Wurde Präsident Bush vor seinem Besuch als "besser geeignet als sein Vorgänger" angekündigt: Ministerpräsident Reinfeldt
Wikileaks-Enthüllungen

USA sieht Schweden als „starken Partner“

Diplomat: Geheimdienst hilft im Kampf gegen Terror
3:17 min

Das bündnisfreie Schweden soll eine engere Zusammenarbeit mit der Nato gepflegt haben als Politiker hierzulande vorgeben. Dies ist die Interpretation der amerikanischen Botschaft in Stockholm, wie aus jüngst von Wikileaks veröffentlichten Berichten an Washington hervorgeht. Die geheimen Dokumente belegen weiter, dass es regen Austausch zwischen Verteidigungsminister Sten Tolgfors und den Amerikanern gegeben hat.

672 chiffrierte Telegramme hat die amerikanische Botschaft im Frühjahr 2007 in die USA geschickt. Eins davon ist besonders brisant, fand die Zeitung Svenska Dagbladet, die sich durch die Wikileaks-Dokumente gearbeitet hat. Darin stimmt Diplomat Michael Wood den Präsidenten auf den ersten Besuch von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt ein: Der Konservative sei als Führungskraft „besser dazu geeignet, mit den USA zusammenzuarbeiten, als sein Vorgänger“, also der Sozialdemokrat Göran Persson. 

Die Telegramme sprechen von einer engen Zusammenarbeit zwischen dem bündnisfreien Schweden und der größten Militärmacht der Welt. Diplomat Wood zufolge gehöre Schweden zwar nicht zu den Nato-Alliierten, sei in der Praxis jedoch ein „pragmatischer und starker Partner“. So habe Verteidigungsminister Sten Tolgfors seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, dass es leicht sei, politische Unterstützung für die militärische Teilnahme an Nato-geführten Einsätzen zu bekommen. Schwieriger sei es dagegen, einen Nato-Beitritt voranzutreiben.

Nato-geführte Einsätze nichts Neues

Dies ist auch einer größeren schwedischen Öffentlichkeit bekannt. Dass sich Schweden an unterschiedlichen Militäreinsätzen unter der Schirmherrschaft der Nato beteiligt hat, etwa im Kosovo während der 1990er Jahre, und dies auch aktuell in Afghanistan tut, ist nie ein Geheimnis gewesen. Auch mit der Leitung der 1.500 Mann starken EU-Truppe Nordic Battle Group hat sich Schweden stets stolz gebrüstet. 

Der Vorsitzende der Linkspartei, Lars Ohly, gab sich im Schwedischen Rundfunk vor dem Hintergrund der jüngsten Wikileaks-Enthüllungen dennoch empört. 

„Wir sind schon länger kritisch gegenüber der Tatsache, dass Schwedens Bündnisfreiheit ausgehöhlt wird und die schwedische Sicherheitspolitik ohne öffentliche Debatte umgewandelt wird. Es ist überaus bemerkenswert, dass man Diskussionen mit ausländischen Botschaften führt, aber nicht mit der schwedischen Bevölkerung.“ 

Ebenfalls kein Geheimnis sind die Unstimmigkeiten innerhalb der bürgerlichen Allianz beim Thema Schweden und die Nato. Während die Liberalen einen Beitritt zum Bündnis befürworten, haben die drei anderen Koalitonspartner nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie – zumindest vorerst - an der Bündnisfreiheit festhalten wollen.

Schwedischer Geheimdienst Informationsquelle?

Weitaus unangenehmer für Schwedens politische Spitze dürften da schon Bemerkungen seitens der amerikanischen Botschaft sein, die sich auf die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Geheimdienst beziehen. Demnach sei dieser eine wichtige Quelle für die Einsicht der USA in Russlands innere militärische Verhältnisse. Eine ähnlich wichtige Rolle spiele der schwedische Geheimdienst für den Informationsfluss über das Atomprogramm des Iran. Die gemeinschaftliche Arbeit gegen den Terrorismus sei derart geheim, so Diplomat Michael Wood in einem der Telegramme, dass Präsident Bush Schwedens Ministerpräsident nur unter vier Augen loben dürfe. 

Verteidigungsminister Tolgfors reagierte in einer schriftlichen Stellungnahme gelassen auf die öffentlich gemachte Diplomatenkorrespondenz. Es gäbe keinerlei Anlass, den Inhalt der Berichte zu rezensieren. Die Informationen seien nicht Aufsehen erregend.

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".