Kindesmissbrauch

Bericht: Sexuelle Übergriffe großes Problem

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In Schweden herrscht eine gravierende Unkenntnis über die Verbreitung von sexuellen Übergriffen auf Kinder. Dies geht aus einem Bericht im Auftrag der Regierung hervor. Demnach geben 7 bis 14 Prozent der Mädchen verschiedener Altersgruppen an, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Bei den Jungen sind 3 bis 6 Prozent der unter 18-Jährigen sexuell missbraucht worden. Der Bericht soll vor allem Antwort auf die Frage geben, mit welchen Methoden sich sexuelle Übergriffe vermeiden lassen.

Nur jeder neunte Fall von sexuellen Übergriffen wird überhaupt der Polizei gemeldet. Auf diesen Zahlen fußt der umfassende Bericht, der nun in Schweden für Schlagzeilen sorgt. Demnach ist die sexuelle Gewalt an Minderjährigen verbreiteter als bisher befürchtet. Die Gutachter selbst bezeichnen die Ergebnisse als alarmierend. Über das gesamte Ausmaß kann nur gemutmaßt werden.

Vor einem Jahr gab die Regierung den Bericht in Auftrag, um sich einen Überblick über die Wirkungskraft verschiedener Behandlungsmethoden von Sexualstraftätern zu verschaffen. Nach der Durchsicht der schwedischen Zahlen kommt Gutachter Måns Rosén zu dem Schluss, dass nur eine internationale Forschung sichere Aussagen über vorbeugende Maßnahmen von Kindesmissbrauch zulässt. 

„Für ein Land wie Schweden allein ist diese Art von Forschung schwierig. Wir haben einfach nicht genügend Fälle, anhand derer wir untersuchen können, welche Effekte verschiedene Maßnahmen haben. Deshalb halten wir es für sinnvoll, mit Forschern anderer Länder zusammen zu arbeiten, um stichhaltige Aussagen über die Qualität von Maßnahmen machen zu können.“ 

Täterprofil: Erwachsener Mann aus nächstem Umfeld 

Selbst wenn es durchaus vorkommt, dass auch Minderjährige sich an Gleichaltrigen oder Jüngeren vergreifen, so ist der gewöhnliche Täter nach wie vor ein erwachsener Mann, betont Rosén. Das Bild vom Fremden, der um Spielplätze herum seinen Opfern auflauert, muss allerdings dringend revidiert werden, so der Gutachter. In der überwiegenden Zahl der Übergriffe handelt es sich beim Täter um einen Mann aus dem nächsten Umfeld des Kindes oder Jugendlichen. 

Die verschiedenen medizinischen und psychologischen Maßnahmen zur Risikominderung sexueller Übergriffe sind durchaus effektiv, so die Forscher. Leider sind sie vornehmlich auf die deutlich kleinere Tätergruppe ausgerichtet, nämlich die Minderjährigen, räumt Måns Rosén ein. 

„Was das häufigste Täterprofil angeht, nämlich den erwachsenen Mann, ist das wissenschaftliche Material zu klein und daher nicht aussagekräftig genug. Hier wissen wir also nicht, welche Methode vielversprechend ist und funktioniert. Wir müssen also auf eine internationale Studie hoffen, die Klarheit bringt.“

Liv Heidbüchel/ Olgica Lindquist

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