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Reinfeldt will mehr Vollzeit-Jobs für Frauen

2:35 min

Wenn es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau geht, lässt sich Schweden von keinem Land der Welt übertreffen. Schon die Zahl von elf Ministerinnen im bürgerlichen Kabinett mit seinen 24 Ressorts zeigt, dass es auch die politische Führung mit der Gleichstellung der Geschlechter ernst meint. Nun hat Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt in der Diskussion über die Rolle der schwedischen Frauen einen neuen Akzent gesetzt.

Die Leserinnen der größten Tageszeitung des Landes, Dagens Nyheter, mögen zunächst erschrocken sein, als sie die Überschrift zu einem Exklusiv-Interview mit dem Regierungschef lasen. Da stand nämlich:

‚Neue Vorschläge sollen mehr Frauen dazu bringen, ganztags zu arbeiten’.

Wie bitte?, wird manche Ehefrau, Mutter und Teilzeitbeschäftigte gedacht haben. Kinder, Haushalt  u n d  Vollbeschäftigung, wie soll das funktionieren?

Zur Lösung genau dieses Problems will Reinfeldt einen neuen Weg beschreiten. Den beschreibt er so: „Wir müssen ein Berufsleben schaffen, bei dem wir Frauen ermuntern können, mehr zu arbeiten und auch Karriere zu machen. Dazu müssen wir eine Gesellschaftsform finden, in der wir Frauen von ihren traditionellen Aufgaben entlasten. Es reicht einfach nicht, wenn Großeltern oder mancher auf Gleichberechtigung bedachte Mann einen Teil der Verantwortung übernehmen.“

Im Klartext heißt das nach den Vorstellungen des Regierungschefs, dass Frauen mehr als bisher von Haushaltsführung und Kinderbetreuung befreit werden, damit sie sich ihrem Beruf widmen können. Diese Idee hat die bürgerliche Koalition zum Teil schon verwirklicht: Elternpaare, die sich den gesetzlichen Kinderbetreuungsurlaub teilen, haben Anspruch auf zusätzliche Steuererleichterungen.

Aber Fredrik Reinfeldt will viel weitergehen. Er meint, dass mit der altmodischen Ansicht Schluss sein muss, Frauen sollten sich zu Hause  abrackern, putzen, Wäsche waschen, Plätzchen backen und ja nicht versäumen, die Kinder zum Training zu bringen. Das Schlimme sei, so Reinfeldt, dass viele Frauen selbst an diese Rolle glaubten und sich schuldig fühlten, wenn sie sich davon befreien wollten.

Und er betont: „In der heutigen Zeit ist diese Rolle unmenschlich. Davon wegzukommen, erfordert mehr Möglichkeiten für Frauen, solche Pflichten an Hilfskräfte zu delegieren, um eigenes Potenzial freizumachen.“ Der Regierungschef verweist darauf, dass zurzeit fast 770.000 Frauen teilzeitbeschäftigt sind – mehr als doppelt so viele wie Männer. Das ist ungerecht, sagt Reinfeldt, schon deshalb, weil diese Frauen nicht die Chance haben, beruflich auf eigenen Beinen zu stehen  und weil sie später weniger Rente bekommen werden.

All das soll sich nach Reinfeldts Willen ändern, indem Frauen auf ein ständig wachsendes Service-Angebot zugreifen können, um sich damit die Freiheit zur beruflichen Selbstverwirklichung zu erkaufen. Und von ihrem höheren Einkommen werden sie guten Gewissens die Hilfskräfte entlohnen können‚ die künftig für sie ‚Das bisschen Haushalt’ erledigen.   

Klaus Heilbronner