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Raumfahrt zum Anfassen (Foto: Anna Gerdén/Tekniska Museet)
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Nachbildung des Lunar Rover (Foto: Anna Gerdén/Tekniska Museet)
Raumfahrt

Weltpremiere für NASA-Ausstellung in Stockholm

Weltpremiere für NASA-Ausstellung in Stockholm
6:05 min

Das Technische Museum in Stockholm hat am Freitag die erste Weltpremiere seiner Geschichte gefeiert. Unter dem Titel „NASA – A Human Adventure“ zeigt die Wanderausstellung der Luft- und Raumfahrtbehörde rund 250 Gegenstände – darunter Originale aus dem All sowie Nachbauten von Raumkapseln oder dem Lunar Rover in Originalgröße.

Über eine Rampe - der Gangway zum Raumschiff nachempfunden - betritt der Besucher die 2000 Quadratmeter große Ausstellung. Drei Hallen hat das Technische Museum dafür bereitgestellt, eine davon kommt seit 1936 zum ersten Mal zur Anwendung. Nun ist Platz für Raumschiffe, Motoren, Satelliten, Fallschirme und etliche Vitrinen mit den ersten Laptops, Raumanzügen aus mehreren Jahrzehnten und Weltraumkost. 

„Die Ausstellung beschreibt zum einen die historische Perspektive“, erklärt Museumschefin Ann Follin, die stolz darauf ist, die Ausstellung anderen europäischen Hauptstädten weggeschnappt zu haben. „Es geht bei denen los, die wie etwa Jules Vernes vom All geträumt haben, und kommt dann zu jenen, die es tatsächlich in den Weltraum geschafft haben. Der Wettlauf ums All zwischen den USA und Russland war wirklich ein Thriller. Die Ausstellung zeigt aber auch die Arbeit des Teams drum herum. Die Astronauten stehen ja meist im Mittelpunkt, aber um den Start von Apollo zu ermöglichen, arbeiteten nicht weniger als 400.000 Menschen an dem Mondfahrt-Projekt.“

Wettlauf der Supermächte um den Weltraum

Der Wettlauf ums All zwischen den USA und der Sowjetunion nimmt viel Platz in der Ausstellung ein. Die weltberühmte „Man on the Moon“-Rede John F. Kennedys vom 25. Mai 1961 darf da nicht fehlen. Einen Monat zuvor hatte der Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mann im All die Erde in 108 Minuten umrundet – und die amerikanischen Ambitionen, zum Mond zu fliegen, erst richtig angefacht. Fast genau 50 Jahre ist es nun her, seit Gagarin und die Raumfahrt Geschichte schrieben, und so gibt es denn auch einen Raum, der das amerikanische und das russische Raumfahrtprogramm nebeneinander zeigt – mit einer Sputnik-Nachbildung und allerlei Souvenirs. 

Kurator der Ausstellung ist der Portugiese José Araujo. Glühend vor Eifer führt er eine Schulklasse vor der offiziellen Eröffnung durch die Hallen. Alle späteren Besucher müssen sich mit einem Audio Guide begnügen. Die Idee zu diesem Griff nach den Sternen kam Araujo in Schweden – ausgerechnet in einer taghellen, nordschwedischen Sommernacht. 

„Wir planten eine Star-Wars-Ausstellung in Örnsköldsvik, aber weil mir schnell langweilig wird, hielt ich nach neuen Herausforderungen Ausschau. Wir wollten etwas Einzigartiges schaffen, was noch nie jemand zuvor getan hat – und nun stehen wir hier. Die Ausstellung ist ein Weg ins All, ohne die Erde verlassen zu müssen.“

Die NASA stimmte dem Riesenprojekt zu und damit auch einer goldenen Gelegenheit, ihre eigene Arbeit in Europa zu vermarkten. Nach Stockholm wird die Wanderausstellung mindestens zehn Jahre lang durch den Kontinent touren, nächster Halt ist entweder Paris oder Madrid. 

„Wir sind sehr stolz", erzählt Kurator Araujo, der mit seiner Firma das Konzept der Ausstellung erarbeitet hat, „denn die NASA hat zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1958 eine nicht-amerikanische Firma bei so einem Unterfangen unterstützt. Fokus der Ausstellung ist der menschliche Aspekt hinter dem Ganzen. Wir zeigen natürlich die ganzen coolen Gegenstände, aber die menschliche Dimension darf nicht fehlen.“

„Menschlicher Geist strebt nach Höherem"

Wohl gerade deshalb hat sich die NASA überhaupt auf dieses Projekt eingelassen. Deborah Rivera, Managerin für strategische Beziehungen bei der Raumfahrtbehörde, ist wichtig, dass die Vergangenheit der NASA erzählt wird, aber auch, wohin es in der Zukunft geht. Und dass die Besucher dadurch ein Bild von der Organisation bekommen, die wie wenige andere, so meint Rivera, Träume, Visionen, aber auch das Wissen bündelt, um die Menschheit weiter voran zu bringen. 

„Ausdauer macht das Rennen, nicht wahr? Die Reise ist nicht immer leicht. Es gibt Fallgruben, Risiken, Fehlschläge. Hätten wir uns davon stoppen lassen, wären wir nicht so weit gekommen. Der menschliche Geist strebt immer weiter nach Höherem und will das Unbekannte erforschen. Die Ausdauer beim Entdecken treibt uns an, unsere Ziele zu erreichen.“ 

Seit 28 Jahren arbeitet Rivera bei der NASA. Geplant waren einige wenige Jahre, doch der Arbeitsplatz war einfach zu interessant: Unternehmergeist, Zielstrebigkeit und durch die Bank intelligente Kollegen, für die der Blick über den Tellerrand normal ist. Trotzdem steht Rivera auch jetzt noch mit derselben Begeisterung vor den rund 250 Artefakten der Ausstellung im Technischen Museum. 

„Viele der Gegenstände habe ich im Laufe meiner Jahre bei der NASA natürlich schon einmal gesehen. Aber den riesigen, orange-weißen Fallschirm von der Decke hängen zu sehen, ist faszinierend und war auch für mich das erste Mal. Dieser Fallschirm bedeutet Sicherheit für unsere Astronauten, damit sie wieder zurück zur Erde kommen und uns ihre Erfahrungen mitteilen können. Er beschreibt am besten dieses ‚menschliche Abenteuer’.“ 

Die Ausstellung „NASA - A Human Adventure“ läuft bis zum 6. November. Das Technische Museum hat täglich von 10–18 Uhr geöffnet, mittwochs von 10-20 Uhr. Den Audio Guide, der durch die Ausstellung führt, gibt es auch auf Deutsch.

Liv Heidbüchel

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