Glücklich, aber teuer: Schwedische Schweine (Foto: Matthias Rietschel/Scanpix)
POLITIK

Schwedische Bauern besorgt über Billig-Importe aus Deutschland

Schwedische Bauern in Sorge
4:54 min

Der deutsche Dioxin-Skandal hat nicht nur deutsche Landwirte hart getroffen, sondern auch ihre Kollegen in Schweden. Denn aus Deutschland importiertes Schweinefleisch wird infolge des Skandals inzwischen häufig zum Dumpingpreis angeboten. Damit stellt es eine harte Konkurrenz für schwedische Bauern mit ihren vergleichsweise teuren Produkten dar.

„Die schwedische Tieraufzucht insgesamt und speziell die Schweineaufzucht befinden sich momentan in einer sehr schwierigen Lage“, sagt Maria Forshufvud, Chefin der Brachenorganisation Svenkt kött (Schwedisches Fleisch). Das massenweise aus Deutschland kommende Fleisch drücke die Preise; nicht zuletzt Einrichtungen wie Großküchen, so für Schulen oder Seniorenheime, hätten nun mal vor allem möglichst niedrige Ausgaben im Blick. Die Folge: Schwedens Landwirte bekämen für harte Arbeit keineswegs angemessen bezahlt. Jeden Tag, so Maria Forshufvud, nehme sie Telefonate von verzweifelten Landwirten entgegen, die nicht wüssten, wie finanzieller Aufwand und Nutzen in Übereinstimmung zu bringen seien.

Woher kommt das Schnitzel?

Vor diesem aktuellen Hintergrund erneuert die Branche nun die Forderung, sämtliche Fleischprodukte mit einem obligatorischen Verweis auf das Ursprungsland zu versehen – als Entscheidungshilfe für den Verbraucher, der sicher sein will, verlässliche, schwedische Produkte zu kaufen. Gegenwärtig liefen entsprechende Gespräche zwischen Politik und Branchenvertretern, erläutert die Chefin von Svenskt kött. „Wir finden es ganz natürlich, diese Forderung zu stellen, angesichts der Tatsache, dass wir in Schweden eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt haben. Wir halten diese Gesetzgebung für gut und wollen weiterhin von ihr ausgehend arbeiten. Das bedeutet aber auch, dass in der schwedischen Tieraufzucht entsprechend hohe Kosten anfallen – wenn wir da gegen billiges Importfleisch konkurrieren, ist es vollständig unmöglich, Tieraufzucht weiter in Übereinstimmung mit den strengen Gesetzen zu betreiben.“ Doch ist schwedische Tieraufzucht wirklich so gut wie ihr Ruf? Aufsehen erregten im vergangenen Jahr Tierschützer mit geheimen Aufnahmen aus schwedischen Schweineställen. Verwahrloste Tiere waren da zu sehen, und Berichte von völlig unzureichenden Inspektionen rundeten das Negativ-Bild ab.

Unabhängige Kontrollen

Die Branche habe sich dies zu Herzen genommen, betont Maria Forshufvud: „Jetzt müssen alle Höfe, die Tiere zur Schlacht liefern, einem Zertifizierungssystem angeschlossen sein. Wir haben inzwischen die Zertifizierung durch eine unabhängige dritte Stelle, die darauf achtet, dass den Gesetzen Folge geleistet wird. Dieses System beginnt jetzt gerade anzulaufen, zum nächsten Jahreswechsel sollen alle betroffenen Höfe zertifiziert sein, aber angeschlossen sind sie schon jetzt. Ich möchte aber betonen: Die übergroße Mehrzahl der schwedischen Tierzüchter arbeiten in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes.“

Während schwedische Landwirte also unter der Last der deutschen Konkurrenz stöhnen, ist eine grundlegende Änderung der Einfuhrbestimmungen aufgrund des deutschen Dioxinskandals nicht in Sicht. „Das Amt für Lebensmittelwesen verfolgt die Entwicklung in Deutschland sehr genau“, sagt Jan Sjögren, Chef der Kontroll-Abteilung der Behörde. ”Die bei uns eingegangenen Berichte deuten darauf hin, dass nach Schweden kein vergiftetes Futter eingeführt worden ist oder dass Lebensmittel aus den gesperrten Höfen schwedische Verbraucher erreicht hätten. Damit geben wir uns momentan zufrieden. Darüber hinaus haben wir aber auch von einer Reihe großer Lebensmittelfirmen Versicherungen dahingehend eingeholt, dass ihre Produkte nicht von den gesperrten deutschen Höfen kommen.“

Kein Importstopp geplant

Einen grundsätzlichen Importstopp für deutsches Fleisch, so wie von Russland und China verhängt, hält Sjögren daher für nicht angemessen; zudem sei Schweden als EU-Mitglied an entsprechende Vorgehensweisen gebunden, und Beschlüsse dieser Tragweite müssten von den EU-Ländern gemeinsam gefasst werden. Dies gelte auch für die von den Landwirten gestellte Forderung nach Kenntlichmachung des jeweiligen Ursprungslandes eines Fleischprodukts. „Diese Frage wird innerhalb der EU weiterhin diskutiert, sie ist noch längst nicht entschieden. Bisher beziehen wir dazu also keine Position. Die Verantwortung unseres Amtes ist es, dafür zu sorgen, dass schwedische Verbraucher verlässliche Lebensmittel einkaufen können – dass man nicht übers Ohr gehauen wird. Wie der Markt für schwedische Produzenten aussieht – das ist nicht unser Verantwortungsbereich.“

Anne Rentzsch

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