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Seit zehn Jahren erfolgreich beim Einwandererfang in Utrecht: Provinz Värmland (Foto: Annelie Lanner/Sveriges Radio)
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Einst selbst aus Holland eingewandert, nun Zuwanderungsbeauftragte der Ortschaft Åsele: Christien Fox
Migration/Arbeitsmarkt

Schwedische Gemeinden umwerben holländische Einwanderer

"Zuwanderung lebenswichtig für Nordschweden"
4:26 min

Während viele Schweden den dünn besiedelten Regionen den Rücken kehren, locken Ruhe und Natur immer mehr Einwanderer an. Dies wissen auch die Gemeinden, weshalb mehr als 100 von ihnen auf der alljährlichen Auswanderungsmesse im niederländischen Utrecht für sich Werbung machten. Am Wochenende fand die Messe zum 15. Mal statt.

11.000 Besucher kamen laut Veranstaltern in die Messehallen von Utrecht. Viele von ihnen wollten sich insbesondere über die Vorzüge des Lebens und Arbeitens in Schweden informieren. Marian Noorderwerf gehört zu denen, die sich einen Umzug in die Weiten Nordeuropas vorstellen kann. 

„Holland ist so überfüllt, und es wird immer schlimmer. Seit etwa zehn Jahren ist es zu manchen Tageszeiten ein Problem, einfach nur die Straßenseite zu wechseln. Ich habe Schweden ein paar Mal besucht, und selbst Stockholm kommt mir im Vergleich sehr ruhig vor.“ 

Rund 16 Millionen Einwohner drängeln sich auf einer Fläche so groß wie die nordschwedische Provinz Jämtland. 300 Einwohner pro Quadratkilometer sind nur vergleichbar mit den Großstädten hierzulande. Der schwedische Durchschnitt liegt bei 23 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das macht Schweden insbesondere für Holländer attraktiv, sind sich die Gemeinden einig. In einem Messeabschnitt werben sie mit den klassischen roten Holzhäusern und Dalapferden, aber auch mit Vogelgezwitscher und wilder Natur. Ansprechend, findet Mirella van der Linde. 

„In Holland gibt es nicht soviel Natur. Uns interessieren also Länder, in denen es mehr Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten gibt wie Klettern und Skifahren. Schweden kommt da absolut in Frage.“ 

Willkommen im dünn besiedelten Nordschweden  

Eine, die den Schritt vor mehreren Jahren gewagt hat und nun ihrerseits versucht, Landsleute für den hohen Norden zu begeistern, ist Christien Fox. In der 3.000-Seelen-Gemeinde Åsele arbeitet sie inzwischen als Einwanderungsbeauftragte.

„Zuwanderung ist lebenswichtig für die Region, weil der Trend in Nordschweden nach unten zeigt. Wenn wir in den dünner besiedelten Landesteilen längerfristig überleben wollen, müssen wir Menschen dazu bewegen, hierher zu ziehen. Es spielt keine Rolle, ob das Menschen aus anderen Ländern sind oder Schweden aus anderen Regionen.“

In den dichter besiedelten Gebieten weiter im Süden, etwa in der Gemeinde Skaraborg, kann man es sich leisten, wählerischer zu sein. Dort sind die Zuwanderungswünsche weitaus spezifischer, betont Ingemar Fredriksson, in der Gemeinde zuständig für Investitionsförderung. 

„Vor einigen Jahren waren wir auch noch stärker auf Zuzug ausgerichtet. Heute konzentrieren wir uns ausschließlich auf bestimmte Zielgruppen: Unternehmer, Ärzte, Zahnärzte. Qualität ist uns wichtiger als Quantität, denn es ist niemandem damit gedient, wenn zwar viele Holländer hierher ziehen, die dann aber beruflich erfolglos sind und sich hier nicht wohlfühlen.“ 

Standortvorteile: Natur und Jobs 

Seit 15 Jahren richtet Utrecht die Auswanderungsmesse aus, die von Jahr zu Jahr beliebter wird. Rund 320 Holländer ziehen täglich aus ihrer Heimat fort. Immerhin 30 Familien konnte die Region Dalarna in den vergangenen drei Jahren als Folge der Messe zu sich locken, erzählt Helene Persson Grafmann, in der Gemeinde für das Projekt „Flytta till Dalarna“ (Umziehen nach Dalarna) zuständig. Auch die diesjährige Messe mit 120 ernsthaften Interessenten verbucht sie als Erfolg. 

„Wir brauchen mehr Einwohner in Dalarna. Viele Menschen der Jahrgänge 1940 bis 1949 gehen nun in Rente, das heißt, es findet ein Generationenwechsel statt. Unsere Jugend kann die Lücke aber nicht schließen. Dazu kommt, dass es für die Unternehmen bei uns gut läuft, unsere Exportindustrie ist sehr stark. Deshalb müssen wir mehr werden.“ 

Die Holländer, die nicht alle Regionen Schwedens gleichermaßen gut kennen und kaum beurteilen können, wo die Natur am schönsten und am wildesten ist, haben es bei der Wahl nicht leicht. 

„Wir in Dalarna haben Natur und vor allem leicht zugängliche Natur anzubieten, die auch aus den Städten schnell zu erreichen ist“, so Helene Persson Grafmann. „Dazu haben wir gute Immobilien; große Häuser, die bei den Holländern sehr beliebt sind, zu einem erschwinglichen Preis – besonders im Vergleich zu den Niederlanden.“

Liv Heidbüchel/Annelie Lanner

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