Einer der Stars der Nationalelf mit einem Namen, der Bände spricht: Caroline Seger ("Sieg") (Foto: Anders Wiklund/Scanpix)
FIFA-Frauen-Fußball-WM 2011

Schwedens Fußballbund träumt vom Sommermärchen

Fußballbund hofft auf Sommermärchen-Effekt
5:39 min

Für die Frauen-Fußball-WM in Deutschland vom 26. Juni bis 17. Juli plant der Schwedische Fußballbund sein eigenes Sommermärchen 2011. 1000 schwedische Fans sollen zu den Spielen der Damenelf reisen und für blau-gelbe Stimmung sorgen. Während die deutschen Tourismuszentralen anlässlich des Großevents ihr Budget verdoppelt bekommen haben, ist der Schwedische Fußballbund auf Kreativität angewiesen.

„Vi är tjejer vi är bäst“, „Wir sind Mädels, wir sind die Besten“, lautete der Song, der mit Spielerin Pia Sundhage am Mikrophon dem Frauenfußball schon 1987 zu neuen Höhenflügen verhelfen sollte. Lundhage ist seit einigen Jahren Trainerin der amerikanischen Nationalmannschaft. Andere bekannte Größen sind Victoria Sandell Svensson, Hanna Ljungberg und Caroline Seger. Doch auch wenn es so manche schwedische Fußballerin von Rang und Namen gibt, führt der Damenfußball auch hierzulande immer noch ein Schattendasein. Damit soll es nun wirklich ein Ende haben, und die Chancen dafür stehen in diesem Jahr einmalig günstig, betont Göran Havik, Projektleiter beim Schwedischen Fußballbund gegenüber Radio Schweden. 

„Das mediale Interesse für die WM in Deutschland wird enorm sein und damit auch für unsere Spielerinnen, die dadurch ihren persönlichen Bekanntheitsgrad erhöhen können. Das Ganze geht jedoch Hand in Hand mit dem sportlichen Erfolg. Wenn es im Sommer gut für die Damen läuft, steigt das Interesse und dann werden wir auch richtige Stars bekommen.“ 

Wenn die Mannschaft bei der WM auf Platz Eins oder Zwei landet, ist auch die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in London nächstes Jahr gesichert. 2013 dann steigt die EM in Schweden – vor vollen Tribünen, schwebt dem Fußballbund vor. Die schwedischen Damen treffen in Gruppe D zunächst auf Kolumbien, Austragungsort ist Leverkusen. Danach geht es gegen Nordkorea weiter nach Augsburg und schließlich gegen die USA nach Wolfsburg. 

Dass die WM gerade in der Fußballnation Deutschland stattfindet, ist laut Projektleiter Havik ideal. „Alle Schweden erinnern sich noch gut an die WM 2006, insbesondere an das Spiel Schweden-Paraguay in Berlin. Deutschland ist zum einen nah und außerdem einigermaßen günstig. Dazu diese Erinnerungen an das Sommermärchen in Kombination mit der Tatsache, dass auch diese WM eine sehr gute Veranstaltung wird. Hätte die WM in China, Kanada oder irgendwo in Afrika stattgefunden, würden keine Schweden dorthin fahren, weil es zu weit weg und zu teuer wäre.“ 

„Unkonventionelle Zusammenarbeit“ 

Besonders die Vereine, die Mädchen- und Damenfußball im Programm haben, will der Fußballbund zu einer Reise ins WM-Land animieren, aber auch Familien mit Fußball spielenden Mädchen stehen im Fokus. Während sich die Tickets für ein Herrenturnier wie von selbst verkaufen, setzen die Damen auf die Hilfe der deutschen Tourismusinformationen, der Reiseveranstalter sowie der verschiedenen Organisationen des Damenfußballs. 

„Wir arbeiten außerdem mit dem Fanclub der Nationalmannschaft zusammen, der sich normalerweise um die Herrenturniere kümmert, aber jetzt versucht, Aktivitäten in den Städten zu organisieren, in denen Schweden spielen wird. Fan-Treffpunkte sollen dafür sorgen, dass die WM ein starkes Gemeinschaftserlebnis wird. Es geht aber nicht nur darum, so viele Schweden wie möglich zu den Spielen nach Deutschland zu locken, sondern auch darum, mehr schwedische Fußballinteressierte für Spiele in Schweden zu begeistern. Hauptzielgruppe sind da natürlich die Vereine.“ 

Dort reagiert man Havik zufolge mit regem Interesse. Viele wollen die Gelegenheit nutzen, gegen lokale Clubs zu spielen und so die Reise zu den Spielen der Nationalmannschaft mit eigenen Aktivitäten attraktiver zu machen. 

Der Schwedische Fußballbund will die WM auch nutzen, um als Gastgeber 2013 perfekt vorbereitet zu sein. Die Erfahrungen des deutschen Veranstaltungskomitees werde man wissbegierig aufnehmen und versuchen, sie auf heimischem Boden umzusetzen, verspricht der Projektleiter. Durch die nun geknüpften Kontakte hofft Havik, dass 2013 viele deutsche Fußballfans die Reise gen Norden antreten und die Stadien füllen. Austragungsorte sind Halmstad, Kalmar, Göteborg, Linköping, Norrköping, Växjö und natürlich Solna bei Stockholm mit Platz für 50.000 Zuschauer.

Wirtschaftliche Bedeutung des Sports noch unerkannt 

Von schwedischer Regierungsseite her ist das Interesse an großen Fußballveranstaltungen bisher eher mau, kritisiert Havik vorsichtig. Dass Sportevents ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind, sei auf der höchsten politischen Ebene noch nicht verstanden worden. Nun hofft Havik auf Anregung durch die WM in Deutschland, wo den Tourismusinformationen mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden, um das sportliche Großereignis besser vermarkten zu können. Bis es auch in Schweden soweit ist, steckt sich der Fußballbund eigene hohe Ziele. 

„Wenn wir es schaffen, 1.000 Fans zum ersten Spiel am 28. Juni gegen Kolumbien zu bringen, dann schlägt das alle Rekorde“, so Havik. „So viele Schweden haben nämlich noch nie eine Frauennationalmannschaft bei einem Auswärtsspiel angefeuert. Schaffen wir das, kommen sicherlich noch mehr Zuschauer zu den anderen Spielen.“

Liv Heidbüchel

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