Sabotageziel? (Foto: Anders Wiklund/Scanpix)
Telekom und Internet:

Zahlreiche Kabel ungeschützt

Ungeschützte Kabel
3:24 min

Zahlreiche Telefon- und Internetkabel sind in Schweden ungeschützt und für jedermann zugänglich über der Erde verlegt. Das macht Schwedens IT-Systeme höchst anfällig für Sabotageaktionen. So brach am vergangenen Wochenende in Teilen Nordschwedens das Mobiltelefonnetz komplett zusammen, nachdem ein Kabel beschädigt worden war. Trotz der offenkundigen Gefahren sind neue Regeln für die Verlegung von Kabeln aber nicht aktuell.

Der vielfach harte, felsige Boden ist ein wichtiger Grund dafür, dass Kabel und Leitungen in Schweden generell häufig über der Erde verlegt werden. Von den Folgen können nicht zuletzt leidgeprüfte Strom-Kunden ein Lied singen: In den vergangenen Jahren gab es vor allem in Nordschweden immer wieder teils lang anhaltende Stromausfälle, weil umgestürzte Bäume Leitungen beschädigt hatten. Auch IT-Kabel sind also häufig frei zugänglich – und nicht nur dem Walten von Naturkräften wie Sturm ausgesetzt. Hinter dem Kollaps des Mobiltelefonnetzes in weiten Teilen Norrbottens und Västerbottens am Wochenende stand offenkundig eine gezielte Aktion: In der Nähe von Luleå hatte jemand ein Fiber-Kabel durchschnitten. Nebenbei legte der Täter damit auch gleich noch Teile des Fernsehprogramms und des Internetverkehrs lahm.

Polizei ist kritisch

Göran Milbert von der Polizei Norbotten ermittelt wegen Sabotage. Er hat wenig Verständnis dafür, dass die Kabel so leicht zugänglich sind. „Das ist eine ernste Sache! Wir müssen die Kabelbesitzer und die Eigner der Telekommunikations- und Datennetze auffordern, sich auf die eine oder andere Weise besser zu schützen.“ Das betroffene Kabel gehört zu Schwedens zweitgrößtem Fiberoptik-Netz. Es verläuft entlang einer Eisenbahnstrecke. Dass es derzeit ungeschützt liegt, hat mit laufenden Reparaturarbeiten zu tun. Doch auch im Normalfall kommt es häufig vor, dass Kabel von tausenden Kilometern Länge ungeschützt bleiben – oder mit Schutzvorrichtungen versehen sind, die sich leicht entfernen lassen. Das unbekümmerte Herangehen entspricht dem schwedischen Gesetz, das Staffan Lindmark von der Post- und Telekomaufsichtsbehörde PTS so beschriebt: „Es gibt keine übergreifenden, detaillierten Forderungen, wonach man ein Kabel auf eine bestimmte Art und Weise verlegen müsste. Was wir haben, sind übergreifende Regeln, die besagen, dass man mit der Sicherheit arbeiten und darauf achten muss, seine Netze und Dienste kontinuierlich zu verbessern.“

Mildes Gesetz

Wenn ein Netz verlegt wird, sind laut Gesetz zunächst die Verantwortlichen, also die Netzbetreiber und die Eigentümer der Kabel, gehalten, Sicherheitsmaßnahmen nach eigenem Gutdünken zu ergreifen. Anschließend entscheidet die Post-und Telekomaufsichtsbehörde, ob diese Maßnahmen ausreichen. Staffan Lindmark von der PTS betont: „Die Firmen sind bestrebt, ihre Netze zugänglich zu halten, weil sie ihre Kunden behalten wollen – und das tut man nun mal am besten, indem man funktionierende Dienste bietet.“ Am vergangenen Wochenende in Nordschweden hat dies freilich nicht funktioniert. Bei Skanova, dem Unternehmen, dem das beschädigte Kabel gehört, ist zu dem Fall bislang nicht viel zu erfahren. „Wir untersuchen derzeit, was passiert ist“, sagt Unternehmenssprecherin Lena Rosell. Auf die Frage, weshalb an die Kabel überhaupt so leicht heranzukommen ist, kann sie keine Antwort geben.

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