Bakterien in der Umgebung zum Geburtszeitpunkt beeinflussen die Gehirnentwicklung - bei Mäusen
Forschungsbericht am Karolinischen Institut

Magen-Darmbakterien beeinflussen Gehirnentwicklung

Bakterien beeinflussen Hirnentwicklung
2:05 min

Eine natürliche Bakterienflora zum Zeitpunkt der Geburt ist eine Voraussetzung für eine normale Entwicklung des Gehirns – jedenfalls bei Mäusen. Das geht aus einer Studie am Institut für Neurologie des Karolinischen Instituts hervor. Sollten sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, könnten sie große Bedeutung für die Erklärung beispielsweise der zunehmend häufigeren Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsdiagnosen bei Kindern haben.

Die Wissenschaftler untersuchten zwei Gruppen von Mäusen. Die eine Gruppe war in einer völlig keimfreien Umgebung zur Welt gekommen, während die andere Gruppe bei der Geburt einer natürlichen Bakterienflora ausgesetzt war. Die Tiere entwickelten unterschiedliche Verhaltensmuster, erklärt Professor Hans Forssberg, einer der Autoren. „Tiere, die bei ihrer Geburt keine Bakteriensignale erhielten, waren aktiver, also hyperaktiv und gingen größere Risiken ein. Sie waren weniger vorsichtig als die anderen Mäuse.“ Mit dieser Beobachtung belegt das Forscherteam, dass bei Mäusen eine normale Bakterienflora eine Voraussetzung für eine normale Entwicklung des Gehirns ist.

Nicht nachholbar

Interessant auch, darauf weisen die Forscher hin: Der durch die Bakterien ausgelöste Entwicklungsschub lässt sich nicht nachholen. Die Versuche belegen: Im keimfreien Milieu geborene Mäuse, die als ausgewachsene Tiere dann mit Bakterien in Kontakt kamen, änderten ihre Verhaltensmuster nicht mehr. „Es gibt also offenbar im Neugeborenenalter ein kurzes Zeitfenster, in dem diese Signale wirken. Und wichtig ist auch, dass diese Programmierung ganz natürlich und normal stattfindet.“

Bakterien beeinflussen Gehirnentwicklung

Die Ergebnisse der schwedischen Forscher ergänzen somit bereits früher gewonnene Erkenntnisse, denen zufolge verschiedene, beispielsweise in Magen und Darm vorkommende, Bakterien die Entwicklung bestimmter Körperfunktionen beeinflussen, etwa Leber und Bauchspeicheldrüse. Nun kommt womöglich ein Einfluss auf die Entwicklung der Gehirnfunktionen hinzu. Sollten sich die Belege auf den Menschen übertragen lassen, würde dies nicht zuletzt auf die in der westlichen Welt stetig steigende Anzahl der Kaiserschnittgeburten in keimfreien Operationssälen ein neues Licht werfen, bei denen das Neugeborene nicht mit den Keimen der Mutter in Kontakt kommt.

Luise Steinberger

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