Selbstmordanschlag im Weihnachtsgeschäft

Aktualisiert 13:40

Zwei kurz aufeinander folgende Detonationen erschütterten am späten Samstagnachmittag mitten im vorweihnachtlichen Einkaufstrubel die Stockholmer Einkaufsstraβe Drottninggatan. Dabei kam ein mutmaβlicher Selbstmordattentäer ums Leben, zwei Passanten wurden leicht verletzt. Die Sicherheitspolizei hat die Ermittlungen übernommen und rubriziert den Fall als Terroranschlag.

Kurz vor 17 Uhr explodierte in der Stockholmer Innenstadt zunächst ein parkender Personenwagen. Dabei wurden zwei Passanten leicht verletzt. Einige Minuten später erschütterte eine zweite Explosion in der Nähe des ersten Explosionsortes die Fuβgängerzone Drottninggatan. Die herbeigerufene Polizei fand wenige Meter von der Einkaufsstraße auf der kreuzenden Bryggaregatan einen leblosen, schwer blutenden Mann auf der Erde liegend vor, neben ihm ein Rucksack. Der Mann wurde zugedeckt, und aus Vorsicht vor möglichen weiteren Explosionen zog man ein Sprengstoffroboter hinzu. Das Ergebnis der Untersuchungen ist bislang nicht offiziell bekannt. Die Boulevardzeitung Aftonbladet meldet, der Rucksack habe Nägel enthalten. Auch habe der Attentäter insgesamt sechs Rohrbomben bei sich getragen, von denen jedoch lediglich eine detoniert sei.

Warnung per e-Mail

Bei der Nachrichtenagentur TT war etwa zehn Minuten vor der ersten Explosion eine e-Mail eingegangen, deren Absender sich an „Schweden und das schwedische Volk“ wandte und unter Hinweis auf die Mohammedkarikatur des Künstlers Lars Wilks, die den Propheten als Hund dargestellt, sowie unter Hinweis auf Schwedens Teilnahme am internationalen Truppeneinsatz in Afghanistan, ankündigte „nun werden Eure Kinder, Töchter und Schwestern sterben, so wie unsere Brüder, Schwestern und Kinder.“

Möglicherweise vorzeitig explodiert

Die Ermittler sind sehr zurückhaltend in ihren Kommentaren. Bislang ist die Identität des mutmaβlichen Täters nicht bestätigt, ebenso wenig, ob die beiden Detonationen in Zusammenhang stehen und ob der Mann den Behörden bekannt war. Konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag hätten im Vorfeld nicht vorgelegen, betonte die Sicherheitspolizei. Auf einer Pressekonferenz deutete Chefstaatsanwalt Thomas Lindstrand an, es sei möglich, dass die Explosion eintraf, bevor der Mann den eigentlich geplanten Attentatsort erreicht hatte.

Auβenminister „beunruhigt“

Auβenminister Carl Bildt nannte das Eingetroffene in der Nacht per Twitter einen „äuβerst beunruhigenden Versuch eines Terroranschlages in einem Teil von Stockholm, an dem viele Menschen versammelt sind. Ein fehlgeschlagener Versuch, der, wäre er gelungen, katastrophale Folgen hätte haben können.“

Luise Steinberger