Schwere Kritik an Reepalu

Wiesenthal-Zentrum fordert rasche Reaktion auf Hasskriminalität

2:40 min

Aktualisiert: 15:15

Vertreter des Simon-Wiesenthal-Zentrums haben während eines dreitägigen Besuchs in Malmö Schwierigkeiten für mehrere Minderheiten in der südschwedischen Stadt festgestellt. Bei ihren Gesprächen mit Mitgliedern von Minderheiten und Stadtrat scheint die jüdische Menschenrechtsorganisation aus Los Angeles jedoch keinen Durchbruch zu erleben.

„Wir haben Vertreter verschiedener Gemeinden getroffen, Muslime, Roma und die jüdische Gemeinde. Sie alle bedauerten das Unverständnis des Bürgermeisters und seiner Behörden für die Situation der betroffenen Gruppen“, sagt Shimon Samuels zum Schwedischen Lokalrundfunk in Malmö.

Samuels kritisiert Kommunalrat Ilmar Reepalu. Er meint, Reepalu nehme fremdenfeindliche und antisemitisch motivierte Straftaten in Schwedens drittgrößter Stadt nicht ernst genug.

Mangel an Verständnis

Schon im Dezember hatte das Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles Juden vom Besuch Malmös abgeraten, weil jüdische Bürger dort schikaniert würden. Auch Reepalus Engagement gegen die antisemitischen Straftaten, die vor allem 2009 deutlich zugenommen haben, sei unzureichend.

 Shneur Kesselman, Rabbiner in Malmö, ist oft schikaniert worden. Er hat fast dreißig Anzeigen bei der Polizei erstattet - alle sind im Sande verlaufen. Kesselman ist wichtig, dass das Wiesenthal-Zentrum sich in Malmö engagiert: „Es gibt ganz gewöhnliche Menschen hier, die nicht zum Kindergarten oder zur Synagoge gehen, ohne Angst zu haben. Jugendliche müssen sich wirklich genau überlegen wohin sie gehen, wenn sie draußen einen Davidsstern tragen.“              

Sondereinheit gegen Hasskriminalität

Bei Treffen der Vertreter des Simon-Wiesenthal-Zentrums mit Ilmar Reepalu, Polizeidirektor Ulf Sempert und Vertretern der Staatsanwaltschaft, wurde unter anderem über die Gründung einer Polizeiabteilung gegen Hasskriminalität nach amerikanischem Vorbild gesprochen. Ilmar Reepalu ist prinzipiell  für diese Idee. Er verweist aber darauf, dass das Justizministerium dazu eine Genehmigung erteilen muss. Vielleicht könne das Simon-Wiesenthal-Zentrum bei Justizministerin Beatrice Ask mehr erreichen als die Stadt Malmö.

Bevor das Wiesenthal-Zentrum seine Reisewarnung zurückzieht, will es schnellere und deutlichere Reaktionen auf Hasskriminalität von Polizei und Stadtrat sehen.

Die Verfolgten dürfen sich nicht alleingelassen fühlen, betont der stellvertretende Leiter des Wiesenthal-Zentrums, Abraham Cooper: „Wenn die Polizei erfährt, dass ein Hassverbrechen verübt worden ist, muss sie zusammen mit den Politikern rasch reagieren. Damit wird den Betroffenen deutlich gemacht, dass sie nicht allein und vergessen sind.“

In einer Mail an die Nachrichtenagentur TT am Dienstagnachmittag machten Vertreter des Wiesenthal-Zentrums deutlich, dass die Reisewarnung für Juden nach Malmö bestehen bleibe, wenn sich am Status Quo nicht umgehend etwas ändere.

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