Mädchen haben bei der Benotung gut lachen. (Foto: Karin Lycke/SR)

Ungleiche Benotung in der Schule

Ungleiche Benotung in der Schule
3:21 min

Mädchen bekommen bedeutend bessere Abschlusszeugnisse als Jungen, obgleich sie bei den landeseinheitlichen Zentralprüfungen schlechter abschneiden. Die Fachzeitschrift des Lehrerverbands hat eine Statistik des schwedischen Zentralamts für Schule und Erwachsenenbildung (Skolverket) zum Anlass genommen, Zensuren zu diskutieren.

Wird bei der Benotung der Mädchen ihr Interesse und ihre Motivation etwas zu lernen mit berücksichtigt, während die Jungen auch wegen ihres allgemeinen Auftretens schlechter zensiert werden? Dass schwedische Lehrer unterschiedliche Noten für die gleiche Leistung geben, ist bereits länger bekannt. Die Frage ist, woran das liegt, und was dagegen getan werden kann.

Persönliche Eigenschaften wichtig

So hat die Lektorin für Pädagogik, Alli Klapp, an der Hochschule Väst 2008 eine Studie über die Benotung gemacht und stellt fest, dass Zensuren in der schwedischen Lehrerausbildung bisher kaum ein Thema waren: „Anscheinend kompensieren viele Lehrer mangelnde Kenntnisse ihrer Schüler, indem sie auch deren persönliche Eigenschaften benoten. Aber man darf auch nicht außer Acht lassen, dass Benotungen immer subjektiv sind. Lehrer brauchen  eine Ausbildung um angemessen zensieren zu können. Diese Ausbildung ist bisher nicht ausreichend.“  Im Pädagogikstudium werde sich das aber schon in diesem Jahr ändern, fügt Klapp hinzu.

Im Fach Englisch bekamen zum Beispiel im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr Mädchen als Jungen im Zeugnis eine bessere Zensur als die Noten, die sie in den Klassenarbeiten der Zentralprüfungen erreicht hatten. In Mathematik brachten es dreimal so viele Mädchen wie Jungen auf die Note „sehr gut“, ohne dass sie entsprechende Leistungen in den Zentralprüfungen aufweisen konnten. In Physik gar erzielten mehr Jungen als Mädchen ein „sehr gut“ in den zentralen Prüfungen, aber mehr Mädchen wurden im Zeugnis mit „sehr gut“ zensiert.

Angepasstheit lohnt sich

Diese Benotungsunterschiede sind möglicherweise darauf zurückzuführen, dass Mädchen sich besser an die Unterrichtssituation anpassen als Jungen, vermutet Wolfgang Dietrich vom Zentralamts für Schule: „Zum Beispiel kann mit hineinspielen, ob jemand seine Hausaufgaben rechtzeitig abgibt, die Anweisungen besser befolgt und sich ganz allgemein angemessener verhält.“

Mats Olsson gibt ihm in gewisser Weise Recht. Er bildet Lehrer an der Hochschule in Malmö aus und weist darauf hin, dass der Schulunterricht stark durch die Lehrer und ihre Erwartungen geprägt wird. Mädchen verstünden solche Signale besser: „Lange war ausschlaggebend, zu verstehen, was die Lehrer wollen und sich entsprechend zu verhalten. Zum Beispiel, sich besonders anzustrengen, um bei einer Klassenarbeit gut abzuschneiden. Aber ich fürchte, dass wir die Kinder auf diese Art dazu erziehen, unsere Erwartungen zu erfüllen, anstatt selbständig zu handeln.“

Man kennt „seine Pappenheimer“

Johan Kant allerdings, stellvertretender Direktor einer Stockholmer Schule, glaubt nicht an Vorteile für Mädchen durch ihre bessere Anpassung und größere soziale Kompetenz: „Wenn man einen Schüler vier Jahre lang unterrichtet hat, benotet man selbstverständlich auch den Eindruck aus dem Unterricht, die Teilnahme an Diskussionen, den Kenntnisstand und so weiter. Das Betragen als solches hat dabei keine Bedeutung.“

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