Überfüllte Container, ein häufiger Anblick für Bürger, die ihre sortierten Abfälle abgeben möchten. Hier: Visby auf Gotland Foto: Mika Koskelainen/SR Gotland
Entsorgung und Recycling

Müllverwertung funktioniert schlecht

Probleme bei der Abfallbeseitigung
5:49 min

Schwedens Städte und Gemeinden sind unzufrieden mit den Systemen zur Entsorgung von Hausmüll. Fast zwei Drittel aller recyclebaren Abfälle landet in der kommunalen Mülltonne und somit in der Müllverbrennung. Die nach dem Verursacherprinzip von einem Verband der Industrie organisierten Abfallsammelstellen werden von der Bevölkerung nicht ausreichend angenommen. Nun fordern die Gemeinden eine Änderung der Abfallverordnung.

„Man ist wohl etwas faul, es ist umständlich, wenn man zum Beispiel ein Stück alt gewordenes Fleisch hat, dann muss man die Plastikfolie in einen Behälter tun, das Fleisch selbst in einen andern, man macht sich die Finger schmutzig“, erzählt ein Mann an einer Sammelstelle. Eine junge Frau fügt hinzu: „Die Regeln, was wohin sortiert werden muss, sind unübersichtlich“. Zusätzlich muss der Bürger mit einem Großteil der sortierten Abfälle zur Sammelstelle fahren, um sie je für sich in die verschiedenen Behälter zu geben: Zeitungen, Wellpappe und Karton, weicher Kunststoff, Hartplastik, Metall, Batterien, farbiges Altglas, durchsichtiges Altglas. Nicht zu vergessen der Sondermüll, Umweltglühbirnen zum Beispiel, die an anderen, und zwar kommunalen Sammelstellen abgegeben werden müssen.

Unübersichtliche Regeln

In manchen Gemeinden kommt dann noch hinzu, dass Essensreste auch nicht in den Restmüll kommen, sondern in jedem Haushalt in einer Biotonne gesammelt und gesondert abgefahren werden. Bei diesen Anforderungen wundert es wenig, dass viele Bürger streiken und ganz einfach alles in die Mülltonne werfen. Als die Stadt Västerås kürzlich Stichproben der Haushaltsabfälle aus Restmülltonnen untersuchte, zeigte sich, dass über 70 Prozent des Materials, das in die örtliche Müllverbrennungsanlage wandert, eigentlich recyclebar wäre, erklärt Anna Bolt vom Umweltamt in Västerås: „Weicher und harter Kunststoff, Brot, noch in seiner Tüte, alles mögliche lag in den Tüten. Dass die Leute den Müll nicht trennen, liegt sicher zum Teil an Unkenntnis, aber auch daran, dass sie sich außerstande sehen, alle Vorschriften zu befolgen.“

Überfüllte Container

Auch schlecht gewartete Sammelstellen sind ein Problem. Häufig trifft der sortierwillige Bürger mit seinem voll beladenen Auto auf bereits übervolle Behälter. Es bleibt allein, mit dem Müll den Heimweg anzutreten, denn wer seine Abfälle neben die Behälter stellt, wird mit Bußgeld belangt. Die Situation sei vielerorts katastrophal, sagt Weyne Winquist vom Verband der kommunalen Abfallunternehmen. „Wir bekommen viele Klagen und vielfach hat es dazu geführt, dass Wohnungsgesellschaften und Kommunen eigene Mülleinsammlungen organisieren, weil man findet, man muss den Bürgern einen besseren Service bieten. Aber dadurch entstehen doppelte Systeme und damit ist ja der Grundgedanke, dass die Unternehmen, die den Abfall verursachen, ihn auch beseitigen sollen, untergraben.“ Der von der Industrie nach Einführung der Verursacherverantwortung eigens zur Müllbeseitigung gegründete Recyclingverband FTI räumt ein, dass die Sammelstellen mancherorts Mängel aufweisen, die man umgehend beseitigen will. Grundsätzlich hält man die Kritik der Städte und Gemeinden für eine Prestigefrage: „Die Einführung des Verursacherprinzips und die Gründung des Recyclingverbandes FTI hat dazu geführt, dass ein Teil des bisher kommunalen Bereichs in private Hände überging. Das ist für viele Kommunen ein sehr heikles Thema und ich denke, daher rührt in Vielem die Kritik“, sagt der Geschäftsführer von FTI, Kent Karlsson.

Biogas-Herstellung zu teuer

Tatsächlich ist fraglich, ob alle Probleme gelöst wären, würde die gesamte Müll-Verantwortung den Kommunen übertragen. Denn in einem Bereich ist dies bereits der Fall: bei den Essensresten. 35 Prozent aller Lebensmittelabfälle sollen in Biotonnen eingesammelt und zu Biogas verwandelt werden, so sah es das vom Reichstag beschlossene Ziel für 2010 vor. Erreicht wurde eine Sammelquote von 20 Prozent. Ein Armutszeugnis, meint der Vorsitzende des Naturschutzverbandes, Svante Axelsson: „Das Ambitionsniveau ist ja schon sehr niedrig: 35 Prozent. Und noch nicht einmal dies wurde erreicht. Wir stehen vor einer enormen Herausforderung, es muss doch möglich sein, Essensreste besser zu verwerten, als sie zu verbrennen.“ Umweltminister Andreas Carlgren hat die Parole Biogas ausgegeben. Lebensmittelreste sollen als Treibstoffe unter anderem für Autos verwendet werden können. Doch viele Kommunen, insbesondere in dünn besiedelten Gegenden, halten das für nicht machbar. So etwa der kleine Ort Säter in Dalarna. Abbe Ronsten ist Bürgermeister: „Der Nutzen für uns ist gemessen an den Kosten, die unserer Gemeinde durch die Ausgabe von Biotonnen und die gesonderte Einsammlung entstehen, unzureichend“, erklärt Ronsten. Man habe ja zum Beispiel keine Biogasanlage in der Nähe.

Umweltminister offen für Veränderung

Umweltminister Carlgren steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er sieht die Möglichkeiten – Biogasnutzung, Wiederverwertung von endlichen Ressourcen, er findet, man hat sich doch von Politikerseite Gedanken gemacht, Systeme entwickelt, die in der Theorie gut erschienen. „Im Grunde finde ich, wir haben gute Systeme. Aber wir sind bereit, alle Einwände zu berücksichtigen und falls nötig, neue Lösungen zu finden.“

Luise Steinberger

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