als wir das müssten. Und diese Botschaft ist vielleicht wichtiger als alles andere, dass es einem Land besser geht, wenn es nicht mehr so stark vom Erdöl abhängig ist. Wenn sich diese Erkenntnis erst einmal verbreitet hat, werden die Delegierten nicht einfach dasitzen und glauben, dass man gewinnt, wenn man so wenig wie möglich macht.“

Temperaturziele

Dennoch glauben die wenigsten Beobachter daran, dass es zu einem globalen Klimaabkommen in Mexiko kommen wird. Für Umweltminister Carlgren wäre schon viel gewonnen, wenn man sich einigen könnte, den Anstieg der Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen:

„Wir möchten, dass dies mit in die Verhandlungen einfließt und bestätigt wird. Dann erreichen wir mehr Deutlichkeit und mehr bindende Zusagen. Die Ambitionen sind immer noch viel zu niedrig. Was eine Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgase angeht, glaube ich, dass noch weitere Schritte notwendig sind, bis wir ein Abkommen haben.“

Das Fiasko von Kopenhagen habe jedoch gezeigt, dass man die Verantwortung nicht länger allein bei den Politikern lassen kann, meint Svante Axelsson: „Viele Unternehmen und Stadtverwaltungen habe strenge Klimaziele. Die EU hat die so genannte Eco Efficient Economy als Konkurrenzmittel gegenüber China, Indien und den USA initiiert. Wenn diese Strategie wirklich umgesetzt wird, und wir eine sehr energieeffektive Gesellschaft haben, stehen wir sehr viel besser da, wenn die Energie- und Ölpreise mit der Zeit steigen. Diese kommerzielle Sichtweise der Klimafrage wird die beste Wirkung erzielen.“

15.000 Delegierte werden noch bis zum 10. Dezember in Mexiko verhandeln. Niemand rechnet damit, dass ein globales Klimaabkommen erzielt wird, um das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu ersetzen. Die Initiative wird dagegen lokalen Akteuren überlassen, wobei sich Schweden als Vorbild hervortun will.

Dieter Weiand

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".