Bert Sundström erstattet Bericht aus Kairo, kurz bevor er misshandelt wurde. Foto: SVT.
Unruhen in Ägypten

Empörung über mutwillige Eskalation

Aktualisiert 15:15

Aufgrund der angespannten Sicherheitslage hat das Außenministerium seine Reiseempfehlung für Ägypten verschärft und rät ab sofort schwedischen Staatsbürgern von jeglichen Besuchen in dem nordafrikanischen Land ab. Zuvor war lediglich empfohlen worden, von Vergnügungsreisen abzusehen. Eine allgemeine Evakuierung schwedischer Staatsbürger ist jedoch weiterhin nicht geplant. Grund der verschärften Formulierung sind unter anderem die Angriffe auf Journalisten in den letzten Tagen, die auch in Schweden Empörung hervorriefen.  Zu den nach Angaben internationaler Medien rund 50 attackierten ausländischen Medienvertretern gehören auch mehrere schwedische Reporter. Unter anderem verschwand der Korrespondent des Schwedischen Fernsehens am frühen Donnerstagnachmittag und wurde Stunden später schwer verletzt aufgefunden. Er wird nun in einem Kairoer Krankenhaus an von Messerstichen und Schlägen verursachten Bauch- und Kopfwunden versorgt.

Nach Angaben der Fernsehführung ist sein Zustand sehr ernst, aber stabil. In einem schriftlichen Kommentar verurteilte Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt die tätlichen Angriffe auf Journalisten: „Angriffe auf Journalisten sind völlig inakzeptabel, inhaftierte Journalisten müssen freigelassen werden.“

Als Folge der Gefahr für ausländische Journalisten hat der Schwedische Rundfunk seine Mitarbeiter aufgefordert, am heutigen Freitag im Hotel zu bleiben. Man stehe in ständigem Kontakt und bewerte die Lage stündlich neu, sagt Christina Gustavsson, Leiterin der Auslandsredaktion. „Unsere Mitarbeiter sind beauftragt in ihren Berichten zu thematisieren, dass sie aufgrund der Sicherheitslage nicht vor die Tür gehen können und dass offenbar eine systematische Verfolgung von Journalisten stattfindet.“ Gustavsson räumt ein, dass diese Vorgehensweise Auswirkungen auf die Inhalte der Berichterstattung haben. „Sehr große Auswirkungen. Wir können ja nicht berichten, was auf dem Tahrir-Platz geschieht. Alle Fernsehkameras sind fort von dort – jetzt kann das Regime dort ungesehen machen, was es möchte.“ Auch die Kollegen des schwer verletzten Fernsehjournalisten haben die Anweisung erhalten, im Hotel zu bleiben.

Die Mitarbeiter der Tageszeitung Svenska Dagbladet sind von ihrer Redaktion angewiesen, das Hotel nur in Begleitung mindestens einer weiteren Person zu verlassen. Konkret bleiben sie aber aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls im Hotel, so Auslandschef Niklas Kierkegaard. Da somit kaum Möglichkeit zur Berichterstattung bestehe, erwäge die Zeitung ihre Mitarbeiter aus Ägypten abzuziehen.

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