Hat ein Auge auf Banken: Finanzminister Anders Borg. Foto: Scanpix
Konjunktur brummt

Borg warnt vor Übermut

Finanzminister warnt vor Wachstumsblase
2:15 min

Vor dem Hintergrund eines starken Wirtschaftswachstums warnt Finanzminister Anders Borg vor allzu großer Überheblichkeit. Borg wies in einem Interview mit dem Schwedischen Rundfunk am Dienstag darauf hin, dass die Banken den Kreditmarkt stark anwachsen lassen. Dadurch bestehe die Gefahr einer Wachstumsblase, die in ein paar Jahren platzen könne.

Mit einem Wirtschaftswachstum im dritten Quartal dieses Jahres um sagenhafte 6,9 Prozent hat sich Schweden an die europäische Spitze gestellt. Das Wachstum für das gesamte Jahr wird auf 5 Prozent geschätzt. Im Prinzip für den Finanzminister Grund zur Freude. Doch Anders Borg hebt einen warnenden Zeigefinger in Richtung Banken.

„Länder wie Irland und Island, die nach und nach große Schwierigkeiten bekommen haben, litten an Hybris. Man hat völlig die Kontrolle über Banken- und Immobiliensektor verloren. Natürlich müssen wir funktionierende Banken haben, aber wenn es zu weit geht, ist die wirtschaftliche Stabilität in Gefahr. Deshalb gibt es nun allen Grund vor wirtschaftspolitischen Beschlüssen zu warnen, zu denen wir in den kommenden Jahren gezwungen sein werden."

Hauptproblem ist Finanzminister Borg zufolge, dass die Vermögenswerte des schwedischen Bankensystems das Bruttoinlandsprodukt schon heute um das Dreieinhalbfache übersteigen. Den wirtschaftlichen Kollaps erlitten Island und Irland, als die Bankensysteme sich auf das Fünffache des BIP beliefen. Um frühzeitig gegenzusteuern, schlägt Borg höhere Abgaben in den Stabilitätsfonds der Banken vor. Außerdem seien weitere Anhebungen des Leitzinses durch die Reichsbank erwartbar. Dies sei ein sicheres Mittel, um den überhitzten Immobilienmarkt abzukühlen.

Kein Grund zur Panik

Auch die Finanzaufsicht warnte bereits vor einiger Zeit vor einer Immobilienblase. Seit Oktober dürfen Banken nur noch Darlehen in Höhe von 85 Prozent des Kaufpreises geben. Die verbleibenden 15 Prozent sollen nach Möglichkeit durch Eigenkapital aufgebracht werden - oder werden mit einem deutlich höheren Zinssatz belastet.

Finanzminister Anders Borg ist bekannt für sein vorsichtiges Haushalten und sein Umschiffen von Risiken. So betonte er im Schwedischen Rundfunk, dass es derzeit noch keinen Anlass zur Beunruhigung gäbe.

„Die Augenblicksaufnahmen der Finanzaufsicht, der Reichsbank und von uns sind korrekt. Ich mache mir keine Sorgen über die jetzige Situation. Doch ich befürchte, dass es in ein, zwei, drei Jahren sehr unangenehm werden kann, wenn wir nicht einschreiten."

Liv Heidbüchel

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